besetzung von alice im wunderland: hinter den spiegeln

besetzung von alice im wunderland: hinter den spiegeln

In einem abgedunkelten Raum in den Londoner Shepperton Studios saß ein Mann vor einem Monitor und starrte auf das Gesicht von Johnny Depp. Es war das Jahr 2015, und der Maskenbildner Peter Swords King arbeitete mit einer Akribie, die fast an Besessenheit grenzte. Er wusste, dass das Publikum den Verrückten Hutmacher bereits kannte, doch diesmal war etwas anders. Die Farben waren gedämpfter, die Traurigkeit in den Augen tiefer, fast greifbar. Es ging nicht mehr nur um den grellen Wahnsinn eines Teeklatsches, sondern um die schmerzhafte Zerbrechlichkeit der Zeit und den Verlust von Familie. Dieser Moment der Verwandlung war der emotionale Ankerpunkt für die gesamte Besetzung von Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln, die sich vorgenommen hatte, Lewis Carrolls mathematische Spielereien in ein zutiefst menschliches Drama zu übersetzen. Während Alice Kingsleigh durch das Glas schritt, suchten die Schauspieler nach einer Wahrheit, die jenseits von CGI-Effekten und opulenten Kostümen lag.

Es ist leicht, sich in der visuellen Pracht der Unterwelt zu verlieren, in diesem Rausch aus Farben, der fast wie eine Droge wirkt. Doch hinter den Kulissen kämpften die Darsteller mit einer ganz anderen Herausforderung. Sie mussten gegen grüne Leinwände anspielen, gegen das Nichts, während sie gleichzeitig die komplexesten Gefühle der menschlichen Existenz verkörperten. Mia Wasikowska, die Alice mit einer erstaunlichen Modernität und Bodenständigkeit spielte, beschrieb oft, wie einsam dieser Prozess sein konnte. In einer Welt, in der alles möglich ist, wird die eigene Präsenz zum einzigen Fixpunkt. Sie war nicht länger das kleine Mädchen, das in ein Kaninchenbau fiel, sondern eine junge Frau, die gegen die starren Konventionen des viktorianischen Englands und gegen die unerbittliche Logik der Zeit selbst ankämpfte.

Die Fortsetzung des Erfolgsfilms von 2010 unter der Regie von James Bobin wagte einen radikalen Schritt weg von der direkten Buchvorlage. Während Carrolls literarisches Werk eher eine lose Aneinanderreihung von Wortspielen und logischen Paradoxien war, suchte der Film nach einer Geschichte über Reue und Vergebung. Das Team wusste, dass die visuelle Sprache von Tim Burton, der diesmal als Produzent fungierte, erhalten bleiben musste, aber die Seele der Figuren brauchte mehr Raum zum Atmen.

Die Besetzung von Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln und die Last der Zeit

Sacha Baron Cohen trat in dieses Ensemble mit einer Gravitas ein, die man von dem Schöpfer von Borat kaum erwartet hätte. Als Verkörperung der Zeit selbst – halb Mensch, halb Uhrwerk – brachte er eine melancholische Komik in den Film. Sein Schloss, die Ewigkeit, war kein Ort des Schreckens, sondern ein Ort der Ordnung, an dem jede Sekunde zählt, buchstäblich an einer goldenen Kette hängend. In den Szenen zwischen ihm und James Bobin entstand die Idee, Zeit nicht als Bösewicht zu sehen, sondern als ein unverstandenes Wesen, das uns alles nimmt, was wir lieben, nur um uns zu lehren, den Moment zu schätzen. Cohen spielte diesen Part mit einer steifen, fast preußischen Präzision, die wunderbar mit dem Chaos der anderen Figuren kontrastierte.

Es gab eine Szene während der Dreharbeiten, in der Helena Bonham Carter als die Rote Königin – Iracebeth – einen Wutanfall simulierte. Ihr Kopf, digital zu gigantischen Proportionen aufgebläht, war im Studio lediglich durch eine kleine Markierung an der Wand angedeutet. Dennoch schaffte sie es, eine solche Verletzlichkeit in ihre Stimme zu legen, dass das Set für einen Moment totenstill wurde. Hinter dem Hass auf ihre Schwester Mirana, gespielt von Anne Hathaway, verbarg sich ein Kindheitstrauma, ein simpler Moment der Ungerechtigkeit wegen einer heruntergefallenen Tarte. Hier zeigte sich die Stärke der Erzählung: Das Schicksal ganzer Welten hing an einem verleugneten Fehler zweier Schwestern.

