besetzung von big business außer spesen nichts gewesen

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Man stelle sich einen gläsernen Turm in Frankfurt oder London vor, in dem die Teppiche so tief sind, dass man darin versinken könnte, und die Gesichter der Führungsebene so austauschbar wirken wie die Kaffeekapseln in der Teeküche. Wer glaubt, dass die Auswahl der Köpfe an der Spitze eines globalen Konzerns einem strengen meritokratischen Gesetz folgt, hat wahrscheinlich zu viele Biografien von Silicon-Valley-Gründern gelesen. In der harten Realität der DAX-Konzerne und Fortune-500-Unternehmen ist die personelle Auswahl oft ein Theaterstück, dessen Skript längst feststeht, bevor der erste Vorhang fällt. Wir beobachten seit Jahrzehnten ein Phänomen, das ich als die große Illusion der Management-Erneuerung bezeichne. Oft ist die Besetzung Von Big Business Außer Spesen Nichts Gewesen, weil die Strukturen eines Giganten weitaus träger sind als die Individuen, die man in die Chefsessel hievt. Es herrscht der Glaube vor, ein einzelner Heilsbringer könne ein Schiff von der Größe eines Öltankers mit einer bloßen Handbewegung auf Kurs bringen. Doch wer sich die Bilanzen und die kulturelle Stagnation vieler Traditionsunternehmen ansieht, erkennt schnell, dass der Austausch von Personalien meist nur die Optik bedient, während der Kern unverändert bleibt.

Die Besetzung Von Big Business Außer Spesen Nichts Gewesen als strukturelle Sackgasse

Wenn ein Aufsichtsrat einen neuen CEO präsentiert, wird das Ereignis zelebriert wie eine Papstwahl. Es fließen Millionen in Headhunter-Agenturen, es werden Beraterverträge unterschrieben und Umzugskostenpauschalen gewährt, die den Jahreslohn einer Kleinstadt übersteigen. Doch blicken wir hinter die Kulissen der Personalentscheidungen bei Firmen wie der Deutschen Bank oder VW in den letzten zwanzig Jahren. Was wir dort finden, ist oft ein Kreislauf der Redundanz. Man holt jemanden von der Konkurrenz, der genau die gleichen Fehler bereits dort gemacht hat, oder befördert einen internen Kandidaten, der so tief im alten System verwurzelt ist, dass jede echte Reform im Keim erstickt wird. Das System schützt sich selbst, indem es nur Klone seiner selbst an die Spitze lässt. Ein echter Querdenker würde die Immunsysteme dieser Organisationen sofort aktivieren. Deshalb bleibt am Ende oft das Gefühl zurück, dass der ganze Aufwand lediglich eine teure Übung in Öffentlichkeitsarbeit war. Die Kosten für diese Fehlgriffe trägt der Aktionär, während die Protagonisten mit goldenen Handschlägen in den Ruhestand verabschiedet werden, nur um zwei Jahre später im nächsten Aufsichtsrat aufzutauchen. Es ist ein geschlossener Kreislauf der Mittelmäßigkeit, der durch horrende Honorare legitimiert wird.

Der Mythos der individuellen Genialität

In der Betriebswirtschaftslehre wird uns beigebracht, dass Führung alles ist. Wir schauen auf Zahlen und glauben, dass eine Steigerung der Umsatzrendite um null Komma fünf Prozent direkt auf das Charisma des Vorstandsvorsitzenden zurückzuführen ist. Das ist Unsinn. Große Organisationen funktionieren nach einer eigenen Logik, die fast völlig unabhängig von der Person an der Spitze agiert. Die mittleren Managementebenen sind die eigentlichen Bewahrer des Status quo. Ein neuer Chef kann so viel „Change Management“ rufen, wie er will, wenn die Abteilungsleiter in der Provinz beschließen, die Initiative auszusitzen, passiert genau gar nichts. Ich habe Vorstände erlebt, die mit glühenden Augen von Disruption sprachen, während ihre Untergebenen in der dritten Reihe bereits Wetten darauf abschlossen, wie viele Quartale der Neue wohl durchhalten würde. Es ist eine Form von passivem Widerstand, der jede strategische Neuausrichtung in einen zähen Sumpf verwandelt. Die Personalkosten für solche Experimente sind gigantisch, der Ertrag für die Unternehmenskultur hingegen geht oft gegen null.

