in colorado ist der teufel los film

in colorado ist der teufel los film

Manche Filme verschwinden einfach im Nebel der Zeit, obwohl sie eigentlich ein größeres Publikum verdient hätten. Wenn man über das Westerngenre der späten sechziger Jahre spricht, fallen meistens Namen wie Sergio Leone oder Sam Peckinpah, doch ein Werk wird oft sträflich übergangen. Ich spreche von In Colorado Ist Der Teufel Los Film, einem Streifen aus dem Jahr 1969, der unter seinem Originaltitel "The Good Guys and the Bad Guys" bekannt ist. Es ist kein staubtrockenes Epos, sondern eine fast schon melancholische Buddy-Komödie, die das Ende einer Ära thematisiert. Wer diesen Film heute sieht, merkt schnell, dass er viel mehr ist als nur ein simpler Zeitvertreib am Sonntagnachmittag. Er fängt den Moment ein, in dem der klassische Wilde Westen von der Moderne überrollt wurde, verpackt in eine Geschichte über zwei alternde Männer, die feststellen, dass die Welt sie nicht mehr braucht.

Die Handlung und der Geist einer vergangenen Epoche

Die Geschichte dreht sich um James Flagg, einen alternden Marshal, der feststellen muss, dass sein Stern im Städtchen Waco sinkt. Flagg wird von Robert Mitchum gespielt, der hier eine seiner gewohnt lässigen, aber dennoch tiefgründigen Leistungen abliefert. Er wird zwangspensioniert, weil der junge, ehrgeizige Bürgermeister der Meinung ist, dass Flaggs Methoden veraltet sind. Das ist ein klassisches Motiv, das wir in vielen Filmen dieser Zeit sehen. Die Zivilisation hält Einzug, das Gesetz wird bürokratisch, und Männer der Tat werden zu Relikten.

Dann taucht sein alter Widersacher Big John Grundy auf, verkörpert von George Kennedy. Grundy wurde von seiner eigenen Bande verstoßen, weil er ihnen zu alt und zu langsam geworden ist. Hier zeigt sich die Ironie der Geschichte: Der Gesetzeshüter und der Outlaw sitzen im selben Boot. Beide wurden von der Zeit und von jüngeren, rücksichtsloseren Männern aussortiert. Sie müssen sich zusammenschließen, um eine neue Generation von Banditen aufzuhalten, die keinen Ehrenkodex mehr kennt.

Robert Mitchum und die Kunst des Understatements

Mitchum war immer ein Meister darin, mit minimalem Aufwand maximale Wirkung zu erzielen. In diesem Spätwestern spielt er Flagg nicht als unverwundbaren Helden. Er ist müde. Er hat Schmerzen. Man sieht ihm an, dass jede Schlägerei ein bisschen länger dauert als früher. Diese Verletzlichkeit macht die Figur greifbar. Man nimmt ihm den Frust über die arroganten Stadtväter ab, die vergessen haben, wer sie jahrelang beschützt hat.

George Kennedy als der perfekte Gegenpart

George Kennedy bringt eine wunderbare Mischung aus Bedrohlichkeit und Sympathie in die Rolle des Grundy. Er ist kein böser Mensch im eigentlichen Sinne, sondern ein Mann, der einfach nur das tut, was er gelernt hat. Die Chemie zwischen Mitchum und Kennedy ist das Herzstück der Produktion. Ihr Geplänkel wirkt authentisch. Es erinnert an zwei alte Kriegsveteranen, die sich zwar früher bekämpft haben, aber jetzt erkennen, dass sie die Einzigen sind, die die Sprache des jeweils anderen noch sprechen.

Warum In Colorado Ist Der Teufel Los Film Den Zeitgeist Traf

Ende der 1960er Jahre befand sich Hollywood im Umbruch. Das klassische Studio-System zerfiel, und das Publikum verlangte nach realistischeren, oft zynischeren Geschichten. Western wie "Butch Cassidy und Sundance Kid" oder "The Wild Bunch" zeigten Outlaws als tragische Helden oder brutale Antihelden. In diesem Kontext wirkte das hier besprochene Werk fast schon traditionell, aber mit einem modernen Kniff.

In Colorado Ist Der Teufel Los Film Und Die Dekonstruktion Des Helden

Man darf nicht vergessen, dass das Genre damals als politisches Barometer diente. Der Kontrast zwischen dem alten Marshal und dem neuen Bürgermeister spiegelt die Spannungen der damaligen US-Gesellschaft wider. Auf der einen Seite steht die Erfahrung und die moralische Klarheit der Vergangenheit, auf der anderen die kalte Effizienz der Zukunft. Der Film stellt die Frage, was passiert, wenn wir die Menschen wegwerfen, die das Fundament für unsere heutige Sicherheit gelegt haben. Das ist ein Thema, das heute, in einer Zeit des schnellen technologischen Wandels, vielleicht sogar noch aktueller ist als 1969.