Die Architektur der Sehnsucht

In den Pausen zwischen den Aufnahmen sah man oft, wie die Schauspieler in ihren schweren Kostümen unter Kühlwesten saßen, um der Hitze der Scheinwerfer zu trotzen. Das Kostümdesign von Colleen Atwood war eine eigene Sprache. Für Alice entwarf sie ein Ensemble, das an einen chinesischen Admiral erinnerte – ein Symbol für ihre Reisen und ihre Unabhängigkeit. Es war ein krasser Gegensatz zu den Korsetts, die sie in London hätte tragen sollen. Wenn Wasikowska diese Kleidung trug, veränderte sich ihre Haltung; sie wurde breiter, sicherer, eine Kapitänin ihres eigenen Lebens.

Das Thema der Selbstbestimmung zog sich wie ein roter Faden durch die Produktion. In der realen Welt des 19. Jahrhunderts wurde Alice als hysterisch abgestempelt, weil sie Träume hatte, die über die Ehe hinausgingen. Der Film spiegelte die Kämpfe wider, die Frauen in der Filmindustrie und darüber hinaus bis heute führen. Es war kein Zufall, dass Alice ihre Reise im Sanatorium begann, eingesperrt von Männern, die ihre Fantasie als Krankheit diagnostizierten. Die Flucht durch den Spiegel war somit nicht nur eine Reise in eine Zauberwelt, sondern ein Akt des Widerstands.

Die darstellerische Leistung von Johnny Depp in dieser Phase war geprägt von einem subtilen Abschied. Er verlieh dem Hutmacher eine Blässe und eine brüchige Stimme, die den Verlust seines Vaters betrauerte. Es war eine Erinnerung daran, dass wir alle Kinder sind, die nach Anerkennung suchen. Rhys Ifans, der den strengen Vater Zanik Hightopp spielte, brachte die nötige Härte ein, um den Konflikt spürbar zu machen. Die Versöhnung am Ende war kein billiger Hollywood-Moment, sondern das Ergebnis einer schmerzhaften Reise durch die eigene Vergangenheit.

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Man darf nicht vergessen, dass dies auch einer der letzten Auftritte von Alan Rickman war. Seine Stimme, die die blaue Absolem-Raupe zum Leben erweckte – nun ein Schmetterling –, hallte durch das Studio wie eine Botschaft aus einer anderen Sphäre. Es lag eine tiefe Ironie und eine traurige Schönheit darin, dass er über das Vergehen der Zeit sprach, während er selbst kurz vor seinem Ende stand. Wenn Absolem Alice durch das Glas führt, wirkt es heute wie ein weiser Rat eines Mentors, der weiß, dass der Vorhang bald fällt.

Die Besetzung von Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln funktionierte wie ein gut geöltes Uhrwerk, doch der Antrieb war rein menschlich. Sie nahmen die kalte Präzision der Technik und füllten sie mit Tränen, Lachen und einer tiefen Ernsthaftigkeit. Es ging darum zu zeigen, dass man das Vergangene nicht ändern kann, aber man kann daraus lernen. Dieser einfache Satz, ausgesprochen in einer Welt voller sprechender Blumen und Zeitmaschinen, war die wichtigste Wahrheit, die der Film zu bieten hatte.

Wenn man heute die Bilder sieht, wie Alice über die weite Ozeane der Zeit segelt, denkt man nicht an Pixel oder Greenscreens. Man denkt an den Mut, den es erfordert, sich den eigenen Fehlern zu stellen. Man denkt an die Geschwister, mit denen man zerstritten ist, und an die Väter, denen man nie alles gesagt hat. Die Schauspieler gaben diesen abstrakten Konzepten ein Gesicht. Sie machten das Unmögliche möglich, nicht durch Magie, sondern durch Empathie.

In der letzten Szene des Films kehrt Alice in ihre Welt zurück, bereit, ihr eigenes Schiff zu führen. Sie verabschiedet sich vom Hutmacher, und es ist ein Abschied für immer, ein Erkennen, dass manche Türen sich schließen müssen, damit andere aufgehen können. Es war ein ruhiger Moment am Set, fast ohne Spezialeffekte. Nur zwei Menschen, die sich ansahen und wussten, dass ihre gemeinsame Geschichte zu Ende war. In diesem Schweigen lag die ganze Kraft des Kinos.

Als die Lichter im Studio schließlich gelöscht wurden und die Kostüme in die Archive wanderten, blieb etwas zurück, das über das Zelluloid hinausging. Es war das Gefühl, dass wir alle Reisende zwischen den Spiegeln sind, ständig auf der Suche nach einem Weg, die Sekunden sinnvoll zu füllen, bevor sie uns entgleiten. Alice segelte davon, in den Nebel der Geschichte, doch ihr Blick blieb fest auf den Horizont gerichtet, ungeachtet der Stürme, die kommen mochten.

Am Ende blieb nur das leise Ticken einer Taschenuhr in der Stille des verlassenen Zimmers.

LZ

Lisa Zimmermann

Zwischen Tagesaktualität und Hintergrundanalyse bringt Lisa Zimmermann Struktur in komplexe Themenlagen.