Man macht es sich oft zu einfach, wenn man auf die deutsche Kinolandschaft der achtziger Jahre blickt und sie als bloße Ansammlung von seichtem Humor abtut. Die landläufige Meinung besagt, dass Dieter Hallervorden in dieser Ära lediglich das Gesicht eines infantilen Slapsticks war, der ein Millionenpublikum mit Grimassen und Stolperfallen bediente. Doch wer genau hinsieht, erkennt in dem Film von 1985 ein Phänomen, das viel tiefer grub, als es die damaligen Kritiker wahrhaben wollten. Die Besetzung von Didi und die Rache der Enterbten markierte nämlich keinen Rückzug in den reinen Nonsens, sondern stellte eine subtile Abrechnung mit dem deutschen Erbrecht und der moralischen Verrottung des Kleinbürgertums dar. Während das Publikum über den trotteligen Didi lachte, sah es in Wahrheit einem Mann dabei zu, wie er das korrupte System der familiären Erbfolge von innen heraus demontierte.
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass dieser Film nur ein Vehikel für Hallervordens Popularität nach dem Erfolg der Nonstop-Nonsens-Reihe war. Tatsächlich fungierte das Werk als eine Art soziologische Studie unter dem Deckmantel der Komödie. Ich habe mir die Aufzeichnungen aus jener Zeit angesehen und es wird deutlich, dass die Produktion unter einem enormen Erwartungsdruck stand. Man wollte den Erfolg von Didi – Der Doppelgänger wiederholen, doch Regisseur Christian Rateuke und Hallervorden selbst verfolgten einen weitaus subversiveren Plan. Sie nahmen das klassische Motiv der Testamentseröffnung und verwandelten es in ein Schlachtfeld der Gier. Didi Dödel, die Hauptfigur, war hierbei nicht einfach nur ein Tollpatsch, sondern der einzige moralische Fixpunkt in einer Welt voller gieriger Verwandter, die buchstäblich über Leichen gingen, um an das Vermögen des verstorbenen Gustav Böllemann zu kommen.
Besetzung von Didi und die Rache der Enterbten als Spiegel gesellschaftlicher Missstände
Wenn man die schauspielerische Riege betrachtet, die hier versammelt wurde, erkennt man schnell das Kalkül hinter der Auswahl. Die Besetzung von Didi und die Rache der Enterbten bestand aus hochkarätigen Akteuren, die oft mit einer Ernsthaftigkeit spielten, die im krassen Gegensatz zum Slapstick der Hauptfigur stand. Wolfgang Kieling als der verschlagene Notar oder die verschiedenen Familienmitglieder, die alle von Hallervorden in Mehrfachrollen verkörpert wurden, zeigten ein Panoptikum menschlicher Abgründe. Dies war kein Zufall. Indem Hallervorden fast alle Erben selbst spielte, verdeutlichte er die Austauschbarkeit der Gier. Es spielte keine Rolle, ob es der militante Onkel oder die hysterische Tante war. Alle waren sie Teile derselben hässlichen Medaille. Das war kein billiger Trick, um Gage zu sparen, sondern ein künstlerisches Statement über die Monotonie des Egoismus.
Die Kritiker der achtziger Jahre warfen dem Film oft vor, er sei zu laut und zu schrill. Sie übersahen dabei, dass die Überzeichnung notwendig war, um die Absurdität des deutschen Erbrechts und der damit verbundenen Erwartungshaltungen bloßzustellen. In einer Gesellschaft, die sich über Status und Besitz definierte, wirkte Didi Dödel wie ein Sandgetriebe im Motor der Kapitalakkumulation. Er wollte eigentlich gar nicht reich werden. Er wollte nur seine Ruhe haben und vielleicht ein wenig Anerkennung. Dass er am Ende als Sieger hervorging, war die ultimative Provokation gegen das Leistungsprinzip, das damals wie heute oft als Deckmantel für skrupelloses Erschleichen von Vorteilen diente. Man kann den Film heute als Vorläufer moderner satirischer Abrechnungen sehen, auch wenn er damals in die Schublade des reinen Familienfilms gesteckt wurde.
Skeptiker werden nun einwenden, dass ich hier viel zu viel in eine einfache Slapstick-Komödie hineininterpretiere. Sie werden sagen, dass Hallervorden einfach nur lustig sein wollte und das Publikum genau das bekam, wofür es bezahlte. Doch diese Sichtweise ignoriert die politische Vergangenheit des Hauptdarstellers. Hallervorden kam vom politischen Kabarett, von der „Wühlmaus“ in Berlin. Jemand mit diesem Hintergrund macht keinen Film über das Erben, ohne die bittere Pille der Gesellschaftskritik in den süßen Teig des Humors zu mischen. Wer behauptet, der Film sei oberflächlich, hat vermutlich nie miterlebt, wie Familien bei echten Erbrechtsstreitigkeiten in Deutschland auseinanderbrechen. Der Film bildet diese Realität ab, nur dass die Waffen hier eben Sahnetorten und absurde Unfälle sind anstatt juristischer Schriftsätze.
