Das Monster trägt keinen Umhang aus Schatten und es fletscht nicht die Zähne, wenn es den Raum betritt. Im Gegenteil, es lächelt gewinnend, rückt sich die Krawatte zurecht und hält dir vielleicht sogar die Tür auf. Wir neigen dazu, das Böse als eine hässliche, sofort erkennbare Anomalie zu betrachten, um uns selbst zu beruhigen. Wenn wir einen Film sehen oder ein Buch lesen, das sich mit der Psyche eines Mörders befasst, suchen wir instinktiv nach dem Moment, in dem die Maske verrutscht. Der Titel Extremely Wicked. Shockingly Evil And Vile fängt genau diese Sensationslust ein, die wir empfinden, wenn wir uns dem Abgrund nähern. Doch die bittere Wahrheit, die wir oft ignorieren, ist die völlige Banalität, die hinter solchen Taten steckt. Wir wollen, dass das Böse außergewöhnlich ist, damit wir sicher sein können, dass es uns nicht im Alltag begegnet. Aber die Geschichte lehrt uns das Gegenteil. Die gefährlichsten Individuen sind oft jene, die am besten in das Raster der Normalität passen. Wer sich intensiv mit Kriminalgeschichte befasst, merkt schnell, dass die Etikettierung als monströs eher eine Schutzmaßnahme der Gesellschaft darstellt als eine präzise psychologische Diagnose.
Es ist eine bequeme Lüge, Grausamkeit als etwas Fernes und Fremdes abzutun. In der öffentlichen Wahrnehmung wurde die Geschichte von Ted Bundy oft auf seine Attraktivität und seinen Charme reduziert. Das ist eine gefährliche Vereinfachung. Es geht nicht darum, dass er charmant war, sondern darum, wie bereitwillig die Institutionen und die Menschen um ihn herum weggesehen haben, weil er eben nicht wie das Klischee eines Mörders aussah. Ich habe mit Kriminologen gesprochen, die bestätigen, dass unser Justizsystem und unsere sozialen Filter massiv versagen, wenn der Täter dem bürgerlichen Ideal entspricht. Wir trauen dem jungen Jurastudenten mehr als dem Obdachlosen, selbst wenn die Beweise eine andere Sprache sprechen. Diese kognitive Dissonanz führt dazu, dass wir Taten erst dann als unfassbar grausam wahrnehmen, wenn sie uns explizit medial so serviert werden. Wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat, empfehlen wir einen Blick werfen auf: diesen verwandten Artikel.
Die gefährliche Romantisierung von Extremely Wicked. Shockingly Evil And Vile
Die Art und Weise, wie wir heute wahre Verbrechen konsumieren, hat sich grundlegend gewandelt. Es ist fast schon ein Volkssport geworden, sich am Abend zur Entspannung Berichte über Serienmörder anzusehen. Dabei entsteht ein seltsamer Effekt der Entfremdung. Je mehr wir über die Details erfahren, desto mehr rücken die Opfer in den Hintergrund und der Täter wird zur dunklen Ikone stilisiert. In Extremely Wicked. Shockingly Evil And Vile wird dieser Fokus bewusst gewählt, um die Perspektive derer zu zeigen, die dem Täter nahestanden und bis zuletzt nicht glauben konnten, wozu er fähig war. Das ist kein Zufall. Es spiegelt unsere eigene Unfähigkeit wider, das Grauen im Alltäglichen zu akzeptieren. Wir verlangen nach einer filmischen Aufbereitung, die das Unbegreifliche in ein narratives Korsett zwängt. Das Problem dabei ist, dass die Ästhetik des Mediums oft die Hässlichkeit der Tat überstrahlt. Wenn ein Hollywood-Star eine solche Rolle übernimmt, verschwimmen die Grenzen zwischen Abscheu und Bewunderung.
Die Mechanismen der medialen Täuschung
Filmemacher nutzen oft Techniken, die den Zuschauer dazu bringen, fast schon Sympathie für eine eigentlich abscheuliche Figur zu entwickeln. Durch die Kameraführung, die Musik und das Drehbuch werden wir in die Position eines Komplizen gedrängt. Wir sehen die Welt durch die Augen des Manipulators. Das ist handwerklich brillant, aber moralisch fragwürdig. Es führt dazu, dass das Publikum die Taten eher als abstrakte Handlungselemente einer Geschichte begreift und weniger als reale Verbrechen an echten Menschen. Die psychologische Forschung nennt das die Identifikationsfalle. Sobald wir beginnen, die Intelligenz oder das Charisma eines Täters zu bewundern, relativieren wir unbewusst seine Verbrechen. Wir fangen an zu glauben, dass so jemand nicht einfach nur böse sein kann, sondern dass es eine tiefere, fast schon tragische Begründung geben muss. Doch oft gibt es diese Tiefe nicht. Es gibt nur einen Mangel an Empathie und eine erschreckende Kälte. Experten bei Filmstarts haben sich ebenfalls geäußert zu der Situation.
