eis am stiel 5 die große liebe

eis am stiel 5 die große liebe

Wer heute an die israelische Filmreihe denkt, die in den späten siebziger und achtziger Jahren die Kinosäle in der Bundesrepublik füllte, hat meist sofort das Bild von drallen Krankenschwestern, peinlichen Missgeschicken und den ewig gleichen drei Protagonisten im Kopf. Man verbucht diese Werke oft als seichte Unterhaltung, die heute aufgrund ihres Humors und des Frauenbildes kaum noch bestehen könnte. Doch diese Sichtweise greift zu kurz und ignoriert die soziokulturelle Sprengkraft, die gerade in der Mitte der Reihe zum Vorschein kam. Es geht hier nicht bloß um Hormonstau unter der Sonne Tel Avivs. Tatsächlich markierte Eis Am Stiel 5 Die Große Liebe einen Wendepunkt, an dem die Serie versuchte, aus dem Schatten der reinen Zotenkomödie herauszutreten und eine bemerkenswert melancholische Studie über das Scheitern jugendlicher Träume abzuliefern.

Der Film kam 1984 in die Kinos, zu einer Zeit, als das Genre des Teenagerfilms bereits erste Ermüdungserscheinungen zeigte. Während die ersten Teile noch von einer fast schon unschuldigen Aufbruchstimmung der fünfziger Jahre getragen wurden, spürte man hier eine deutliche Veränderung der Tonalität. Ich erinnere mich gut daran, wie Kritiker damals die vermeintliche Redundanz der Handlung geißelten. Man warf dem Regisseur Dan Wolman vor, er würde lediglich alte Witze aufwärmen. Doch wer genau hinsieht, erkennt, dass die Geschichte um Benny und seine Angebetete Gidi eine Bitterkeit besitzt, die den Vorgängern fehlte. Es ist kein Zufall, dass dieser Teil oft als der emotionalste der gesamten Reihe bezeichnet wird. Die Leichtigkeit ist weg. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die erste echte Zuneigung meistens in einer Katastrophe endet, die das Weltbild der Beteiligten nachhaltig erschüttert.

Die bittere Wahrheit hinter Eis Am Stiel 5 Die Große Liebe

Man muss sich vor Augen führen, was dieses Werk im Kern eigentlich erzählt. Es ist die Geschichte einer totalen emotionalen Abhängigkeit. Während die Figur des Johnny weiterhin das Ideal des coolen Draufgängers verkörpert und Momo als ewiger Verlierer für die komischen Momente zuständig ist, versinkt Benny in einer Melancholie, die für eine Komödie dieses Kalibers ungewöhnlich tief geht. Die Handlung spielt im Israel der späten fünfziger Jahre, einer Gesellschaft im Umbruch, die zwischen Tradition und westlichem Rock-’n’-Roll-Lebensgefühl schwankte. Diese Spannung überträgt sich auf die Charaktere. Die große Zuneigung, die im Titel versprochen wird, ist kein Heilsversprechen, sondern eine Last. Der Film dekonstruiert die Idee, dass Liebe in der Jugend alles heilt. Stattdessen zeigt er uns einen jungen Mann, der an seinen eigenen Erwartungen und der Unerreichbarkeit seines Ideals zerbricht.

Skeptiker werden nun einwenden, dass dies eine Überinterpretation sei. Sie werden sagen, dass die Produzenten Menahem Golan und Yoram Globus lediglich darauf aus waren, mit bewährten Mitteln Kasse zu machen. Das stimmt natürlich auf der geschäftlichen Ebene. Aber Filme führen oft ein Eigenleben, das über die Intention der Produzenten hinausgeht. Der Erfolg der Reihe in Deutschland war phänomenal und weit größer als in vielen anderen Ländern. Das liegt auch daran, dass das deutsche Publikum in diesen Bildern eine Sehnsucht nach einer unbeschwerteren Vergangenheit suchte, die es so nie gegeben hatte. In diesem speziellen Kapitel der Saga wird diese Sehnsucht jedoch konsequent enttäuscht. Die Sonne scheint zwar immer noch, aber die Schatten sind länger geworden.

