besetzung von what a feeling 2024

besetzung von what a feeling 2024

Wer glaubt, dass eine österreichische Komödie über zwei Frauen in der Mitte ihres Lebens zwangsläufig in den bekannten Gleisen des öffentlich-rechtlichen Wohlfühlfernsehens verharren muss, hat die Rechnung ohne Katrin Gebbe gemacht. Die Regisseurin, die zuvor mit verstörenden Werken wie Pelikanblut für Furore sorgte, bricht in ihrem neuesten Projekt radikal mit den Sehgewohnheiten eines Publikums, das bei diesem Titel vielleicht eher an ein Flashdance-Remake dachte. Die Besetzung von What A Feeling 2024 stellt ein Wagnis dar, das weit über die üblichen Casting-Entscheidungen hinausgeht. Es ist eine bewusste Absage an die Jugendbesessenheit der Branche und gleichzeitig eine Kampfansage an das Klischee der unsichtbaren Frau ab fünfzig. Wenn wir über diesen Film sprechen, reden wir nicht nur über ein Ensemble, sondern über eine tektonische Verschiebung in der Art und Weise, wie Geschichten über Begehren und Selbstfindung im deutschsprachigen Raum heute erzählt werden dürfen.

Ich saß vor kurzem in einer Vorabvorführung und beobachtete die Reaktionen im Saal. Man spürte förmlich, wie die Erwartungshaltung des Publikums anfangs auf eine seichte Romanze programmiert war. Doch was sich auf der Leinwand entfaltete, war eine scharfzüngige, fast schon schmerzhaft ehrliche Auseinandersetzung mit Lebensentwürfen, die normalerweise am Rand der Erzählung geparkt werden. Das Herzstück dieser Dynamik bildet das Duo aus Caroline Peters und Proschat Madani. Diese Kombination ist kein Zufallsprodukt der Besetzung von What A Feeling 2024, sondern ein präzise kalkulierter Zusammenprall zweier unterschiedlicher schauspielerischer Schulen, die sich hier zu etwas völlig Neuem verbinden. Peters bringt ihre unverwechselbare, fast schon nervöse Brillanz aus dem Burgtheater-Kosmos mit, während Madani eine Erdung und eine Coolness ausstrahlt, die den Film vor jeder drohenden Kitschgefahr bewahrt.

Die Besetzung von What A Feeling 2024 als Spiegel gesellschaftlicher Umbrüche

Die Wahl der Hauptdarstellerinnen verrät viel über den Mut der Produktion, sich gegen den Strom der Algorithmen zu stellen. In einer Zeit, in der Besetzungslisten oft nach der Anzahl der Follower auf sozialen Netzwerken zusammengestellt werden, setzt dieser Film auf schieres Handwerk und eine physische Präsenz, die man nicht simulieren kann. Caroline Peters spielt Helena, eine erfolgreiche Ärztin, deren Leben nach der Trennung von ihrem Mann in Trümmer fällt. Es wäre ein Leichtes gewesen, diese Rolle mit einer jüngeren Schauspielerin zu besetzen, um die Marktfähigkeit bei der Zielgruppe der unter Dreißigjährigen zu erhöhen. Doch genau hier liegt die Stärke. Indem die Macher auf Frauen setzen, die ihre Geschichte in ihren Gesichtern tragen, gewinnt das Werk eine Autorität, die kein Weichzeichner der Welt ersetzen könnte.

Diese Entscheidung ist auch deshalb bemerkenswert, weil sie ein strukturelles Problem der europäischen Filmförderung anspricht. Oftmals werden Projekte nur dann durchgewinkt, wenn sie eine vermeintliche Breitentauglichkeit durch bekannte Gesichter garantieren, die jedoch häufig in immer gleichen Rollenmustern gefangen bleiben. Proschat Madani als Fa, die freiheitsliebende Gegenfigur zu Helenas geordnetem Chaos, bricht mit ethnischen Stereotypen, ohne dies plakativ vor sich herzutragen. Ihre Figur ist nicht die Quote, sie ist das Zentrum der emotionalen Gravitation. Das Zusammenspiel der beiden zeigt auf, dass Chemie vor der Kamera nicht durch Alterslosigkeit entsteht, sondern durch die Reibung gelebter Erfahrung. Wer hier nur eine weitere Komödie sieht, übersieht die politische Dimension, die in jeder Einstellung mitschwingt.