Warum Headhunter das Problem verschärfen

Es gibt eine ganze Industrie, die davon lebt, uns zu erzählen, dass es nur eine Handvoll Menschen auf diesem Planeten gibt, die fähig sind, einen Weltkonzern zu leiten. Diese Personalvermittler agieren wie Hohepriester einer geheimen Religion. Sie präsentieren Listen, auf denen immer wieder dieselben Namen auftauchen. Wer einmal im Dunstkreis der Macht war, bleibt auf dem Radar, völlig ungeachtet der tatsächlichen Erfolgsbilanz. Man nennt das den Matthew-Effekt: Wer hat, dem wird gegeben. Das führt dazu, dass wir eine homogene Masse an Führungskräften sehen, die alle die gleichen Elite-Unis besucht haben, die gleichen Soziolekte sprechen und die gleichen blinden Flecken besitzen. Innovation entsteht aber nicht durch Homogenität. Wenn alle am Tisch die gleiche Meinung haben, ist das kein Team, sondern ein Chor. Die Jagd nach dem perfekten Lebenslauf führt oft dazu, dass man den sichersten Kandidaten wählt, nicht den besten. Sicherheit bedeutet in diesem Kontext jedoch nur, dass man im Falle des Scheiterns sagen kann, man hätte ja jemanden mit Erfahrung geholt. Es ist eine reine Absicherungsstrategie der Aufsichtsräte, die mehr Angst vor schlechter Presse als vor schlechten Geschäftszahlen haben.

Die Kosten der Konformität

Ein mutiger Schritt wäre es, jemanden aus einer völlig fremden Branche zu holen oder eine Hierarchieebene komplett zu überspringen. Doch wer traut sich das schon? Die Angst vor dem Unbekannten sitzt tief. Stattdessen zahlt man lieber zwanzig Millionen Euro für einen sicheren Versager als zwei Millionen für ein riskantes Talent. Diese Fehlallokation von Kapital ist ein schleichendes Gift für die europäische Wirtschaft. Während in anderen Teilen der Welt junge Gründer mit radikalen Ansätzen die Märkte aufmischen, verwalten wir hierzulande den Niedergang mit teurem Personal. Wir leisten uns den Luxus, Köpfe auszutauschen, ohne die Körper zu bewegen. Das Ergebnis ist eine chronische Müdigkeit der Belegschaft. Wenn die Mitarbeiter zum fünften Mal innerhalb eines Jahrzehnts hören, dass jetzt alles anders wird, weil Herr Müller von der Konkurrenz nun das Ruder übernimmt, zucken sie nur noch mit den Schultern. Die Glaubwürdigkeit der Führung ist längst erodiert, weil die Ergebnisse der angepriesenen Neuanfänge meist unsichtbar bleiben.

Der psychologische Kollateralschaden der Führungskultur

Man darf die Wirkung dieser Personalpolitik auf die Moral der einfachen Angestellten nicht unterschätzen. Wenn oben Summen bewegt werden, die jenseits jeder Vorstellungskraft liegen, während unten über die Streichung von Weihnachtsgeld oder das Ende der kostenlosen Kantine diskutiert wird, bricht der soziale Vertrag innerhalb des Unternehmens. Die Führungsebene wird als eine Art fremde Besatzungsmacht wahrgenommen, die nur kurz landet, um die Vorräte zu plündern und dann zum nächsten Einsatzort weiterzufliegen. Diese Entfremdung ist das eigentliche Problem. Ein Unternehmen ist kein Computerprogramm, das man durch ein Update der Software an der Spitze reparieren kann. Es ist ein sozialer Organismus. Wenn die Zellen nicht mehr an den Kopf glauben, beginnt der Verfall von innen. Wir sehen das bei vielen ehemaligen Branchengrößen, die heute nur noch ein Schatten ihrer selbst sind. Sie haben den Anschluss verloren, nicht weil sie zu wenig für Berater ausgegeben haben, sondern weil sie vergessen haben, wie man echte Führung praktiziert, die über das Vorlesen von Powerpoint-Folien hinausgeht.

Das Theater der Transformation

In jedem Geschäftsbericht der letzten Jahre findet sich das Wort Transformation mindestens fünfzig Mal. Es ist zum Standardbegriff verkommen, der alles und nichts bedeutet. Meistens ist damit gemeint, dass man ein paar neue Software-Lizenzen gekauft hat und die Büros jetzt „Open Space“ heißen. Die eigentliche Arbeit, die Veränderung von Denkweisen und Prozessen, wird gescheut wie der Teufel das Weihwasser. Es ist viel einfacher, eine neue Besetzung Von Big Business Außer Spesen Nichts Gewesen zu inszenieren, als die verkrusteten Strukturen der Mitbestimmung oder die internen Fürstentümer der Abteilungsleiter anzugreifen. Wahre Macht liegt in der Kontrolle der Informationen und der Budgets in der mittleren Ebene. Solange dort niemand den Finger in die Wunde legt, bleibt jede Veränderung an der Oberfläche. Ich habe Projekte gesehen, bei denen hunderte Millionen Euro in den Sand gesetzt wurden, nur weil die verschiedenen Ebenen des Managements gegeneinander arbeiteten. Am Ende wurde der verantwortliche Vorstand entlassen, erhielt eine Abfindung und der nächste Zyklus begann von vorn. Es ist ein absurdes Spiel, das wir als moderne Unternehmensführung tarnen.