Die Anatomie der Sehnsucht

Der Mechanismus, der hier greift, ist die Nostalgie. Wir blicken durch eine weichgezeichnete Linse auf eine Zeit zurück, in der Probleme scheinbar nur aus Liebeskummer und strengen Eltern bestanden. Doch der Film untergräbt diesen Eskapismus. Er zeigt uns die Grausamkeit der Jugend. Die Art und Weise, wie die Charaktere miteinander umgehen, ist oft von einer Härte geprägt, die man hinter der Fassade der Gags leicht übersieht. Es gibt eine soziale Hierarchie unter den Freunden, die unerbittlich ist. Wer keine Partnerin abbekommt, ist nichts wert. Wer sich zu sehr verliebt, wird zum Gespött. Diese Dynamik ist so zeitlos, dass sie auch Jahrzehnte später noch funktioniert, wenn man bereit ist, den Blick von den offensichtlichen Witzen weg zu lenken.

Ein interessanter Aspekt ist die musikalische Untermalung. Die Evergreens der fünfziger Jahre werden hier nicht nur als Hintergrundberieselung genutzt. Sie fungieren als emotionaler Anker, der eine Sicherheit vorgaukelt, die die Handlung permanent infrage stellt. Wenn Paul Anka oder Neil Sedaka singen, dann klingt das nach einer geordneten Welt. Auf der Leinwand sehen wir jedoch das Chaos der Gefühle. Dieser Kontrast ist das eigentliche Herzstück der Erzählung. Man kann es fast als einen Vorläufer moderner Coming-of-Age-Dramen sehen, die den Schmerz der Adoleszenz ernst nehmen, anstatt ihn nur als hormonelle Phase abzutun.

Warum das System der Filmreihe so erfolgreich blieb

Die Langlebigkeit dieser Produktion lässt sich durch ihre archetypische Struktur erklären. Die drei Hauptfiguren decken das gesamte Spektrum männlicher Identitätssuche ab. Es gibt den Eroberer, den Träumer und den Narren. In jeder Freundesgruppe der damaligen Zeit konnte man diese Rollenverteilung wiederfinden. Das ist der Grund, warum sich Millionen von Menschen damit identifizieren konnten, obwohl der kulturelle Kontext Israels für viele Europäer eigentlich fremd war. Man sah nicht Tel Aviv, man sah die eigene Jugend im Freibad oder in der ersten Disco.

Doch mit dem fünften Teil stieß dieses Modell an seine Grenzen. Die Zuschauer merkten, dass die ewige Wiederholung der Pubertät irgendwann ins Groteske kippt, wenn die Darsteller sichtlich dem Jugendalter entwachsen sind. Yftach Katzur, der den Benny spielte, war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits Mitte zwanzig. Dieser Umstand verleiht dem Film eine zusätzliche Ebene der Entfremdung. Es ist, als würden wir Erwachsenen dabei zusehen, wie sie verzweifelt versuchen, eine Unschuld zu simulieren, die sie längst verloren haben. Das verleiht der Darstellung eine Tragik, die vermutlich gar nicht beabsichtigt war, aber den Film heute interessanter macht als viele seiner zeitgenössischen Konkurrenten.

Das kulturelle Erbe und die verkannte Tiefe

Es ist leicht, über die Ästhetik der achtziger Jahre zu spotten. Die Frisuren, die Kleidung, die oft hölzerne Synchronisation. Doch unter dieser Oberfläche verbirgt sich eine Wahrheit über das europäische Kino dieser Ära. Man traute sich, Schund und Anspruch zu vermischen. Die Kritiker der großen Zeitungen wie der Zeit oder des Spiegels straften solche Filme meist mit Verachtung ab. Sie sahen darin den Untergang der Filmkultur. Aus heutiger Sicht müssen wir jedoch anerkennen, dass diese Produktionen einen direkteren Zugang zur Lebensrealität vieler Menschen hatten als so manches verkopfte Autorenkino.

Die Frage ist doch, warum wir uns auch heute noch mit diesen Stoffen beschäftigen. Vielleicht liegt es daran, dass wir in einer Zeit leben, in der alles bis zur Unkenntlichkeit glattgebügelt wird. In den Filmen der achtziger Jahre gab es noch Ecken und Kanten, auch wenn diese manchmal plump waren. Die Emotionen waren roh. Wenn Benny in Eis Am Stiel 5 Die Große Liebe am Ende vor den Trümmern seiner Welt steht, dann ist das ein Moment, der weh tut. Es gibt kein einfaches Happy End, das alles wieder gut macht. Diese Verweigerung der billigen Lösung ist es, die diesen Teil aus der Masse hervorhebt.

