franklin gordon wild rivers national park tasmania

franklin gordon wild rivers national park tasmania

Wer einmal am Ufer eines Flusses stand, der so dunkel wie starker Tee ist und in dem sich die uralten Huon-Kiefern perfekt spiegeln, versteht sofort, warum dieser Ort eine Ikone der Umweltbewegung geworden ist. Es gibt kaum eine Region auf der Welt, die so radikal unberührt wirkt und gleichzeitig eine so bewegte politische Geschichte hat wie der Franklin Gordon Wild Rivers National Park Tasmania. Hier im Herzen des tasmanischen Weltnaturerbes zeigt sich die Natur von ihrer rauesten Seite. Regen peitscht gegen die Flanken der Quarzitberge, während unten im Tal das Wasser unaufhörlich Richtung Küste schießt. Wenn ich an meine Zeit dort zurückdenke, erinnere ich mich vor allem an die Stille, die nur durch das Rauschen des Windes und das Glucksen der Ströme unterbrochen wird. Es ist kein zahmer Park mit gemähten Rasenflächen. Es ist Wildnis in ihrer reinsten Form.

Geschichte einer Rettung die alles veränderte

In den frühen 1980er Jahren stand dieses Gebiet kurz vor der totalen Zerstörung durch ein massives Staudammprojekt. Die Regierung wollte den Franklin River stauen, um Wasserkraft zu gewinnen. Was folgte, war eine der größten zivilen Protestbewegungen der australischen Geschichte. Tausende Menschen reisten in den Südwesten Tasmaniens, um sich den Baggern in den Weg zu stellen. Über 1200 Aktivisten wurden damals verhaftet. Es war ein Kampf David gegen Goliath. Am Ende stoppte der High Court of Australia den Bau. Dieses Urteil rettete nicht nur den Fluss, sondern definierte den modernen Naturschutz in Australien völlig neu. Heute ist das Schutzgebiet Teil des UNESCO-Welterbes, was seinen globalen Stellenwert unterstreicht. Ohne diesen Einsatz gäbe es die tiefen Schluchten und die jahrtausendealten Wälder heute schlicht nicht mehr. Sie wären unter Wassermassen begraben.

Die Bedeutung der Huon-Kiefern

In den feuchten Tälern wachsen Bäume, die zu den ältesten Lebewesen der Erde gehören. Die Huon-Kiefer wächst extrem langsam, oft nur wenige Millimeter im Jahr. Das macht ihr Holz unglaublich dicht und resistent gegen Fäulnis. Früher wurde es massenhaft für den Schiffsbau geschlagen. Heute stehen die verbliebenen Riesen unter strengem Schutz. Wenn man ihre weichen Nadeln berührt, spürt man die Jahrtausende. Manche dieser Bäume sind über 3000 Jahre alt. Das ist kaum vorstellbar. Man steht vor einem Lebewesen, das schon existierte, als im antiken Griechenland die ersten Olympischen Spiele stattfanden.

Archäologische Schätze in den Höhlen

Die Region ist nicht nur ökologisch wertvoll. In Höhlen wie der Kutikina Cave fanden Archäologen Spuren menschlicher Besiedlung, die über 20.000 Jahre zurückreichen. Während der letzten Eiszeit lebten hier tasmanische Aborigines unter Bedingungen, die wir uns kaum ausmalen können. Diese Funde bewiesen, dass der Südwesten Tasmaniens einst das südlichste Siedlungsgebiet von Menschen auf dem gesamten Planeten war. Es ist also nicht nur ein Park für Pflanzen und Tiere. Es ist ein heiliger Ort der Menschheitsgeschichte.

Aktivitäten im Franklin Gordon Wild Rivers National Park Tasmania

Die meisten Besucher nähern sich dieser gewaltigen Kulisse über den Lyell Highway. Das ist die einzige Straße, die das Gebiet durchschneidet. Aber um die wahre Seele dieser Region zu spüren, muss man das Auto verlassen. Kurze Wanderungen führen zu den Nelson Falls oder zum Franklin River Nature Trail. Wer mehr Zeit hat, wagt sich auf den Frenchmans Cap Trail. Das ist nichts für Sonntagsspaziergänger. Man braucht Erfahrung, gute Ausrüstung und Respekt vor dem Wetter. Der Weg ist oft schlammig. Die Einheimischen nennen das „Tasmanian Mud“. Er kann einem die Stiefel buchstäblich von den Füßen saugen. Wer oben auf dem Gipfel steht, blickt über ein Meer aus Bergen bis hin zum Ozean.