Die Regie von Burt Kennedy

Burt Kennedy war ein Spezialist für Western, der oft Humor in seine Geschichten einbaute. Er wusste genau, wie man die weiten Landschaften Colorados in Szene setzt, ohne den Fokus auf die Charaktere zu verlieren. Die Kameraarbeit fängt die herbstliche Stimmung perfekt ein. Alles wirkt ein wenig verblasst, passend zum Thema des Älterwerdens. Die Actionsequenzen sind solide inszeniert, stehen aber nie im Vordergrund. Es geht um die Blicke, die Pausen zwischen den Sätzen und das ungesagte Verständnis zwischen zwei Männern am Ende ihres Weges.

🔗 Weiterlesen: malcolm x film spike

Die Bedeutung der Filmmusik

Die musikalische Untermalung unterstützt diese nostalgische Atmosphäre. Sie ist nicht so opernhaft wie bei Morricone, sondern eher zurückhaltend und bodenständig. Sie unterstreicht den komödiantischen Unterton, ohne die ernsten Momente zu untergraben. Wer sich für die Geschichte der Filmmusik interessiert, findet auf Seiten wie der Filmdienst oft spannende Analysen zu Komponisten dieser Ära.

Kritische Einordnung und Rezeption

Bei seinem Erscheinen wurde der Film oft als "netter kleiner Western" abgetan. Er hatte nicht die Wucht eines "Spiel mir das Lied vom Tod". Aber genau diese Bescheidenheit ist heute seine Stärke. Er versucht nicht, das Genre neu zu erfinden. Er will eine gute Geschichte über Freundschaft und Ehre erzählen. In den deutschen Kinos lief er unter dem recht reißerischen Titel, der eigentlich gar nicht so recht zum eher beschaulichen Tempo der ersten Hälfte passt. Der Titel suggeriert eine endlose Schießerei, liefert aber stattdessen eine Charakterstudie mit gelegentlichen Ausbrüchen von Gewalt.

Ein Vergleich mit anderen Spätwestern

Wenn man ihn neben "El Dorado" oder "Rio Bravo" stellt, sieht man deutliche Parallelen. Mitchum selbst spielte in "El Dorado" an der Seite von John Wayne eine ähnliche Rolle als alkoholkranker Sheriff. In dem 1969er Werk darf er jedoch mehr Humor zeigen. Die Ironie ist feiner. Während Wayne oft das unerschütterliche Denkmal blieb, durfte Mitchum Typen spielen, die sich selbst nicht ganz so ernst nahmen.

Die Rolle der Nebencharaktere

Ein guter Film lebt von seinem Ensemble. Hier sehen wir Gesichter wie David Carradine, der den jungen, skrupellosen Anführer der neuen Bande spielt. Er verkörpert das Neue, das keinen Respekt vor Traditionen hat. Dieser Generationenkonflikt ist der Motor der Handlung. Es gibt keine Grauzonen bei den jungen Schurken. Sie sind einfach nur gierig und gewalttätig, was den Kontrast zu Grundys "altmodischer" Art von Kriminalität noch verschärft.

Technische Details und Produktion

Gedreht wurde größtenteils in Silverton, Colorado. Die Stadt bietet mit ihrer historischen Architektur die perfekte Kulisse. Man fühlt sich sofort in die Zeit um 1900 zurückversetzt. Die Produktion nutzte die vorhandene Infrastruktur geschickt aus. Es gibt eine berühmte Szene mit einem Zug, die damals ein logistischer Kraftakt war. Heute würde man so etwas wahrscheinlich am Computer erstellen, aber damals war alles handgemacht. Das spürt man in jeder Einstellung. Es gibt eine Textur, eine physische Präsenz der Dinge, die modernen Produktionen oft fehlt.

Kostüme und Szenenbild

Nichts wirkt hier zu sauber. Die Kleidung ist abgenutzt, die Hüte haben Schweißränder. Das Szenenbild trägt viel zur Glaubwürdigkeit bei. Wenn Flagg in seinem kleinen Büro sitzt, umgeben von Papierkram, den er hasst, fühlt man seine Einengung. Die Weite der Prärie hingegen wirkt wie eine Befreiung, auch wenn sie für zwei alte Männer beschwerlich geworden ist.

