besetzung von obendrüber da schneit es

besetzung von obendrüber da schneit es

Es gibt Filme, die wir jedes Jahr zur Adventszeit konsumieren wie abgestandenen Glühwein: Man weiß, dass er Kopfschmerzen verursacht, aber die Tradition verlangt den Schluck aus dem klebrigen Becher. Wenn man über die Besetzung Von Obendrüber Da Schneit Es spricht, herrscht meist ein wohliger Konsens vor, der diesen ZDF-Herzkino-Klassiker als harmlose Vorweihnachtsunterhaltung abstempelt. Doch wer genauer hinschaut, erkennt in der Konstellation der Schauspieler weit mehr als nur ein Ensemble für gepflegte Langeweile in einem Münchner Mietshaus. Es handelt sich um ein präzise konstruiertes Abbild deutscher Befindlichkeiten, das den sozialen Frieden nicht etwa feiert, sondern dessen Zerbrechlichkeit unter dem Deckmantel der Nächstenliebe gnadenlos bloßstellt. Die Besetzung spiegelt eine Gesellschaft wider, die sich hinter Altbauwänden verschanzt und nur dann zur Gemeinschaft findet, wenn das Schicksal – oder ein defektes Treppenhauslicht – sie dazu zwingt.

Man nehme nur Diana Amft in der Rolle der Miriam. Sie verkörpert jene Sorte moderner Frau, die in der deutschen TV-Produktion der 2010er Jahre fast schon ein Klischee war, hier aber eine bittere Note erhält. Miriam ist keine romantische Heldin im klassischen Sinne, sondern eine Getriebene der eigenen Unverbindlichkeit. Die Art und Weise, wie das Drehbuch sie mit den anderen Bewohnern kollidieren lässt, zeigt ein tieferes Problem unserer Zeit auf: Wir wollen Individualität, aber wir ertragen die Einsamkeit nicht, die sie mit sich bringt. Die Interaktion mit den Nachbarn ist kein Akt der Freiwilligkeit, sondern eine notwendige Reibung, um sich überhaupt noch spüren zu können. Das ist kein Weihnachtszauber, das ist eine soziologische Versuchsanordnung unter künstlichem Schneefall.

Die Besetzung Von Obendrüber Da Schneit Es als Spiegel bürgerlicher Fassaden

Wenn man die Liste der Mitwirkenden durchgeht, fällt auf, wie geschickt Typen besetzt wurden, die sofort eine Erwartungshaltung triggern. Wotan Wilke Möhring als Pfarrer Gregor ist die personifizierte Krise der Institution Kirche. Er spielt den Seelsorger nicht als moralische Instanz, sondern als einen Mann, der selbst nach Halt sucht und ihn in der Beichte seiner Nachbarn kaum findet. Diese Wahl war ein Geniestreich, denn sie entzieht dem Film die religiöse Schwere und ersetzt sie durch eine profane, fast schon verzweifelte Suche nach Sinnhaftigkeit im Alltagstrott. Man sieht ihm an, dass er lieber die Flucht ergreifen würde, als zum zehnten Mal den Schlichter in einem banalen Nachbarschaftsstreit zu geben. Das Publikum im Jahr 2012 nahm das als charmant wahr, aber heute wirkt diese Figur wie ein Vorbote für den totalen Relevanzverlust kirchlicher Strukturen in der modernen Stadtgesellschaft.

Das Mietshaus als Mikrokosmos der Überforderung

In den Etagen unter und über dem Pfarrer entfaltet sich das wahre Drama der deutschen Mittelklasse. Da gibt es das Ehepaar, das sich nach Jahrzehnten nichts mehr zu sagen hat, und die jungen Leute, die vor lauter Selbstverwirklichung den Anschluss an die Realität verloren haben. Die Dynamik zwischen diesen Parteien wird oft als herzerwärmend beschrieben, doch ich sehe darin eher eine bedrückende Enge. Die Architektur des Hauses dient als Gefängnis der Höflichkeit. Jede Begegnung im Flur ist ein Tanz auf dem Vulkan der passiven Aggressivität. Wenn die Charaktere schließlich gemeinsam am Tisch sitzen, ist das kein Sieg der Liebe, sondern eine Kapitulation vor der Unfähigkeit, allein zu sein. Man erträgt die anderen nur, weil die Alternative – ein einsamer Heiligabend vor der Mikrowelle – noch unerträglicher erscheint.

