besetzung von valerian die stadt der tausend planeten

besetzung von valerian die stadt der tausend planeten

Das gängige Narrativ über Luc Bessons monumentales Science-Fiction-Epos konzentriert sich meist auf das finanzielle Desaster oder die visuelle Reizüberflutung. Kritiker stürzten sich nach dem Kinostart im Jahr 2017 fast gehässig auf die nackten Zahlen, als ob das Einspielergebnis allein die Qualität eines Kunstwerks diktieren würde. Doch wer die Besetzung von Valerian Die Stadt Der Tausend Planeten als bloße Fehlentscheidung abtut, übersieht den radikalen Kern dieses Projekts. Besson versuchte nicht, einen Marvel-Film in Frankreich zu drehen. Er versuchte, das Genre des Space-Operas von der Last des Testosteron-Kinos zu befreien, das Hollywood seit Jahrzehnten dominiert. Die Wahl der Protagonisten war kein Zufall, sondern eine kalkulierte Provokation gegen die Erwartungshaltung eines Publikums, das an stählerne Helden und klassische Romanzen gewöhnt ist.

Die kalkulierte Zerbrechlichkeit der Besetzung von Valerian Die Stadt Der Tausend Planeten

Viele Zuschauer empfanden die Chemie zwischen Dane DeHaan und Cara Delevingne als hölzern oder gar nicht vorhanden. Ich behaupte dagegen, dass genau diese Sperrigkeit das Ziel war. Wir haben es hier mit Kindersoldaten zu tun, die in einem bürokratischen intergalaktischen System funktionieren müssen. DeHaan spielt Valerian nicht als klassischen Haudegen, sondern als jemanden, der verzweifelt versucht, wie einer zu wirken. Er ist blass, wirkt oft müde und seine Stimme hat nichts von der Bassgewalt eines Chris Evans oder Chris Hemsworth. Das ist kein Fehler im System. Das ist das System. Die Besetzung von Valerian Die Stadt Der Tausend Planeten spiegelt eine Generation wider, die unter dem Druck steht, in einer hyper-technologisierten Welt perfekt zu performen, während sie innerlich noch nach Orientierung sucht.

Wenn man Delevingne als Laureline betrachtet, erkennt man schnell, dass sie die eigentliche kompetente Kraft in diesem Duo ist. Sie ist nicht die „Dame in Not“, die gerettet werden muss, sondern die emotionale und strategische Ankerperson. Dass beide Darsteller eher wie Models auf einem futuristischen Laufsteg wirken als wie kampferprobte Veteranen, unterstreicht die Künstlichkeit der Welt von Alpha. Besson wollte keine muskelbepackten Actionfiguren. Er suchte nach Gesichtern, die in das europäische Comic-Erbe von Jean-Claude Mézières und Pierre Christin passen. Diese Ästhetik bricht mit der US-amerikanischen Tradition des muskulösen Heroismus. Es ist eine bewusste Abkehr vom Kino der harten Kerle, was viele Zuschauer schlichtweg irritierte, weil es ihre Sehgewohnheiten angriff.

Das Missverständnis der schauspielerischen Tiefe

Ein häufiger Vorwurf lautet, die Darsteller würden ihre Rollen nicht ernst nehmen oder seien hölzern. Wer das behauptet, verkennt die lange Tradition des französischen Kinos, das oft auf eine gewisse Distanz zwischen Schauspieler und Figur setzt. In dieser speziellen Welt sind die Emotionen oft so grell wie die Neonfarben der Stadt Alpha selbst. Die Nuancen finden sich nicht in großen Tränenausbrüchen, sondern in der fast schon arroganten Gelassenheit, mit der sich die Figuren durch unmögliche Situationen bewegen. Es gibt eine Szene, in der Laureline auf einem Markt verhandelt, die mehr über ihre Charakterstärke aussagt als jeder dramatische Monolog in zeitgenössischen Blockbustern. Hier zeigt sich die Stärke der Besetzung von Valerian Die Stadt Der Tausend Planeten in ihrer Fähigkeit, die Absurdität der Umgebung als Normalität zu akzeptieren.

Die Rolle der Nebenfiguren als Spiegel der globalen Gesellschaft

Besson nutzte seine internationale Strahlkraft, um ein Ensemble zu versammeln, das so divers und exzentrisch ist wie die Aliens auf der Raumstation. Clive Owen als der zwielichtige Commander Arün Filitt bringt eine klassische, fast schon Shakespeare-hafte Gravitas ein, die im scharfen Kontrast zur jugendlichen Leichtigkeit der Hauptfiguren steht. Er repräsentiert das alte System, das Militärische und das Starre. Dann ist da Rihanna als Shape-Shifterin Bubble. Ihre Sequenz wird oft als reiner Marketing-Gag abgetan, doch sie ist das emotionale Herzstück des Films. In einer Welt, in der Identität flüssig ist und jeder sein Äußeres per Knopfdruck ändern kann, ist ihr Schicksal die ultimative Tragödie.