Man könnte argumentieren, dass die Serie mit diesem Film ihren Höhepunkt erreichte, bevor sie in den späteren Folgen endgültig in die Bedeutungslosigkeit abrutschte. Hier stimmte die Mischung noch. Der Humor war zwar gewohnt derb, aber er wurde durch eine echte Geschichte geerdet. Wir sehen Charaktere, die sich nach etwas sehnen, das sie nicht artikulieren können. Es ist die universelle Suche nach Anerkennung und Geborgenheit in einer Welt, die sich immer schneller dreht. Wer den Film nur auf seine Sexszenen reduziert, verpasst das Beste. Er verpasst die Geschichte einer Generation, die versuchte, zwischen den Trümmern der Geschichte und der Verheißung der Moderne einen eigenen Weg zu finden.

Die Bedeutung dieses Werks für die deutsch-israelische Kulturgeschichte ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Es war eine der wenigen Möglichkeiten, israelisches Leben im deutschen Mainstream-Kino zu sehen, auch wenn es eine stark stilisierte Version war. Für viele Deutsche war dies der erste Kontakt mit Tel Aviv, mit den Stränden und dem Lebensgefühl dort. Dass dies über das Medium des Teenie-Films geschah, mag paradox erscheinen, war aber ein effektiver Weg, Barrieren abzubauen. Es normalisierte ein Land, das in der deutschen Wahrnehmung oft nur im Kontext von Konflikten und Kriegen vorkam. Hier durften Israelis einfach nur jung, dumm und verliebt sein. Das war eine Form von Normalität, die politisch wertvoller war, als man damals ahnte.

Wenn man heute durch die sozialen Netzwerke scrollt, sieht man oft Memes oder kurze Clips aus der Reihe. Meistens geht es um die absurden Momente. Doch in den Kommentaren findet man oft eine tiefe Verbundenheit. Menschen schreiben darüber, wie sie den Film heimlich auf Video geschaut haben oder wie er sie durch ihren ersten Liebeskummer begleitet hat. Das ist eine Form von kulturellem Gedächtnis, die man nicht künstlich erzeugen kann. Sie entsteht nur, wenn ein Werk einen Nerv trifft. Und genau das hat dieser Film getan. Er hat den Schmerz des Erwachsenwerdens in bunte Bilder verpackt und ihn so erträglich gemacht.

Wir müssen aufhören, solche Filme als minderwertig abzutun. Sie sind Dokumente ihrer Zeit und sagen mehr über uns aus, als uns manchmal lieb ist. Sie zeigen unsere Sehnsüchte, unsere Ängste und unsere Unvollkommenheit. In einer Welt, die immer mehr nach Perfektion strebt, ist der Blick zurück auf die stolpernden Helden unserer Jugend eine heilsame Erfahrung. Es erinnert uns daran, dass es okay ist, Fehler zu machen. Es ist okay, der falschen Person nachzulaufen. Es ist sogar okay, dabei lächerlich auszusehen. Das ist die eigentliche Botschaft, die hinter dem Klamauk steckt.

Die wahre Erkenntnis liegt darin, dass wir alle einmal ein Benny, ein Johnny oder ein Momo waren. Wir haben alle versucht, in einer Welt zurechtzukommen, die keine Gebrauchsanweisung mitliefert. Und während wir über die Gags lachen, lachen wir eigentlich über uns selbst. Wir lachen über die Absurdität der menschlichen Existenz, die sich am deutlichsten in der Phase zeigt, in der wir glauben, alles zu wissen und doch gar nichts verstehen. Das ist die bleibende Qualität dieses Films. Er hält uns einen Spiegel vor, auch wenn der Rahmen aus billigem Plastik ist.

Wenn man also das nächste Mal über die alten Kamellen aus Israel spricht, sollte man kurz innehalten. Man sollte sich fragen, warum diese Geschichten so tief in unserem kollektiven Bewusstsein verankert sind. Es ist nicht nur die Nostalgie. Es ist die Erkenntnis, dass das Leben oft genau so ist: ein bisschen peinlich, ein bisschen laut, oft unfair, aber immer intensiv. Der Film fängt diese Intensität ein und lässt uns für anderthalb Stunden glauben, dass wir noch einmal jung sein könnten, mit all dem Schmerz und der Freude, die dazu gehören.

Am Ende bleibt die Gewissheit, dass wahre Emotionen nicht immer eine hochgeistige Verpackung brauchen, um uns im Innersten zu berühren.

Die erste große Liebe ist kein süßes Versprechen, sondern die erste Narbe, die uns wirklich definiert.

CF

Clara Fischer

In den Artikeln von Clara Fischer stehen Kontext, Genauigkeit und gesellschaftliche Relevanz im Mittelpunkt.