Warum man diesen Film heute streamen sollte

In einer Ära von Superhelden-Franchises und CGI-Gewittern ist ein Film wie dieser eine Wohltat. Er nimmt sich Zeit. Er lässt den Schauspielern Raum zum Atmen. Man muss kein Western-Fan sein, um die universelle Geschichte zu mögen. Jeder, der schon einmal das Gefühl hatte, dass die Welt sich zu schnell dreht, wird sich in James Flagg wiederfinden. Es ist ein Film über Würde.

Nicht verpassen: songs by the beatles

Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, kann sich die Datenbanken des Deutschen Filminstituts ansehen, um mehr über die Verleihgeschichte solcher US-Produktionen in Deutschland zu erfahren. Oft wurden Titel für den deutschen Markt massiv verändert, um mehr Action zu suggerieren, was manchmal den Kern des Werks verfälschte. Das ist hier definitiv der Fall gewesen.

Verfügbarkeit und Bildqualität

Inzwischen gibt es ordentliche HD-Abtastungen. Die Farben des herbstlichen Colorado kommen in den Blu-ray-Fassungen hervorragend zur Geltung. Man sieht Details in den Gesichtern der Darsteller, die in den alten Fernsehübertragungen verloren gingen. Es lohnt sich, nach einer restaurierten Fassung Ausschau zu halten. Die Tonspur ist meistens im originalen Mono oder dezentem Stereo gehalten, was zum nostalgischen Charme passt.

Der Einfluss auf spätere Werke

Man findet Spuren dieses Erzählstils in moderneren Filmen wie "Unforgiven" von Clint Eastwood. Auch dort geht es um Männer, die eigentlich schon abgeschlossen haben, aber für eine letzte Sache zurückkehren müssen. Während Eastwood das Ganze sehr düster und blutig anging, wählte Burt Kennedy den Weg der melancholischen Komödie. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung.

Die Psychologie von Flagg und Grundy

Interessant ist, wie die beiden Männer miteinander kommunizieren. Es gibt kaum Pathos. Sie beleidigen sich eher, als dass sie sich Komplimente machen. Aber hinter jeder Beleidigung steckt Respekt. Sie wissen, dass sie die letzten ihrer Art sind. In einer Szene sitzen sie am Lagerfeuer und sprechen über die alten Zeiten. Das ist kein sentimentales Geschwätz. Es ist eine Bestandsaufnahme. Sie stellen fest, dass ihre Siege von damals heute niemanden mehr interessieren. Das ist hart, aber wahr.

Die Darstellung der Gewalt

Obwohl der deutsche Titel "In Colorado Ist Der Teufel Los Film" Chaos verspricht, ist die Gewalt punktuell und gezielt eingesetzt. Sie dient der Geschichte und ist kein Selbstzweck. Wenn geschossen wird, hat das Konsequenzen. Es gibt keine endlosen Salven aus Revolvern, die niemals leer werden. Die Begrenztheit der Mittel spiegelt die Begrenztheit der Lebenszeit der Protagonisten wider.

Die gesellschaftliche Relevanz des Alters

Wir leben in einer Gesellschaft, die Jugend verehrt. Das war 1969 nicht anders. Der Film zeigt uns jedoch, dass Erfahrung durch nichts zu ersetzen ist. Der junge Bürgermeister hat zwar die schöneren Reden und die neueren Gesetze, aber als es wirklich brenzlig wird, bricht er zusammen. Er hat keine Instinkte. Flagg hingegen handelt intuitiv. Er braucht keinen Plan auf Papier. Er weiß, wie Menschen funktionieren. Das ist eine wichtige Lektion: Wissen ist nicht dasselbe wie Weisheit.

Die Frauenrollen im Film

Man muss ehrlich sein: Wie viele Western dieser Zeit ist auch dieser sehr männerfokussiert. Dennoch gibt es interessante weibliche Nebenfiguren, die nicht nur als Dekoration dienen. Sie sind oft die vernünftigeren Stimmen im Hintergrund, die das machohafte Gehabe der Männer mit einem Augenzwinkern kommentieren. Sie sind es, die am Ende die Scherben aufsammeln, wenn die Männer sich mal wieder geprügelt haben.

👉 Siehe auch: diesen Artikel

Tipps für einen gelungenen Heimkino-Abend

Wenn du planst, dir diesen Klassiker anzusehen, hier ein paar Empfehlungen für das perfekte Erlebnis:

  1. Suche nach der Original-Synchronisation. Die deutschen Stimmen von Mitchum und Kennedy aus dieser Zeit sind legendär und passen perfekt zu den Charakteren.
  2. Achte auf die Details im Hintergrund. Die Ausstattung der Saloons und Läden ist historisch sehr akkurat.
  3. Vergleiche den Film mit "The Ballad of Cable Hogue". Er kam etwa zur gleichen Zeit heraus und behandelt ähnliche Themen, ist aber noch ein Stück skurriler.
  4. Ignoriere den reißerischen Titel. Lass dich stattdessen auf die ruhigen Momente ein.