Paddeln auf dem Franklin River

Die Königsdisziplin bleibt eine mehrtägige Rafting-Tour. Man startet meist an der Collingwood Bridge. Danach gibt es kein Zurück mehr. Für acht bis zehn Tage ist man komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Es gibt kein Handysignal. Keine Brücken. Nur den Fluss. Man schläft auf Sandbänken und kocht über dem offenen Feuer. Die Stromschnellen haben Namen wie „The Cauldron“ oder „Rock Island Bend“. Letztere ist wohl die bekannteste Stelle des Flusses. Dort teilt ein riesiger Felsen den Strom, umgeben von dichtem Grün. Man muss sein Boot oft um schwierige Passagen herumtragen. Das ist harte Arbeit. Aber der Lohn ist eine Intimität mit der Natur, die man im Alltag nie findet.

Der Gordon River vom Wasser aus

Wer es etwas entspannter mag, nimmt ein Schiff von Strahan aus. Diese Touren führen in den Unterlauf des mächtigen Gordon River. Das Wasser dort ist so ruhig, dass man die Reflexionen kaum von der Realität unterscheiden kann. Man sieht, wie der Fluss langsam breiter wird und schließlich in die Macquarie Harbour mündet. Das ist Tourismus, ja. Aber es ist gut gemachter Tourismus. Die Schiffe nutzen leise Antriebe, um die Ufervegetation nicht durch Wellenschlag zu beschädigen. Man lernt viel über die Holzfäller-Vergangenheit und die harten Bedingungen der Sträflinge, die einst auf Sarah Island schuften mussten.

Das unberechenbare Wetter im Südwesten

Man darf niemals den Fehler machen und das Wetter hier unterschätzen. Tasmanien liegt direkt im Pfad der „Roaring Forties“. Diese starken Westwinde bringen feuchte Luftmassen vom Indischen Ozean direkt ins Hochland. Es regnet oft. Sehr oft. In manchen Teilen fallen über 3000 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Zum Vergleich: Berlin hat etwa 600 Millimeter. Das bedeutet, man ist eigentlich immer nass. Entweder regnet es von oben oder man schwitzt unter der Regenjacke. Oder man tritt in ein Schlammloch. Man gewöhnt sich daran. Man muss es sogar lieben lernen. Ohne diesen Regen gäbe es den gemäßigten Regenwald nicht. Die Moose wären nicht so grün. Die Pilze nicht so zahlreich.

Die richtige Kleidung wählen

Baumwolle ist dein Feind. Wenn sie nass wird, trocknet sie nicht mehr und entzieht dem Körper Wärme. Wolle oder synthetische Stoffe sind Pflicht. Schichtsysteme funktionieren am besten. Ich habe Leute gesehen, die in Jeans losgewandert sind. Das ist gefährlich. Unterkühlung ist hier ein reales Risiko, selbst im Sommer. Man kann an einem Tag alle vier Jahreszeiten erleben. Morgens strahlender Sonnenschein, mittags Hagel, nachmittags Sturm. Wer darauf vorbereitet ist, hat eine großartige Zeit. Wer nicht, flüchtet nach zwei Stunden zurück ins Hotel.

Flora und Fauna entdecken

Man sieht hier Tiere, die es sonst nirgendwo gibt. Das Schnabeltier zum Beispiel. Es lebt in den ruhigeren Abschnitten der Flüsse. Man braucht Geduld und muss sich ganz still verhalten. Mit etwas Glück sieht man auch den Tasmanischen Teufel, obwohl die Tiere scheu und meist nachtaktiv sind. Die Vogelwelt ist fantastisch. Der Gelbohr-Rabenkakadu fliegt oft kreischend über die Baumwipfel. Er wirkt fast prähistorisch. Die Pflanzenwelt wird von Scheinbuchen dominiert. Im Herbst färben sich die Blätter der Nothofagus gunnii leuchtend gelb und rot. Das ist der einzige einheimische Baum Australiens, der im Winter seine Blätter verliert. Ein wahres Spektakel für Fotografen.

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Infrastruktur und Zugangsmöglichkeiten

Es gibt keine großen Städte im Park. Das ist Absicht. Die nächsten Versorgungszentren sind Queenstown im Westen und die Gegend um den Lake St Clair im Osten. Queenstown selbst wirkt wie eine Kulisse aus einem Endzeitfilm. Die Landschaft dort wurde durch den Bergbau und sauren Regen im letzten Jahrhundert völlig zerstört. Es ist ein krasser Kontrast zur Üppigkeit des Schutzgebiets. Man sollte in Queenstown tanken und Vorräte kaufen. Im Park selbst gibt es keine Tankstellen. Wer dort liegen bleibt, hat ein Problem. Es gibt ein paar einfache Campingplätze, aber die Ausstattung ist minimal. Man bringt alles mit und nimmt alles wieder mit. „Leave no trace“ ist hier kein Slogan, sondern eine Überlebensregel für das Ökosystem.

Der Lyell Highway als Lebensader

Die Fahrt über den Highway ist ein Erlebnis für sich. Die Straße windet sich in engen Kurven durch die Berge. Man passiert den King William Range und hat atemberaubende Ausblicke. Es gibt einige Haltepunkte mit Infotafeln. Diese erzählen von der Geologie und den Kämpfen der frühen Entdecker. Die Straße wurde während der Weltwirtschaftskrise gebaut, um Arbeitsplätze zu schaffen. Die Arbeiter hausten unter primitivsten Bedingungen im Regen. Wenn man heute bequem im klimatisierten Auto sitzt, sollte man kurz innehalten und an diese Männer denken. Sie haben die Wildnis erst zugänglich gemacht.

