canon powershot sx740 hs test

canon powershot sx740 hs test

Manchmal braucht man einfach mehr als ein Smartphone in der Hosentasche, auch wenn die Marketingabteilungen von Apple und Samsung uns das Gegenteil weismachen wollen. Wer am Strand steht und einen Surfer am Horizont fotografieren will, merkt schnell: Digitaler Zoom ist Mist. Genau hier kommt diese kleine Kamera ins Spiel, die mit einem optischen 40-fach-Zoom protzt, der in ein Gehäuse passt, das kaum größer als eine Zigarettenschachtel ist. In diesem Canon PowerShot SX740 HS Test schauen wir uns an, ob das Gerät im Jahr 2026 noch eine Daseinsberechtigung hat oder ob es nur ein Relikt aus einer Zeit ist, in der wir noch glaubten, Megapixel seien alles. Ich habe das Teil durch den Alltag geschleift, von dunklen Konzertsälen bis hin zu gleißendem Sonnenlicht in den Alpen. Die Ergebnisse sind ehrlich gesagt eine gemischte Tüte, aber für eine ganz bestimmte Zielgruppe ist das Ding ein absoluter Volltreffer.

Die Technik hinter dem riesigen Zoomfaktor

Der Kern dieser Kamera ist der 20,3-Megapixel-Sensor. Das klingt erst mal nach viel, aber wir müssen realistisch bleiben. Es handelt sich um einen 1/2,3-Zoll-Sensor. Das ist die Standardgröße für Kompaktkameras. Er ist winzig. Wenn du also erwartest, dass diese Kamera eine Vollformat-DSLR in den Schatten stellt, muss ich dich enttäuschen. Aber die Magie passiert im Objektiv. Die Brennweite reicht von 24 mm Weitwinkel bis hin zu satten 960 mm im Telebereich. Das ist Wahnsinn. Damit holst du den Kirchturm am anderen Ende der Stadt so nah ran, dass du die Risse im Zifferblatt zählen kannst.

Warum Lichtstärke alles verändert

Bei 24 mm startet die Blende bei f/3.3. Das geht noch. Sobald du aber voll rauszoomst, landet man bei f/6.9. In der Praxis bedeutet das: Du brauchst Licht. Viel Licht. Wer versucht, bei Dämmerung den maximalen Zoom zu nutzen, wird mit Bildrauschen bestraft, das aussieht wie ein Ameisenrennen auf einem alten Röhrenfernseher. Ich habe versucht, eine Eule im Wald bei Sonnenuntergang zu knipsen. Das Ergebnis war ein grauer Matsch. Aber am helllichten Tag? Da zeigt die Optik, was sie kann. Die Schärfe in der Bildmitte bleibt überraschend stabil, selbst wenn das Objektiv komplett ausgefahren ist.

Der Bildprozessor macht den Unterschied

Im Inneren werkelt der DIGIC 8 Prozessor. Das ist derselbe Chip, der auch in einigen teureren Modellen der EOS-Reihe zum Einsatz kam. Er sorgt dafür, dass die Kamera schnell reagiert. Einschalten, fokussieren, abdrücken – das passiert fast ohne Verzögerung. Besonders bei Serienbildern ist das ein Vorteil. Zehn Bilder pro Sekunde sind drin. Das reicht locker aus, um den Moment einzufangen, in dem der Hund den Ball fängt oder das Kind vom Klettergerüst springt.

Canon PowerShot SX740 HS Test unter realen Bedingungen

Wenn ich unterwegs bin, will ich nicht über Menüs nachdenken. Ich will, dass die Kamera das tut, was ich im Kopf habe. Die Bedienung dieser kleinen Maschine ist intuitiv. Wer schon mal eine Canon in der Hand hatte, findet sich sofort zurecht. Das Steuerkreuz auf der Rückseite ist knackig, das Moduswahlrad oben rastet sauber ein. Was mir besonders gefällt, ist der klappbare Bildschirm. Er lässt sich um 180 Grad nach oben klappen. Perfekt für Selfies oder Vlogs. Aber Achtung: Er klappt nicht zur Seite weg. Wer ein externes Mikrofon auf den Blitzschuh packen will – ach Moment, es gibt gar keinen Blitzschuh. Das ist ein echtes Manko für Profis.

Videoqualität und 4K-Herausforderungen

Die Kamera kann 4K-Videos aufnehmen. Das war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ein großes Verkaufsargument. In der Realität gibt es einen Haken. Beim Filmen in 4K wird ein zusätzlicher Crop-Faktor angewendet. Das Bild wird also nochmals vergrößert. Aus deinem 24 mm Weitwinkel wird plötzlich ein Standardobjektiv. Für Landschaftsaufnahmen in 4K ist das eher suboptimal. Dafür ist die Stabilisierung im Videomodus erstklassig. Canon nennt das "Intelligent IS". Er gleicht das Zittern der Hände effektiv aus, was besonders bei langen Brennweiten überlebenswichtig ist. Ohne diesen Stabilisator wäre Filmen bei 960 mm unmöglich.

