Die Verbraucherorganisation untersuchte in einer umfassenden Analyse 20 Präparate zum Abnehmen, wobei das Produkt Formoline L112 Extra Stiftung Warentest im aktuellen Testlauf erneut keine Empfehlung erhielt. Die Experten der in Berlin ansässigen Institution kamen zu dem Ergebnis, dass die wissenschaftlichen Belege für eine langfristige und signifikante Gewichtsreduktion durch das Medizinprodukt unzureichend seien. Der Testbericht, der im Januar 2024 veröffentlicht wurde, ordnete das Präparat in die Kategorie der Fettblocker ein, deren therapeutischer Nutzen für die dauerhafte Behandlung von Adipositas kritisch hinterfragt wurde.
Laut der Redaktion der Stiftung Warentest basieren viele dieser Produkte auf dem Wirkstoff Polyglucosamin, einem Faserstoff, der aus den Panzern von Krustentieren gewonnen wird. Die Organisation stellte fest, dass die Bindung von Nahrungsfetten im Magen-Darm-Trakt zwar theoretisch möglich sei, die messbaren Effekte auf der Waage jedoch hinter den Erwartungen der Konsumenten zurückblieben. In den detaillierten Auswertungen betonten die Prüfer, dass eine Reduktion des Körpergewichts ohne eine gleichzeitige Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten statistisch nicht nachweisbar war.
Methodik der Untersuchung von Formoline L112 Extra Stiftung Warentest
Die Gutachter legten bei ihrer Bewertung strenge Maßstäbe an die Qualität der klinischen Studien an, die von den Herstellern zur Verfügung gestellt wurden. Um eine positive Bewertung zu erhalten, mussten die Präparate eine Gewichtsabnahme nachweisen, die mindestens fünf Prozent über dem Erfolg einer Placebo-Gruppe lag. Die Verbraucherzentrale unterstützt diese Sichtweise und weist darauf hin, dass Nahrungsergänzungsmittel und Medizinprodukte oft nicht die strengen Zulassungsverfahren von Arzneimitteln durchlaufen müssen.
Das Prüfpanel analysierte insbesondere, ob die versprochene Wirkung durch unabhängige, placebokontrollierte Doppelblindstudien belegt war. Im Falle des untersuchten Fettbinders reichten die vorliegenden Daten nicht aus, um die Note "Geeignet" zu vergeben. Die Experten bemängelten, dass die beobachteten Effekte oft nur von kurzer Dauer waren oder die Probandenzahl in den Studien zu gering ausfiel, um allgemeingültige Aussagen zu treffen.
Wirkweise und Inhaltsstoffe des Präparats
Der Hauptwirkstoff des Produkts ist das spezifizierte Faserstoff-Molekül L112, das als unverdaulicher Ballaststoff fungiert. In der medizinischen Fachliteratur wird dieser Stoff oft als Chitosan bezeichnet, welches eine hohe Bindungskapazität für Fette aufweist. Das Unternehmen Certmedica International GmbH, welches das Mittel vertreibt, gibt an, dass das Produkt einen Teil der aufgenommenen Fette an sich bindet und so deren Aufnahme in den Körper verhindert.
Mediziner wie Professor Hans Hauner vom Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin erklären jedoch, dass Fettbinder nur einen Bruchteil der Gesamtkalorien reduzieren können. Da Kohlenhydrate und Proteine von diesem Mechanismus unberührt bleiben, bleibt die Energiebilanz oft positiv, wenn die restliche Ernährung nicht angepasst wird. Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft betont in ihren Leitlinien, dass medikamentöse Unterstützungen lediglich eine Ergänzung zu einer Basistherapie darstellen dürfen.
Kritik an der Kennzeichnung und Preisgestaltung
Ein weiterer Punkt in der journalistischen Aufarbeitung der Testergebnisse betrifft das Preis-Leistungs-Verhältnis der Diätunterstützer. Die Tester der Verbraucherorganisation berechneten die monatlichen Kosten für eine regelmäßige Einnahme und setzten diese in Relation zum dokumentierten Nutzen. Dabei schnitten viele Apothekenprodukte aufgrund ihrer hohen Preise schlecht ab, da der Effekt pro investiertem Euro als zu gering eingestuft wurde.
Kritik übte die Organisation zudem an der Bewerbung der Produkte, die oft unrealistische Erwartungen bei den Anwendern wecke. Die Aufschrift "Extra" suggeriere eine verstärkte Wirkung, die in den klinischen Vergleichen nicht in dem Maße deutlich wurde, wie es das Marketing vermuten ließ. Die Bundesoberbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte überwacht zwar die Sicherheit solcher Produkte, trifft aber keine automatische Aussage über deren Wirksamkeit im Vergleich zu herkömmlichen Methoden.
Nebenwirkungen und gesundheitliche Risiken
Obwohl das Mittel als Medizinprodukt der Klasse III eingestuft ist und damit als sicher gilt, sind Nebenwirkungen nicht vollständig ausgeschlossen. Nutzer berichteten in verschiedenen Foren und gegenüber Beratungsstellen von Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung oder Blähungen. Die Stiftung wies darauf hin, dass die Bindung von Fett auch die Aufnahme fettlöslicher Vitamine wie A, D, E und K beeinträchtigen kann.
Personen mit Allergien gegen Krustentiere dürfen das Präparat unter keinen Umständen einnehmen, da der Wirkstoff aus den Schalen von Garnelen oder Krebsen gewonnen wird. Diese Warnhinweise sind zwar auf der Verpackung vermerkt, werden aber von Käufern im Selbstmedikationsbereich oft übersehen. Apotheker raten daher dringend zu einer fachlichen Beratung vor dem Kauf solcher Hilfsmittel.
Langfristige Perspektiven der Adipositasbehandlung
Die aktuelle Debatte über Abnehmpräparate wird durch den Erfolg neuer pharmazeutischer Ansätze wie den GLP-1-Rezeptor-Agonisten zusätzlich angeheizt. Im Vergleich zu diesen verschreibungspflichtigen Medikamenten wirken mechanische Fettbinder wie das hier besprochene Produkt deutlich schwächer. Experten erwarten, dass der Markt für klassische Medizinprodukte unter Druck geraten wird, sobald die Verfügbarkeit neuerer Medikamente steigt.
In den kommenden Monaten wird beobachtet werden, ob die Hersteller mit neuen Studien auf die Kritik der Verbraucherschützer reagieren. Die Stiftung Warentest plant, die Kategorie der Gewichtskontrollmittel regelmäßig neu zu evaluieren, um auf Veränderungen im Markt zu reagieren. Offen bleibt, ob regulatorische Änderungen auf EU-Ebene die Anforderungen an den Wirksamkeitsnachweis für Medizinprodukte zur Gewichtsreduktion künftig weiter verschärfen werden.