Das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Energien erzeugt eine Reibung, die man im glattgebügelten Franchise-Kino von heute kaum noch findet. Man spürt förmlich, wie die verschiedenen Schauspielschulen aufeinanderprallen. Owens britische Strenge trifft auf Rihannas Popkultur-Präsenz und DeHaans Indie-Film-Sensibilität. Das wirkt manchmal chaotisch, aber es fängt die Essenz einer Stadt ein, in der tausend verschiedene Spezies versuchen, nebeneinander zu existieren. Wer hier nach einer homogenen schauspielerischen Leistung sucht, hat das Konzept der Stadt der tausend Planeten nicht verstanden. Vielfalt bedeutet nun mal auch eine Vielfalt an Ausdrucksformen, die nicht immer harmonieren müssen.

Nicht verpassen: a raisin in the

Skeptiker führen oft an, dass ein Film dieser Größenordnung ein zugkräftigeres Starpower-Duo gebraucht hätte, um an den Kinokassen zu bestehen. Vielleicht stimmt das aus rein kommerzieller Sicht. Doch hätte ein Tom Cruise in der Rolle des Valerian den Film besser gemacht? Wahrscheinlich nicht. Er hätte den Film zu einem weiteren „Tom-Cruise-Film“ gemacht und die Vision der Vorlage erstickt. Besson entschied sich für das Risiko der Unangepasstheit. Er wählte Gesichter, die man nicht sofort mit zehn anderen Franchises assoziiert. Das sorgt dafür, dass die Welt von Alpha im Vordergrund bleibt und nicht die Personalkosten der Hauptdarsteller.

Die langfristige Rehabilitation eines verkannten Ensembles

Die Geschichte des Kinos ist voll von Beispielen, bei denen das Casting erst Jahrzehnte später gewürdigt wurde. Man denke an Ridley Scotts Blade Runner, der bei seinem Erscheinen für seine kühle Atmosphäre und die vermeintlich emotionslosen Darstellungen kritisiert wurde. Heute gilt der Film als Meisterwerk, gerade wegen dieser entrückten Stimmung. Ich sehe für das Werk von Besson eine ähnliche Zukunft voraus. Die Distanz, die wir heute gegenüber den Protagonisten spüren, wird in ein paar Jahren als visionärer Kommentar zur Entfremdung in einer digitalen Welt gelesen werden.

👉 Siehe auch: don t trust the

Die schiere Ambition, ein Projekt dieser Größenordnung ohne das Sicherheitsnetz eines großen US-Studios zu stemmen, verdient Respekt. Das Casting war Teil dieser Unabhängigkeitserklärung. Es war ein Versuch, die europäische Identität im Genre der Science-Fiction zu behaupten, indem man sich weigerte, die Casting-Schablonen von Hollywood zu kopieren. Die Figuren wirken deshalb so fremd, weil sie es in einem Genre sind, das fast vollständig amerikanisiert wurde. Wenn wir uns also heute fragen, ob die Wahl der Schauspieler richtig war, sollten wir uns eher fragen, warum wir so sehr darauf konditioniert sind, immer die gleichen Heldentypen sehen zu wollen.

Am Ende bleibt ein Film, der sich nicht anbiedert. Er verlangt vom Zuschauer, seine Vorurteile über Attraktivität, Chemie und Heldenmut an der Garderobe abzugeben. Die Protagonisten sind keine Götter, sie sind keine Superhelden mit Umhängen, sie sind junge Menschen, die in einer komplizierten, korrupten Welt versuchen, das Richtige zu tun, während sie gleichzeitig mit ihren eigenen Unsicherheiten kämpfen. Diese Menschlichkeit, verpackt in eine Hülle aus glitzerndem CGI und exzentrischem Design, macht den Reiz aus.

Die wahre Qualität einer schauspielerischen Leistung bemisst sich nicht daran, wie gut sie in ein etabliertes Schema passt, sondern wie nachhaltig sie das Bild einer fiktiven Welt prägt, ohne deren Wunder zu überschatten.

LZ

Lisa Zimmermann

Zwischen Tagesaktualität und Hintergrundanalyse bringt Lisa Zimmermann Struktur in komplexe Themenlagen.