Akkulaufzeit und Speicherhunger

Der Akku ist ein NB-13L. Er hält etwa 250 bis 300 Fotos durch. Das ist okay für einen Stadtbummel, aber zu wenig für eine ganztägige Wandertour. Ich empfehle dringend einen Zweitakku. Was den Speicher angeht: 4K-Videos fressen die SD-Karte schnell leer. Man sollte hier nicht am falschen Ende sparen und eine schnelle Karte mit mindestens 64 GB wählen. Die Übertragung der Bilder aufs Smartphone klappt übrigens erstaunlich gut über die Canon Camera Connect App. Die Verbindung über Bluetooth bleibt stabil, sodass man GPS-Daten vom Handy direkt in die Fotos schreiben kann. Das ist Gold wert, wenn man nach dem Urlaub wissen will, wo genau dieser eine tolle Aussichtspunkt war.

Bildqualität im Detail

Man darf nicht vergessen, für wen diese Kamera gebaut wurde. Es ist eine Reisekamera. Sie soll den Spagat zwischen Größe und Leistung schaffen. Die Farben sind typisch Canon: warm, lebendig und mit sehr angenehmen Hauttönen. Wer gerne Porträts macht, wird die Farbwiedergabe lieben. Aber schauen wir uns die Schattenseiten an.

Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten

Sobald die Sonne weg ist, schraubt die Automatik den ISO-Wert hoch. Bis ISO 800 sind die Bilder absolut brauchbar. Bei ISO 1600 fängt es an, unruhig zu werden. Details in feinen Texturen, wie etwa Haaren oder Gras, gehen verloren. Bei ISO 3200 sieht man deutliche Artefakte der Rauschunterdrückung. Hier rächt sich der kleine Sensor. Wenn du also hauptsächlich auf Partys in dunklen Clubs fotografieren willst, kauf dir lieber eine Kamera mit einem 1-Zoll-Sensor, wie die PowerShot G7 X Mark III. Aber die hat eben keinen 40-fach-Zoom. Man muss sich entscheiden: Zoom oder Low-Light-Performance. Beides zusammen in dieser Größe gibt es schlichtweg nicht.

Autofokus und Geschwindigkeit

Der Autofokus nutzt die Kontrasterkennung. Er ist schnell, solange das Motiv sich nicht wie ein Kolibri bewegt. Bei Objekten, die auf die Kamera zukommen, hat er manchmal Mühe, den Fokus zu halten. Für Sportfotografie am Spielfeldrand reicht es, aber für professionelle Actionfotos ist das System zu träge. Die Gesichtserkennung funktioniert hingegen tadellos. Sie findet Augen und Gesichter zuverlässig, was im Alltag die meisten Fehlfokussierungen verhindert.

Vergleich mit der Konkurrenz

Es gibt nicht mehr viele Mitstreiter in diesem Segment. Viele Hersteller haben sich aus dem Markt der kleinen Zoom-Kameras zurückgezogen. Die Sony DSC-HX99 ist der direkteste Konkurrent. Sie ist noch ein Stück kleiner und hat einen elektronischen Sucher. Das fehlt der Canon komplett. Wer bei grellem Sonnenlicht nichts mehr auf dem Display erkennt, wird den Sucher vermissen. Auf der anderen Seite bietet die Canon die bessere Ergonomie. Sie liegt durch den kleinen Griffwulst fester in der Hand.

Smartphone gegen Kompaktkamera

Warum sollte man 400 Euro oder mehr ausgeben, wenn das iPhone 15 oder 16 auch tolle Bilder macht? Die Antwort ist simpel: Physik. Ein Smartphone-Objektiv hat keinen Platz für Linsen, die sich physisch bewegen, um einen echten Zoom zu erzeugen. Alles, was über einen 3- oder 5-fach-Zoom hinausgeht, ist bei Handys meist eine Kombination aus digitalem Ausschnitt und KI-Berechnung. Das sieht auf dem Handydisplay gut aus, aber auf einem 27-Zoll-Monitor bricht das Bild zusammen. Die Canon liefert hier echte optische Informationen. Das ist ein massiver Qualitätsunterschied. Laut DPReview, einer der führenden Autoritäten für Kameratests, bleibt der optische Zoom das Killer-Feature dieser Geräteklasse.

Tipps für bessere Fotos mit der SX740 HS

Wer das Maximum aus diesem Gerät herausholen will, sollte die Automatik öfter mal verlassen. Ich nutze meistens die Zeitautomatik (Av). Hier kann ich die Blende festlegen – auch wenn der Spielraum klein ist – und die Kamera den Rest machen lassen.

  1. Nutze ein Stativ bei maximalem Zoom. Selbst der beste Stabilisator stößt an Grenzen, wenn man versucht, den Mond aus der Hand zu fotografieren. Ein kleines GorillaPod reicht oft schon aus.
  2. Achte auf den Weißabgleich. Die Automatik neigt bei bewölktem Himmel dazu, die Bilder etwas zu kühl darzustellen. Ein manueller Wechsel auf "Bewölkt" macht die Stimmung sofort gemütlicher.
  3. Verwende den Serienbildmodus für Tiere. Da der Autofokus nicht der allerschnellste ist, erhöht eine Salve von Bildern die Chance, dass einer der Schüsse perfekt sitzt.
  4. Deaktiviere den digitalen Zoom. Die Kamera erlaubt es, über den optischen Bereich hinaus zu zoomen. Tu es nicht. Die Bildqualität stürzt ins Bodenlose. Wenn der optische Zoom am Ende ist, hör auf oder geh näher ran.