Die Faszination des Westerns liegt oft in seiner Einfachheit. Es gibt Gut und Böse, auch wenn die Grenzen hier verschwimmen. Es geht um Land, Freiheit und Recht. In einer immer komplexer werdenden Welt bietet das eine angenehme Fluchtmöglichkeit. Aber dieser spezielle Film bietet eben noch die zusätzliche Ebene der Selbstreflexion. Er fragt uns: Was bleibt von uns übrig, wenn unsere Arbeit getan ist?

Ein Blick auf das Erbe von Robert Mitchum

Robert Mitchum war zeit seines Lebens ein Rebell. Er passte nie in das typische Schema eines Hollywood-Stars. Er saß wegen Marihuana-Besitzes im Gefängnis, was seinem Ruf aber eher half als schadete. Diese "Mir-doch-egal"-Attitüde brachte er in jede seiner Rollen ein. In seinen späten Western wirkt er wie jemand, der das Drehbuch gar nicht lesen musste, weil er das Leben sowieso schon verstanden hatte. Das macht ihn so zeitlos.

Warum das Genre niemals ganz stirbt

Immer wieder wird das Ende des Westerns prophezeit. Dann kommt ein Film wie "True Grit" oder Serien wie "Yellowstone" und beweisen das Gegenteil. Die Mythen der Grenze, des Neuanfangs und des Konflikts zwischen Individuum und Gesellschaft sind universell. Dieser Film hier besetzt dabei die Nische des Übergangs. Er ist das Bindeglied zwischen den heroischen Epen der 50er und den revisionistischen Meisterwerken der 70er.

Praktische Schritte für Filmfans

Was solltest du jetzt tun, wenn dich das Thema gepackt hat? Zuerst einmal solltest du prüfen, welche Streaming-Anbieter den Titel aktuell im Programm haben. Oft findet man ihn bei spezialisierten Klassiker-Channels. Falls du physische Medien bevorzugst, schau auf Marktplätzen nach der Blu-ray. Es ist ein Sammlerstück, das in keinem gut sortierten Regal fehlen sollte.

Zweitens, lies dich ein wenig in die Biografie von Burt Kennedy ein. Er hat einige der besten Drehbücher für Budd Boetticher geschrieben, bevor er selbst Regie führte. Sein Verständnis für die Mechanik eines Westerns war unerreicht. Wenn du seine anderen Werke wie "Der Sheriff ohne Colt" (Support Your Local Sheriff!) kennst, wirst du seinen Humor auch hier wiedererkennen.

Drittens, betrachte den Film als Teil einer Trilogie des Abschieds. Schau dir danach "The Shootist" mit John Wayne an. So bekommst du ein umfassendes Bild davon, wie Hollywood sich von seinen eigenen Legenden verabschiedete. Es ist eine faszinierende Reise durch die Filmgeschichte, die zeigt, wie sich das Männerbild über die Jahrzehnte gewandelt hat.

Letztlich ist dieser Film eine Einladung, mal einen Gang runterzuschalten. Er ist das filmische Äquivalent zu einem guten Whiskey: Er brennt ein bisschen, er wärmt, und er hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Er erinnert uns daran, dass wir zwar alle älter werden, aber deshalb noch lange nicht zum alten Eisen gehören müssen. Solange man noch einen Freund wie Grundy an seiner Seite hat, kann man es mit jeder neuen Bande aufnehmen. Das ist die wahre Botschaft, die hinter dem wilden Titel steckt. Nutze die nächste Gelegenheit und gib diesem Werk die Aufmerksamkeit, die es verdient. Du wirst es nicht bereuen.

Nächste Schritte für dein Filmerlebnis:

  1. Prüfe die Verfügbarkeit bei Anbietern wie Amazon Prime oder Apple TV.
  2. Recherchiere auf IMDb nach weiteren Filmen von Burt Kennedy, um seinen Stil besser zu verstehen.
  3. Bereite dir einen Abend ohne Ablenkung vor, um die herbstliche Atmosphäre von Colorado wirklich genießen zu können.
MN

Markus Neumann

Mit Erfahrung in Newsrooms und Content-Teams erstellt Markus Neumann verständliche, gut recherchierte Beiträge.