Die handwerkliche Präzision hinter dem Chaos
Man darf die technische Brillanz nicht unterschätzen, die nötig war, um Hallervorden in so vielen Rollen gleichzeitig auf die Leinwand zu bringen. Heute übernimmt das der Computer in Sekunden. Damals war das harte Arbeit mit Maskenbildnern und präziser Kameraführung. Diese Akribie zeigt, dass man das Projekt ernst nahm. Es ging darum, eine Welt zu erschaffen, in der man sich verlieren konnte, eine Welt, die trotz ihres Wahnsinns einer inneren Logik folgte. Die verschiedenen Charaktere der Erben waren so präzise ausgearbeitet, dass man sie trotz der offensichtlichen Ähnlichkeit sofort voneinander unterscheiden konnte. Das war eine schauspielerische Tour de Force, die weit über das hinausging, was man von einem reinen Komiker erwartete. Es war eine Demonstration von Macht und Kontrolle über das eigene Handwerk.
Ich erinnere mich an Gespräche mit Kinogängern dieser Generation, die berichteten, wie der Film sie einerseits zum Lachen brachte, ihnen aber andererseits ein unbehagliches Gefühl vermittelte, wenn die Verwandtschaft im Film begann, Pläne für den Mord an Didi zu schmieden. Dieses Unbehagen ist der Beweis dafür, dass die Satire funktionierte. Man lachte über das Unglück der Bösen, erkannte aber gleichzeitig die eigene potenzielle Bosheit im Kampf um das Erbe wieder. Es gibt kaum ein deutsches Thema, das so schambesetzt und gleichzeitig so emotional aufgeladen ist wie das Erben. Der Film nahm diesen heiligen Gral des deutschen Bürgertums und warf ihn mit voller Wucht zu Boden. Das war mutig, auch wenn der Mut hinter einer roten Nase und einer schiefen Brille versteckt war.
Die Besetzung von Didi und die Rache der Enterbten schaffte es, eine Brücke zu schlagen zwischen dem intellektuellen Anspruch des Kabaretts und der breiten Masse des Kinopublikums. Das ist eine Leistung, die heute kaum noch ein deutscher Film erbringt. Entweder wir haben schwerfällige Dramen oder völlig belanglose Komödien von der Stange. Damals gab es diesen Zwischenraum, in dem man mit den Mitteln des Vulgären die feine Gesellschaft attackieren konnte. Hallervorden nutzte seine Popularität als Schutzschild, um Dinge zu sagen und zu zeigen, die in einem ernsthaften Film vielleicht als zu trocken oder zu belehrend empfunden worden wären. Er war der Hofnarr, der der deutschen Gesellschaft den Spiegel vorhielt, während alle dachten, er würde nur Faxen machen.
Es ist nun mal so, dass wir dazu neigen, die Vergangenheit zu unterschätzen. Wir schauen auf die Mode und die Technik der achtziger Jahre zurück und lächeln mitleidig. Aber in Sachen Bissigkeit und erzählerischer Dichte können viele aktuelle Produktionen diesem Werk nicht das Wasser reichen. Man schaue sich nur die Szene an, in der die verschiedenen Erben versuchen, sich gegenseitig auszustechen. Das ist pures Gold der Beobachtungsgabe. Jeder Blick, jede Geste der Verachtung ist auf den Punkt genau gesetzt. Es zeigt eine Meisterschaft in der Regie und im Spiel, die heute oft durch schnelle Schnitte und laute Musik ersetzt wird. Hier durfte die Situation noch wirken, hier durfte der Zuschauer noch selbst entdecken, wie abscheulich diese Menschen eigentlich waren.
Man kann also festhalten, dass die gängige Einordnung dieses Films als reines Unterhaltungskino ohne Tiefgang schlichtweg falsch ist. Er war ein Trojanisches Pferd. Er schlich sich in die Wohnzimmer und Kinosäle ein, getarnt als harmlose Belustigung, und hinterließ eine beißende Kritik an der Gier und der Unmenschlichkeit, die oft unter dem Deckmantel familiärer Bindungen gedeiht. Wer den Film heute noch einmal mit wachen Augen sieht, wird feststellen, wie aktuell er geblieben ist. Die Namen haben sich geändert, die Frisuren auch, aber die Mechanismen der Enterbung und des Neides sind dieselben geblieben. Der Film lehrt uns, dass man dem System nur entkommen kann, wenn man bereit ist, der ewige Außenseiter zu bleiben, so wie Didi es war.
Wahre Subversion braucht keinen erhobenen Zeigefinger, sondern ein lautes Lachen, das den Mächtigen die Maske vom Gesicht reißt.