Man könnte einwenden, dass zwei etablierte Stars keine Revolution ausmachen. Skeptiker behaupten gerne, dass solche Filme lediglich eine Nische für ein älteres, bürgerliches Publikum bedienen, das sich nach Bestätigung sehnt. Doch dieser Einwand greift zu kurz. Wenn man genau hinsieht, erkennt man in der Inszenierung eine Härte und eine Unmittelbarkeit, die weit weg ist von der Gemütlichkeit eines Sonntagsfilms. Es geht nicht um die Bestätigung des Status quo, sondern um dessen Demontage. Helena und Fa sind keine Sympathieträgerinnen im klassischen Sinne. Sie sind oft egoistisch, verletzend und zutiefst widersprüchlich. Diese Unbequemeit ist es, die den Film aus der Masse heraushebt und ihn zu einem relevanten Zeitdokument macht.

Handwerk gegen Marketinglogik

Der Mechanismus hinter einem solchen Erfolg basiert auf dem Vertrauen in die Intelligenz des Zuschauers. Während viele Produktionen dazu neigen, Emotionen durch einen überladenen Soundtrack oder übertriebene Mimik zu erzwingen, verlässt sich Gebbe auf die Stille zwischen den Zeilen. Es gibt eine Szene in einer Bar, in der fast kein Wort fällt, und doch wird die gesamte Komplexität ihrer aufkeimenden Beziehung allein durch Blicke und die Körperhaltung der Akteurinnen transportiert. Das ist die hohe Schule der Schauspielkunst, die in der Hektik moderner Schnittfolgen oft verloren geht. Hier wird dem Publikum Raum gegeben, eigene Schlüsse zu ziehen, anstatt jeden Witz und jeden Schmerz mit dem Vorschlaghammer serviert zu bekommen.

Das Ensemble wird durch Nebendarsteller ergänzt, die den kulturellen Hintergrund Wiens nicht als bloße Kulisse, sondern als eigenständigen Charakter nutzen. Die Wiener Mentalität, diese Mischung aus Melancholie und Sarkasmus, sickert durch jede Pore des Films. Es ist kein glattpoliertes Wien der Touristenprospekte, sondern eine Stadt der Hinterhöfe und der verrauchten Lokale, in denen die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Diese Authentizität wird durch eine Kameraarbeit unterstützt, die nah an den Körpern bleibt und keine Angst vor Unvollkommenheit hat. Man sieht Schweiß, man sieht Fältchen, man sieht die Spuren des Lebens. Das ist kein Zufall, sondern eine ästhetische Entscheidung, die das Narrativ der Selbstakzeptanz auf einer visuellen Ebene konsequent zu Ende führt.

Die Bedeutung solcher Produktionen für den Standort Österreich und Deutschland kann kaum überschätzt werden. In einer Phase, in der das Kino weltweit mit sinkenden Besucherzahlen kämpft, ist die Rückbesinnung auf starke, charaktergetriebene Stoffe der einzige Weg, um sich von der Flut an austauschbarem Streaming-Content abzuheben. Dieser Film beweist, dass man kein Millionenbudget für Spezialeffekte braucht, wenn man zwei Menschen hat, die einander wirklich etwas zu sagen haben. Es ist eine Lektion in Demut für eine Branche, die oft den Blick für das Wesentliche verloren hat. Wir sehen hier ein Werk, das sich traut, langmütig zu sein, das Pausen zulässt und das den Mut hat, am Ende nicht alle losen Fäden säuberlich zu verknoten.

Die Dynamik des Begehrens jenseits der Norm

Ein zentraler Punkt der Argumentation ist die Darstellung von Sexualität und Verlangen. In den meisten Mainstream-Produktionen wird Sex entweder als jugendliches Abenteuer oder als peinliches Missgeschick im Alter dargestellt. Hier ist er weder das eine noch das andere. Die Anziehung zwischen Helena und Fa ist geprägt von einer Ernsthaftigkeit und einer Neugier, die völlig unabhängig von biologischen Uhren funktioniert. Das Drehbuch behandelt ihre Intimität mit einem Respekt, der in der Kinogeschichte selten ist. Es geht nicht um den männlichen Blick, der Frauenkörper objektiviert, sondern um eine subjektive Erfahrung von Nähe und Distanz. Diese Perspektive ist so erfrischend, weil sie so selten eingenommen wird.