Man könnte einwenden, dass diese Art der Darstellung notwendig ist, um die Komplexität der menschlichen Psyche zu verstehen. Skeptiker argumentieren, dass eine rein verteufelnde Darstellung zu eindimensional wäre und uns nicht erklären könnte, wie solche Menschen so lange unentdeckt bleiben konnten. Das ist ein valider Punkt. Wenn wir das Böse nur als sabberndes Monster darstellen, lernen wir nichts über die Mechanismen der Manipulation. Dennoch besteht ein gewaltiger Unterschied dazwischen, eine Maske zu dekonstruieren und sie zu vergolden. Die mediale Industrie neigt leider oft zu Letzterem, weil sich Charisma besser verkauft als reine Destruktivität. Wir müssen uns fragen, wem diese Erzählungen am Ende dienen. Dienen sie der Aufklärung oder nur unserer morbiden Neugier? Die Antwort fällt meist zugunsten der Einschaltquoten aus.
Warum die Realität keine Kinoleinwand braucht
Die eigentliche Gefahr liegt in der Annahme, dass solche Taten immer das Resultat eines genialen Masterminds sind. Die Akten des FBI und Analysen der Kriminalpsychologie zeigen oft ein viel profaneres Bild. Viele Täter sind nicht übermäßig intelligent, sie profitieren lediglich von der Nachlässigkeit und den Vorurteilen ihrer Umwelt. Die Idee von Extremely Wicked. Shockingly Evil And Vile suggeriert eine fast schon übermenschliche Bösartigkeit, dabei ist das Erschreckende oft die totale Mittelmäßigkeit der Beteiligten. Wenn man die Protokolle der Gerichtsverhandlungen liest, findet man dort keinen brillanten Antagonisten aus einem Kriminalroman. Man findet dort jemanden, der Lücken im System ausnutzt und die Gutgläubigkeit seiner Mitmenschen missbraucht. Diese Erkenntnis ist weitaus beunruhigender als jeder Horrorfilm, denn sie bedeutet, dass wir alle anfällig sind.
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem erfahrenen Ermittler, der mir sagte, dass die schlimmsten Fälle nicht die waren, bei denen der Tatort wie in einem Film inszeniert war. Es waren die Fälle, in denen die Nachbarn sagten, er sei doch immer so nett gewesen und habe im Sommer die Blumen gegossen. Diese Diskrepanz zwischen der sozialen Fassade und der inneren Leere ist das, was uns wirklich Angst machen sollte. Unsere Kultur der Oberflächlichkeit spielt solchen Charakteren in die Karten. Wir bewerten Menschen nach ihrem Status, ihrem Aussehen und ihrer Eloquenz. Dass jemand diese Attribute besitzt und gleichzeitig zu unvorstellbaren Gräueltaten fähig ist, passt nicht in unser Weltbild. Also erschaffen wir Legenden, um die Realität erträglicher zu machen. Wir machen aus Mördern Leinwandhelden, damit wir die Distanz wahren können.
Das System der Verleugnung in der Gesellschaft
Nicht nur das Individuum, auch Institutionen neigen dazu, Warnsignale zu ignorieren, wenn sie nicht in das gewohnte Bild eines Kriminellen passen. Es gab in der Rechtsgeschichte zahlreiche Momente, in denen Beweise ignoriert wurden, weil der Verdächtige aus gutem Hause stammte oder eine vielversprechende Karriere vor sich hatte. Hier zeigt sich ein tief sitzender Klassenbias. Das Böse wird in den Randgruppen der Gesellschaft vermutet, nicht im Zentrum. Wer das System versteht, kann es gegen sich selbst verwenden. Diese Form der sozialen Mimikry ist das mächtigste Werkzeug des Täters. Es erfordert keine übernatürlichen Fähigkeiten, sondern lediglich das Wissen darum, was die Leute sehen wollen. Sie wollen Integrität sehen, also gibt er ihnen Integrität. Sie wollen Reue sehen, also spielt er Reue.
Wer glaubt, dass wir heute durch moderne Technik und Profiling besser geschützt sind, irrt sich gewaltig. Die Methoden der Täuschung haben sich lediglich in den digitalen Raum verlagert. Die Grundmechanismen bleiben identisch. Wir fallen immer noch auf dieselben psychologischen Tricks herein wie vor fünfzig Jahren. Die Sehnsucht nach dem Außergewöhnlichen verstellt uns den Blick auf das Naheliegende. Wir suchen nach dem Monster unter dem Bett und übersehen den Raubvogel, der neben uns am Tisch sitzt. Diese Blindheit ist hausgemacht. Sie entspringt unserem Wunsch nach einer geordneten Welt, in der Gut und Böse klar markiert sind. Doch das Leben kennt keine Farbcodes. Die Grauzonen sind weitläufig und dort findet die eigentliche Gefahr statt.
Die Faszination für das Dunkle wird nicht verschwinden. Sie ist ein Teil der menschlichen Natur. Doch wir sollten aufhören, sie als reine Unterhaltung zu betrachten. Jedes Mal, wenn wir eine Tat romantisieren oder einen Täter mystifizieren, entwerten wir das Leid der Betroffenen. Es gibt keine Schönheit im Verbrechen. Es gibt keinen Glanz in der Zerstörung menschlichen Lebens. Wenn wir die Erzählweise nicht ändern, werden wir weiterhin überrascht sein, wenn das Böse wieder einmal ein freundliches Gesicht trägt. Wir müssen lernen, hinter den Charme zu blicken und die Taten für sich selbst sprechen zu lassen, ohne den Filter der medialen Inszenierung.
Echte Bosheit braucht keine dramatische Beleuchtung und keine orchestrale Untermalung, sie gedeiht am besten in der Stille unserer eigenen Ignoranz.