Wer sollte diese Kamera kaufen

Dieses Modell ist perfekt für Urlauber, die leicht reisen wollen. Wenn du in den Nationalpark fährst und Tiere beobachten willst, ohne zwei Kilo Glas mitzuschleppen, ist das dein Gerät. Es ist auch eine tolle Zweitkamera für Vlogger. Der Klappbildschirm macht das Filmen von sich selbst zum Kinderspiel.

Es ist keine Kamera für Profis, die jedes Pixel bei 400-prozentiger Vergrößerung analysieren. Es ist eine Kamera für Momente. Für den Schnappschuss vom Segelschiff, das kilometerweit entfernt ist. Für das Gruppenfoto, auf dem alle drauf sind, weil das 24 mm Weitwinkel ordentlich was einfängt. Die Canon PowerShot SX740 HS Test Berichte zeigen oft, dass die Erwartungshaltung der entscheidende Faktor ist. Wer eine handliche Zoom-Maschine sucht, wird glücklich.

Die Sache mit dem fehlenden RAW-Format

Ein Punkt, der mich wirklich ärgert, ist das Fehlen von RAW-Dateien. Die Kamera speichert nur in JPEG. Das bedeutet, dass die Bilddaten bereits in der Kamera komprimiert und bearbeitet werden. Man hat später weniger Spielraum in der Nachbearbeitung. Schatten aufhellen oder Lichter retten ist nur begrenzt möglich. Warum Canon das bei einem Gerät in dieser Preisklasse weglässt, bleibt ihr Geheimnis. Vermutlich wollte man die Grenze zu den teureren Modellen wie der G-Serie wahren. Für die meisten Nutzer ist das egal, aber wer seine Fotos gerne in Lightroom bearbeitet, wird hier ausgebremst.

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Haltbarkeit und Verarbeitung

Das Gehäuse besteht größtenteils aus Kunststoff, fühlt sich aber hochwertig an. Nichts knarzt oder wackelt. Die Tasten haben einen guten Druckpunkt. Einzig die Abdeckung für den USB-Anschluss wirkt etwas filigran. Apropos USB: Die Kamera lässt sich leider nicht während des Betriebs über USB laden. Man muss sie ausschalten, damit der Saft in den Akku fließt. Das ist im Jahr 2026 fast schon anachronistisch. In der Praxis bedeutet das: Powerbank mitnehmen und in der Kaffeepause nachladen.

Nächste Schritte für dich

Wenn du jetzt überlegst, dir das Gerät zuzulegen, solltest du methodisch vorgehen. Überlege dir genau, was dein Hauptfokus ist.

  • Prüfe dein Budget: Schau nach aktuellen Angeboten. Oft gibt es Bundles mit Tasche und SD-Karte, die deutlich günstiger sind als der Einzelkauf.
  • Geh in einen Laden: Nimm die Kamera in die Hand. Das Gefühl für den Zoom-Hebel und die Tasten ist subjektiv. Du musst dich damit wohlfühlen.
  • Vergleiche die Größe: Passt sie wirklich in deine Lieblingstasche? Die SX740 HS ist zwar kompakt, aber durch das Objektiv doch etwas dicker als ein flaches Smartphone.
  • Zubehör checken: Bestelle direkt einen Ersatzakku mit. Vertrau mir, du wirst ihn brauchen, besonders wenn du viel mit dem Display arbeitest oder 4K-Videos drehst.
  • Software installieren: Lade dir die App schon mal runter und schau dir die Funktionen an. Die Fernsteuerung der Kamera über das Handy ist ein cooles Feature für Gruppenfotos, bei denen du selbst mit drauf willst.

Letztlich ist Fotografie ein Hobby, das Spaß machen soll. Diese Kamera macht Spaß, weil sie dir Möglichkeiten gibt, die dein Handy einfach nicht hat. Sie erweitert deinen Aktionsradius massiv. Solange du ihre Grenzen bei schlechtem Licht kennst und akzeptierst, wird sie dir treue Dienste leisten. Es ist ein Werkzeug für Entdecker, die den Horizont nicht nur sehen, sondern auch festhalten wollen. Wer nicht bereit ist, ein riesiges Objektiv-Arsenal mit sich herumzutragen, findet hier einen der besten Kompromisse, die der Markt derzeit zu bieten hat. Denke an die Lichtverhältnisse, nimm einen Ersatzakku mit und genieße die Freiheit, die dir 960 mm Brennweite in der Hosentasche bieten.

TS

Thomas Schäfer

Thomas Schäfer verfolgt politische und soziale Debatten mit kritischem Blick und journalistischer Verantwortung.