Skeptiker werden nun einwenden, dass ein Fernsehfilm am Sonntagabend gar nicht diesen Anspruch erhebt, eine tiefschürfende Gesellschaftsanalyse zu sein. Sie werden sagen, es gehe um Eskapismus, um ein bisschen Wärme in der kalten Jahreszeit. Doch genau hier liegt der Hund begraben. Wenn wir solche Geschichten als reine Unterhaltung konsumieren, ignorieren wir die Warnsignale, die sie aussenden. Die Besetzung Von Obendrüber Da Schneit Es funktioniert nur deshalb so gut, weil sie uns eine Harmonie vorgaukelt, die im echten Leben längst zerbrochen ist. Die Schauspieler liefern Glanzleistungen ab, indem sie so tun, als ließen sich jahrelange Anonymität und Missgunst durch ein gemeinsames Essen und ein paar freundliche Worte heilen. Das ist die große Lüge des Genres, und wir schlucken sie jedes Jahr aufs Neue wie eine überzuckerte Praline.

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Warum die Chemie des Ensembles uns bis heute täuscht

Es ist die handwerkliche Qualität der Darsteller, die uns über die inhaltlichen Abgründe hinweghebt. Michael Gwisdek als griesgrämiger Waltemar bringt eine Bitterkeit ein, die fast schon schmerzt. Er ist der Anker der Realität in diesem weihnachtlichen Rausch. Sein Charakter erinnert uns daran, dass Alter in der Großstadt oft Isolation bedeutet, egal wie hell die Lichterketten im Fenster gegenüber leuchten. Gwisdek spielt das mit einer solchen Intensität, dass man die Kälte in seinem ungeheizten Zimmer förmlich riechen kann. Er ist das schlechte Gewissen der Zuschauer, die ihre eigenen älteren Nachbarn seit Wochen nicht gegrüßt haben. Dass er am Ende integriert wird, wirkt fast wie ein billiger Trostpreis für ein Publikum, das sich nach Erlösung sehnt, ohne den Preis dafür zahlen zu wollen.

Die Regie führt diese unterschiedlichen Energien mit einer Sicherheit zusammen, die fast schon manipulativ wirkt. Man kann sich dem Sog der Erzählung schwer entziehen, weil die Rhythmik der Schnitte und die Platzierung der Pointen exakt auf die emotionale Belastbarkeit des Durchschnittsbürgers abgestimmt sind. Es ist ein perfekt geöltes Getriebe der Rührung. Doch wer die Mechanik dahinter versteht, kann den Film nicht mehr unbefangen sehen. Man erkennt die Fäden, an denen die Puppen tanzen. Die scheinbare Spontaneität der Konflikte ist am Reißbrett entstanden, um eine Katharsis zu erzwingen, die im wirklichen Leben so niemals stattfinden würde. Wir sehen nicht Menschen, die zueinander finden, sondern Archetypen, die eine vordefinierte Funktion erfüllen, um uns ein gutes Gefühl zu geben.

Dieses gute Gefühl ist jedoch trügerisch. Es entlässt uns in die Realität mit der Illusion, dass sich Probleme von selbst lösen, wenn man nur ein bisschen netter zueinander ist. Dabei ignoriert das Werk die systemischen Probleme, die hinter der Isolation in unseren Städten stehen. Es gibt keine Antwort auf steigende Mieten, auf die Gentrifizierung, die alteingesessene Bewohner wie Waltemar verdrängt, oder auf die Arbeitsverdichtung, die eine Miriam in den Burnout treibt. Stattdessen gibt es Schnee, der alles zudeckt. Der weiße Puder auf den Straßen Münchens fungiert als visuelle Zensur. Er glättet die Kanten, kaschiert den Dreck und lässt die hässlichen Wahrheiten unter einer Decke aus Kitsch verschwinden.

