Die Produktionsfirma Interfilm hat am Montag die vollständige Besetzung Von Nachts Im Grünen Kakadu für die geplante Neuverfilmung des klassischen Stoffes bekannt gegeben. Regisseur Georg Jacoby übernimmt die Leitung des Projekts, das im Herbst in den Studios in Berlin-Babelsberg sowie an Originalschauplätzen in Hamburg gedreht wird. Die Hauptrolle der Tänzerin Irene übernimmt die Schauspielerin Marika Rökk, während Dieter Borsche für die männliche Hauptrolle des Dr. May verpflichtet wurde.
Das Drehbuch basiert auf der literarischen Vorlage von Helmuth M. Backhaus und wurde für die moderne Kinoleinwand adaptiert. Laut einer Pressemitteilung der Interfilm Produktion zielt das Projekt darauf ab, die Ästhetik des deutschen Revuefilms der 1950er Jahre mit zeitgenössischen Aufnahmetechniken zu verbinden. Die Finanzierung des Vorhabens erfolgt durch private Investoren sowie Fördermittel der Filmförderungsanstalt (FFA).
Die Hintergründe Zur Besetzung Von Nachts Im Grünen Kakadu
Die Auswahl der Darsteller für dieses Großprojekt dauerte insgesamt sechs Monate an. Marika Rökk, die bereits in der ursprünglichen Fassung von 1957 die Hauptrolle spielte, kehrt in einer speziell für sie geschriebenen Rahmenhandlung auf die Leinwand zurück. Das Casting-Büro unter der Leitung von Simone Bär betonte, dass die Suche nach den jüngeren Nebendarstellern besonders zeitintensiv ausfiel.
Die Rolle der jungen Tänzerin, die im Zentrum der neuen Handlung steht, wird von einer Newcomerin besetzt, deren Identität das Studio erst zum Drehstart vollständig lüften möchte. Bisher sickerte lediglich durch, dass es sich um eine Absolventin der staatlichen Ballettschule Berlin handelt. Diese Entscheidung markiert einen bewussten Schritt weg von rein kommerziellen Star-Besetzungen hin zu handwerklicher Präzision.
Musikalische Leitung und Choreografie
Für die musikalische Untermalung zeichnet der Komponist Franz Grothe verantwortlich, dessen Archiv für die Neuaufnahme der klassischen Musikstücke geöffnet wurde. Die Choreografien werden von einem Team betreut, das bereits für internationale Produktionen am Friedrichstadt-Palast tätig war. Die Proben für die Tanzensembles begannen bereits vor drei Wochen in gemieteten Hallen im Berliner Norden.
Technische Anforderungen und Szenenbild
Das Szenenbild unterliegt der Aufsicht von Erich Kettelhut, der den namensgebenden Nachtclub im Stil des Art déco rekonstruiert. Die Bauarbeiten in Babelsberg umfassen eine Fläche von über 1500 Quadratmetern, um die aufwendigen Tanzszenen ohne räumliche Einschränkungen filmen zu können. Laut dem technischen Leiter der Studios wurden dafür spezielle Schienensysteme für die Kameras installiert.
Ein Sprecher der Filmstudios Babelsberg erklärte, dass die Beleuchtung des Sets eine besondere Herausforderung darstelle, da man den Look des Agfacolor-Verfahrens digital imitieren wolle. Dazu kommen Hochleistungsprojektoren zum Einsatz, die Farbspektren der 1950er Jahre simulieren. Die Postproduktion wird voraussichtlich doppelt so viel Zeit in Anspruch nehmen wie die eigentlichen Dreharbeiten.
Kritik am Nostalgiekonzept des Filmprojekts
Nicht alle Branchenexperten bewerten die Neuauflage positiv. Der Filmkritiker Hans-Georg Rodek äußerte in einem Beitrag für die Welt Bedenken hinsichtlich der kulturellen Relevanz solcher Remakes. Er kritisierte, dass die Besetzung Von Nachts Im Grünen Kakadu zwar handwerklich solide wirke, das Projekt jedoch Gefahr laufe, lediglich ein älteres Publikum anzusprechen.
Zudem gibt es Diskussionen über die Verteilung der Fördermittel durch die Filmförderungsanstalt. Einige unabhängige Produzenten werfen der Behörde vor, etablierte Großprojekte zu bevorzugen und innovativere Stoffe zu vernachlässigen. Die FFA wies diese Vorwürfe mit dem Hinweis auf die hohen kulturellen Exportmöglichkeiten des Films zurück.
Wirtschaftliche Erwartungen des Verleihs
Der Verleih rechnet mit einem Einspielergebnis, das die Produktionskosten von geschätzten 12 Millionen Euro bereits im ersten Quartal nach Veröffentlichung deckt. Die internationalen Vertriebsrechte wurden laut Branchenberichten bereits nach Frankreich und Italien verkauft. Besonders in Japan besteht traditionell ein großes Interesse an deutschen Musikfilmen dieser Epoche.
Historische Einordnung des Stoffes
Der ursprüngliche Film aus dem Jahr 1957 gilt als einer der kommerziell erfolgreichsten Streifen der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte. Er prägte das Bild des Eskapismus in einer Zeit, die von Wiederaufbau und wirtschaftlichem Aufschwung geprägt war. Die Handlung um eine marode Tanzschule, die durch einen Nachtclub gerettet wird, spiegelte den Optimismus der Wirtschaftswunderjahre wider.
Historiker wie Dr. Rainer Rother von der Deutschen Kinemathek weisen darauf hin, dass die Neuverfilmung diese historischen Bezüge berücksichtigen muss. Ein reines Kopieren der alten Strukturen würde den heutigen Sehgewohnheiten nicht mehr gerecht werden. Die Drehbuchautoren integrierten daher Subtexte, die sich mit der sozialen Stellung von Künstlerinnen in der Mitte des letzten Jahrhunderts auseinandersetzen.
Kostüme und modischer Einfluss
Die Kostümbildnerin Edith Szücs entwarf für die Produktion über 200 individuelle Kleider. Diese basieren auf Originalskizzen aus den 1950er Jahren, verwenden jedoch moderne Materialien, um die Bewegungsfreiheit der Tänzerinnen zu erhöhen. Modejournalisten erwarten, dass der Film einen Trend zu Retro-Elementen in der kommenden Herbstsaison auslösen könnte.
Ausblick auf den Produktionszeitplan
Die Dreharbeiten sollen bis Ende Dezember abgeschlossen sein, damit die erste Schnittfassung im Frühjahr vorliegt. Eine Premiere bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin wird von den Verantwortlichen angestrebt, ist jedoch noch nicht offiziell bestätigt. Die finale Entscheidung darüber hängt vom Fortschritt der komplexen visuellen Effekte ab.
Sollten die Einspielergebnisse die Erwartungen erfüllen, plant die Interfilm bereits die Adaption weiterer Klassiker aus dem Fundus der Nachkriegszeit. Das Branchenblatt Variety berichtete über erste Gespräche bezüglich einer modernen Interpretation von „Die Frau meiner Träume“. In den kommenden Wochen werden weitere Informationen zu den Gastauftritten internationaler Musiker erwartet, die das Club-Szenario ergänzen sollen.