Die Besetzung von What A Feeling 2024 fungiert hierbei als Katalysator. Wenn Caroline Peters ihre Unsicherheit zeigt, wirkt das nie wie eine Pose. Wenn Proschat Madani ihre Abwehrschilde hochfährt, spürt man die Jahre der Enttäuschungen, die zu dieser Haltung geführt haben. Das Publikum wird nicht einfach nur unterhalten; es wird dazu eingeladen, die eigenen Vorurteile über das Älterwerden und die Liebe zu hinterfragen. Warum empfinden wir es als ungewöhnlich, wenn zwei Frauen über fünfzig eine neue Leidenschaft entdecken? Die Antwort liegt in einer jahrzehntelangen filmischen Sozialisation, die uns beigebracht hat, dass solche Geschichten spätestens mit der Menopause enden. Dieser Film bricht dieses Gesetz mit einer Leichtigkeit, die fast schon provozierend wirkt.

Man merkt dem Projekt an, dass hier Menschen am Werk waren, die keine Lust mehr auf Kompromisse hatten. Es gibt keine Versuche, es jedem recht zu machen. Wer sich an der Direktheit der Sprache oder der Unverblümtheit der Emotionen stößt, ist vielleicht einfach nicht die Zielgruppe – und das ist völlig in Ordnung. Ein Film, der keine Ecken und Kanten hat, hinterlässt keine Spuren. Dieser Film hingegen gräbt sich ein. Er bleibt im Gedächtnis, weil er wahrhaftig ist. In einer Welt voller Filter und künstlicher Intelligenz ist diese Art von menschlicher Imperfektion das wertvollste Gut, das wir haben.

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Die wahre Provokation liegt letztlich darin, dass die Geschichte keine große Tragödie aus dem Umstand macht, dass hier zwei Frauen zueinander finden. Es wird nicht problematisiert im Sinne eines schweren Coming-out-Dramas, sondern als eine von vielen Möglichkeiten des Lebens akzeptiert. Diese Normalisierung ist der eigentliche Fortschritt. Es ist die Verweigerung, sich in die Opferrolle drängen zu lassen oder sich rechtfertigen zu müssen. Fa und Helena fordern ihr Glück ein, ohne um Erlaubnis zu fragen. Das ist das Signal, das von diesem Werk ausgeht und das weit über den Kinosaal hinausstrahlt. Es ist ein Aufruf zur Radikalität im Privaten.

Wenn man den Film am Ende verlässt, fühlt man sich nicht einfach nur gut unterhalten, sondern seltsam gestärkt. Es ist die Erkenntnis, dass das Leben keine Einbahnstraße ist und dass die spannendsten Kapitel oft erst dann geschrieben werden, wenn man denkt, die Geschichte sei bereits erzählt. Die Schauspielerinnen leisten hier Pionierarbeit für eine ganze Generation von Frauen, die sich nicht mehr damit abfinden wollen, in der Popkultur nur noch als Mütter oder Großmütter vorzukommen. Sie besetzen den Raum, der ihnen zusteht, mit einer Selbstverständlichkeit, die beeindruckt. Das ist kein Nischenkino, das ist die Zukunft des Erzählens, wenn wir mutig genug sind, sie zuzulassen.

Wir müssen aufhören, das Alter als einen Verfallsprozess zu betrachten und anfangen, es als eine Erweiterung des emotionalen Spektrums zu begreifen. Die Leinwand braucht mehr Gesichter, die Geschichten erzählen können, ohne ein Wort zu sagen, und mehr Drehbücher, die keine Angst vor der Komplexität des menschlichen Herzens haben. Es geht nicht um die Suche nach dem nächsten großen Ding, sondern um die Wiederentdeckung der Wahrheit im Kleinen. Jeder, der behauptet, das Publikum wolle nur Eskapismus und einfache Lösungen, unterschätzt die Sehnsucht nach echter Verbindung. Dieser Film liefert genau das, indem er uns zeigt, dass das größte Abenteuer immer noch die Begegnung mit einem anderen Menschen ist, egal zu welchem Zeitpunkt im Leben sie stattfindet.

Wahre Relevanz entsteht nicht durch das Abhakten von Checklisten, sondern durch die radikale Ehrlichkeit einer Besetzung, die sich weigert, unsichtbar zu sein.

TS

Thomas Schäfer

Thomas Schäfer verfolgt politische und soziale Debatten mit kritischem Blick und journalistischer Verantwortung.