Man könnte fast von einer therapeutischen Funktion des Mediums sprechen, wäre die Diagnose nicht so niederschmetternd. Wir brauchen diese Filme, um den Schein zu wahren. Die Schauspieler geben uns die Erlaubnis, für neunzig Minuten an ein Wunder zu glauben, damit wir am nächsten Morgen wieder klaglos in die U-Bahn steigen und unsere Mitmenschen ignorieren können. Es ist eine Form von emotionalem Ablasshandel. Wir schauen zu, wie andere ihre Differenzen überwinden, und fühlen uns dadurch selbst ein Stück weit entlastet. Das Ensemble liefert die Vorlage für eine Empathie, die wir im Alltag nicht aufzubringen bereit sind.

Die wahre Leistung der Produktion liegt darin, diese Diskrepanz so geschickt zu verbergen. Man merkt den Schauspielern an, dass sie ihre Rollen ernst nehmen, und gerade dieser Ernst macht die Täuschung so perfekt. Wenn man die Hintergründe der Entstehung betrachtet, sieht man eine hochprofessionelle Maschinerie am Werk. Da wird nichts dem Zufall überlassen. Jede Träne ist kalkuliert, jedes Lachen ist getimt. Es ist ein Produkt, das für den Massenmarkt optimiert wurde, und wie jedes gute Produkt erfüllt es die Bedürfnisse der Konsumenten punktgenau. Das Bedürfnis nach Geborgenheit in einer Welt, die sich immer schneller dreht und immer unübersichtlicher wird, ist eine Goldmine für die Unterhaltungsindustrie.

Was bleibt also übrig, wenn man den Glanz der Fassade wegkratzt? Übrig bleibt die Erkenntnis, dass wir uns nach einer Gemeinschaft sehnen, die wir gleichzeitig fürchten. Wir wollen das „Obendrüber“, aber wir wollen nicht, dass es uns zu nahe kommt. Wir genießen das „Schneit es“, solange wir es durch die Doppelverglasung unserer modernen Wohnungen betrachten können. Der Film ist ein Denkmal für unsere eigene Ambivalenz. Er zeigt uns, was möglich wäre, wenn wir den Mut hätten, die Türen wirklich zu öffnen, und er tröstet uns gleichzeitig darüber hinweg, dass wir diesen Mut wahrscheinlich nie aufbringen werden. Das ist die bittere Pille, die in der zuckersüßen Verpackung steckt.

Wir sollten aufhören, solche Produktionen als harmlose Berieselung abzutun. Sie sind psychogrammatische Bestandsaufnahmen einer Gesellschaft am Rande der emotionalen Erschöpfung. Die Besetzung ist das Personal eines Traums, aus dem wir längst aufgewacht sind, den wir aber krampfhaft versuchen, jede Weihnachten aufs Neue zu träumen. Vielleicht wäre es ehrlicher, die Stille im Treppenhaus einfach mal auszuhalten, anstatt sie mit dem Lärm künstlicher Harmonie zu übertönen. Aber das würde bedeuten, sich der eigenen Leere zu stellen, und das ist ein Drehbuch, das im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wohl niemals zur Hauptsendezeit laufen wird.

Am Ende ist die Geschichte über die Menschen in diesem Haus kein Märchen, sondern eine Mahnung, dass wahre Nähe nicht durch einen Drehbuchkniff entsteht, sondern durch die schmerzhafte Arbeit an der Realität. Wir schauen zu, wir rühren uns, wir vergessen – und genau in diesem Kreislauf liegt das eigentliche Versagen unserer modernen Weihnachtskultur.

Wahre Verbundenheit beginnt erst dort, wo der Film aufhört und die unbequeme Stille des Alltags wieder einsetzt.

CF

Clara Fischer

In den Artikeln von Clara Fischer stehen Kontext, Genauigkeit und gesellschaftliche Relevanz im Mittelpunkt.