Tipps für Fotografen

Das Licht im Südwesten Tasmaniens ist weich und oft diffus durch die Wolkendecke. Das ist ideal für Waldaufnahmen. Die Kontraste sind nicht so hart. Ein Stativ ist wegen der geringen Lichtintensität unter dem Blätterdach oft nötig. Filter helfen, die Reflexionen auf dem Wasser zu kontrollieren. Wer die Milchstraße fotografieren will, findet hier einen der dunkelsten Himmel der Welt. Es gibt keine Lichtverschmutzung durch Städte. Wenn der Himmel aufklart, sieht man Sterne, die man in Europa niemals erblicken würde. Das Kreuz des Südens steht klar über den Bergen.

Ein Erbe für die Zukunft bewahren

Der Erhalt dieser Landschaft erfordert ständige Wachsamkeit. Der Klimawandel ist die größte Bedrohung. Trockenperioden führen zu Waldbränden in Gebieten, die früher nie brannten. Pflanzen wie die Huon-Kiefer haben keine Verteidigungsmechanismen gegen Feuer. Ein einziger Blitzschlag kann Jahrtausende alte Geschichte vernichten. Organisationen wie der Tasmania Parks and Wildlife Service arbeiten hart daran, das Risiko zu minimieren. Aber die Natur ist letztlich stärker. Wir sind dort nur Gäste. Man spürt eine gewisse Demut, wenn man durch diese Wälder streift. Es ist ein Ort, der einen daran erinnert, wie klein der Mensch eigentlich ist.

Die Bedeutung des Ökotourismus

Tourismus kann helfen, den Wert solcher Regionen zu verdeutlichen. Wenn Menschen sehen, was es zu verlieren gibt, setzen sie sich eher für den Schutz ein. Aber es muss nachhaltig sein. Die Wege müssen instand gehalten werden, um Erosion zu vermeiden. Abfall muss streng kontrolliert werden. In Tasmanien ist das Bewusstsein dafür sehr hoch. Man sieht kaum Müll am Wegrand. Die meisten Besucher respektieren die Regeln. Das gibt Hoffnung. Es zeigt, dass wir als Gesellschaft fähig sind, solche Schätze zu bewahren, wenn wir es wirklich wollen.

Mein persönliches Fazit zur Region

Ich war an vielen Orten, aber der Franklin Gordon Wild Rivers National Park Tasmania lässt einen nicht mehr los. Er verändert die Perspektive. Man lernt, dass Bequemlichkeit nicht alles ist. Dass man keine Angst vor Regen haben muss. Dass Stille ein Luxusgut ist. Wer die Herausforderung annimmt, wird mit Bildern und Gefühlen belohnt, die ein Leben lang bleiben. Es ist keine Reise für zwischendurch. Es ist eine Expedition zu den Wurzeln unseres Planeten. Man kehrt anders zurück, als man gegangen ist.

  1. Plane deine Reise für die tasmanischen Sommermonate zwischen Dezember und März, um die besten Chancen auf stabiles Wetter zu haben.
  2. Besorge dir rechtzeitig einen Nationalpark-Pass, den du online oder in den Besucherzentren erwerben kannst.
  3. Investiere in hochwertige, wasserdichte Wanderschuhe und eine professionelle Regenjacke, bevor du den Südwesten erkundest.
  4. Lade dir Offline-Karten auf dein Handy oder nimm eine physische Karte mit, da du im Park so gut wie keinen Empfang haben wirst.
  5. Informiere immer jemanden über deine geplante Route und deine voraussichtliche Rückkehrzeit, besonders wenn du längere Wanderungen vorhast.
  6. Nimm ausreichend Trinkwasser und hochkalorische Verpflegung mit, da es innerhalb des Schutzgebiets keine Einkaufsmöglichkeiten gibt.
  7. Besuche das Wilderness Woodworks in Strahan, um mehr über die handwerkliche Verarbeitung von Huon-Kiefern zu erfahren.
  8. Prüfe vor jeder Abfahrt die aktuellen Straßenberichte, da der Lyell Highway bei extremem Wetter gelegentlich gesperrt sein kann.
  9. Nimm dir Zeit für die Nelson Falls; der kurze Weg ist barrierefrei und bietet einen der schönsten Wasserfälle der gesamten Insel.
  10. Hinterlasse keinen Müll und bleibe strikt auf den markierten Pfaden, um die empfindliche Vegetation zu schützen.
SB

Stefan Braun

Stefan Braun hat für verschiedene Online-Redaktionen gearbeitet und steht für Qualitätsjournalismus mit Substanz.