Die Arroganz der Erfahrung als Innovationsbremse

Oft wird argumentiert, dass man für die Leitung eines Milliardenkonzerns eine jahrzehntelante Erfahrung benötige. Das klingt logisch, ist aber in einer Welt, die sich radikal verändert, oft ein Hindernis. Erfahrung ist oft nur ein anderes Wort für das Wissen darüber, wie man Dinge früher gemacht hat. In einer Zeit der künstlichen Intelligenz und des globalen Plattformkapitalismus sind die alten Rezepte nicht nur wertlos, sie sind gefährlich. Wer dreißig Jahre lang gelernt hat, wie man Verbrennungsmotoren optimiert, wird den Schwenk zur Software-getriebenen Mobilität nie wirklich im Herzen verstehen. Er wird ihn nur verwalten. Wir brauchen keine Verwalter mehr, wir brauchen Architekten der Zukunft. Doch das System der Personalauswahl ist darauf ausgelegt, Architekten auszusortieren. Sie sind zu laut, zu unbequem und passen nicht in das harmonische Bild, das man den Analysten bei der Quartalskonferenz präsentieren möchte. Wir ersticken an unserer eigenen Professionalität, die jegliche Vitalität im Keim erstickt.

Eine neue Definition von Verantwortung

Was wäre, wenn wir die Bezahlung von Spitzenkräften radikal an den langfristigen Erfolg koppeln würden? Und zwar nicht an den Aktienkurs, der durch Rückkäufe manipuliert werden kann, sondern an harte Faktoren wie Innovationsrate, Mitarbeiterzufriedenheit und echte Marktanteilsgewinne. Aktuell ist das Risiko für einen CEO minimal. Wenn es schiefgeht, geht er mit einem Vermögen nach Hause, das für zehn Leben reicht. Wenn es gut geht, wird er zum Halbgott erklärt. Diese asymmetrische Risikoverteilung führt zu einer Kultur der Kurzfristigkeit. Man trimmt das Unternehmen für zwei Jahre auf Hochglanz, streicht die Boni ein und überlässt das Trümmerfeld dem Nachfolger. Das ist keine Führung, das ist moderne Piraterie mit Krawatte. Wir müssen zurück zu einem Verständnis von Unternehmertum, das diesen Namen auch verdient. Verantwortung bedeutet, für die Konsequenzen des eigenen Handelns einzustehen, nicht nur die Erfolge zu privatisieren und die Verluste zu sozialisieren.

Der Ausblick in eine ernüchternde Zukunft

Wird sich an diesem Zustand etwas ändern? Ich bin skeptisch. Die Institutionen, die diese Entscheidungen treffen, sind Teil des Problems. Aufsichtsräte bestehen oft aus ehemaligen Vorständen anderer Unternehmen, die sich gegenseitig stützen. Es ist eine Schicksalsgemeinschaft der Privilegierten. Solange kein externer Druck entsteht, etwa durch aggressive Investoren, die echte Transparenz einfordern, oder durch eine Gesetzgebung, die die Haftung von Managern verschärft, wird das Karussell sich weiterdrehen. Wir werden weiterhin Zeugen von pompösen Amtsantritten werden, die nach drei Jahren in stillosem Schweigen enden. Die Kosten für diese Ineffizienz sind eingepreist. Sie werden auf die Kunden abgewälzt oder durch staatliche Subventionen abgefedert, wenn das Unternehmen als systemrelevant gilt. Es ist ein zutiefst ungesunder Zustand für eine Marktwirtschaft, die eigentlich von Wettbewerb und der Auslese der besten Ideen leben sollte. Stattdessen haben wir eine Auslese der besten Netzwerker und der geschicktesten Selbstdarsteller.

Nicht verpassen: ich beobachte dich du bist faul

Wir müssen aufhören, uns von großen Namen und beeindruckenden Lebensläufen blenden zu lassen und anfangen, die nackten Resultate zu bewerten. Wahre Veränderung in der Wirtschaft passiert nicht durch den Austausch einer Marionette an der Spitze, sondern durch das Zerschlagen der Fäden, an denen sie hängt. Wenn wir nicht bereit sind, die zugrunde liegenden Machtstrukturen und Anreizsysteme infrage zu stellen, wird jede personelle Neuerung nur eine weitere Fußnote in der Geschichte des Scheiterns bleiben. Es ist Zeit, die Maskerade zu beenden und einzusehen, dass ein neues Gesicht allein noch keinen neuen Geist bringt.

Die bittere Wahrheit ist, dass wahre Macht in modernen Konzernen keinem Individuum mehr gehört, sondern einer gesichtslosen Bürokratie, die jeden echten Reformer bei lebendigem Leibe verspeist.

MN

Markus Neumann

Mit Erfahrung in Newsrooms und Content-Teams erstellt Markus Neumann verständliche, gut recherchierte Beiträge.