french and fama three factor model

french and fama three factor model

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen vor Ihrem Portfolio-Tracker. Sie haben Monate damit verbracht, wissenschaftliche Paper zu wälzen und Ihre gesamte Anlagestrategie auf das French And Fama Three Factor Model umzustellen. Sie sind überzeugt, dass Sie den Markt schlagen, weil Sie nicht nur auf Marktrisiko setzen, sondern auch auf Größe und Wert. Doch nach zwei Jahren der Ernüchterung stellen Sie fest: Ihr Portfolio hinkt dem simplen MSCI World hinterher, und die Gebühren für Ihre speziellen "Faktor-ETFs" fressen den winzigen Vorteil auf, den Sie mühsam errechnet haben. Ich habe das bei Dutzenden von Anlegern gesehen, die dachten, sie hätten den heiligen Gral der Finanzwissenschaft gefunden, nur um an der harten Realität der Umsetzung zu scheitern. Sie haben die Theorie verstanden, aber die Mechanik des Marktes ignoriert. Das kostet nicht nur Nerven, sondern im schlimmsten Fall fünfstellige Beträge an entgangenen Gewinnen.

Die Falle der blinden Vergangenheitsgläubigkeit beim French And Fama Three Factor Model

Der häufigste Fehler, den ich in der Praxis sehe, ist die Annahme, dass die historischen Prämien für Small Caps und Value-Aktien eine Art Naturgesetz sind. Viele Anleger behandeln die Daten aus den Originalstudien von 1992 und 1993 wie eine Garantieerklärung. Eugene Fama und Kenneth French haben damals nachgewiesen, dass Aktien mit geringer Marktkapitalisierung und solche mit einem niedrigen Kurs-Buchwert-Verhältnis langfristig besser abschnitten als der breite Markt. In Deutschland haben das viele Privatanleger so interpretiert, dass sie einfach nur einen Small-Cap-Fonds und einen Value-Fonds kaufen müssen, um reich zu werden. Ebenfalls für Aufsehen sorgend: Warum die meisten beim ersten Contact mit dem B2B-Vertrieb scheitern und wie Sie fünfstellige Lehrgelder vermeiden.

Das Problem ist: Risikofaktoren sind keine Gratisgeschenke. Sie sind Entschädigungen für echtes Risiko. Wenn Sie in Value-Aktien investieren, kaufen Sie Unternehmen, die der Markt aus gutem Grund skeptisch betrachtet. Vielleicht sind sie technologisch abgehängt oder hoch verschuldet. Ich habe Anleger erlebt, die während der langen Durststrecke von Value-Aktien zwischen 2010 und 2020 fast ihr gesamtes Kapital verloren hätten, weil sie nicht verstanden haben, dass Faktoren über Jahrzehnte hinweg underperformen können. Wer hier nicht die mentale Stärke besitzt, zehn Jahre lang schlechter abzuschneiden als der Nachbar mit seinem einfachen Indexfonds, wird bei dieser Strategie zwangsläufig scheitern.

Die Lösung liegt darin, Faktoren nicht als Rendite-Booster zu sehen, sondern als Diversifikationswerkzeug. Man sollte niemals das gesamte Kapital auf einen oder zwei Faktoren setzen. Eine kluge Gewichtung bedeutet, dass man die Faktoren so beimischt, dass sie das Gesamtrisiko des Portfolios sinnvoll ergänzen, ohne sich in eine Abhängigkeit von einer einzigen Marktphase zu begeben. Um das vollständige Bild zu erfassen, lesen Sie den detaillierten Bericht von Finanzen.net.

Warum die falsche Produktauswahl beim French And Fama Three Factor Model zum Renditekiller wird

Sie können das beste theoretische Modell der Welt haben, aber wenn Sie es mit den falschen Werkzeugen umsetzen, landen Sie im Minus. Ich sehe immer wieder, wie Leute versuchen, das French And Fama Three Factor Model mit teuren, aktiv verwalteten Fonds oder schlecht konstruierten "Smart Beta"-ETFs abzubilden. In Europa haben wir oft das Problem, dass viele ETFs, die das Label "Small Cap" tragen, in Wahrheit Mid Caps enthalten. Oder "Value"-ETFs nutzen Filterkriterien, die mit der ursprünglichen Definition der Professoren kaum etwas zu tun haben.

Nehmen wir ein reales Beispiel aus meiner Beratungspraxis. Ein Anleger wollte den Größen-Faktor (SMB - Small minus Big) nutzen. Er kaufte einen ETF auf den MSCI World Small Cap. Was er nicht wusste: Dieser Index enthält über 4.000 Unternehmen. Die kleinsten, riskantesten Firmen, die eigentlich die Prämie liefern sollten, machen in einem marktkapitalisierten Index kaum Gewicht aus. Er zahlte eine Gesamtkostenquote (TER) von 0,35 % statt 0,07 % für einen Standard-ETF, bekam aber fast die gleiche Performance. Er zahlte also einen Aufpreis für ein Versprechen, das das Produkt technisch gar nicht einlösen konnte.

Die Kosten der Komplexität unterschätzen

Es geht nicht nur um die TER. Bei Faktor-Strategien sind die Handelskosten innerhalb des Fonds oft massiv höher. Wenn ein Value-ETF jedes Quartal sein Portfolio umschichten muss, weil Aktien teurer geworden sind und nicht mehr ins Raster fallen, entstehen Transaktionskosten. Diese Kosten tauchen nicht in der TER auf, mindern aber direkt Ihren Anteilspreis. Wer hier nicht genau hinschaut und Produkte wählt, die eine niedrige Umschlagrate haben, arbeitet gegen sich selbst.

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Der Trugschluss der Faktor-Konstanz

Ein weiterer massiver Fehler ist die Erwartung, dass Faktoren immer gleichzeitig funktionieren. In der Theorie ergänzen sich Small Caps und Value-Werte. In der Praxis gibt es Phasen, in denen beide gleichzeitig einbrechen, während große Wachstumsaktien (Growth) davonrennen. Ich erinnere mich an das Jahr 2020. Während der Pandemie wurden klassische Value-Werte wie Banken oder Energieunternehmen abgestraft, während Tech-Giganten alles dominierten.

Anleger, die starr an ihrer Faktor-Gewichtung festhielten, ohne zu verstehen, dass Faktoren zyklisch sind, gerieten in Panik. Viele verkauften am Tiefpunkt, weil sie dachten, der Ansatz funktioniere nicht mehr. Das ist der Punkt, an dem das Geld wirklich verloren geht. Nicht durch die Marktschwankung an sich, sondern durch das Unverständnis über die Dauer dieser Zyklen.

Ein Faktor kann 15 Jahre lang nicht liefern. Wer das nicht im Plan hat, sollte die Finger davon lassen. Ein erfahrener Praktiker weiß: Ein Faktor ist eine Wette auf eine spezifische wirtschaftliche Anomalie. Anomalien können verschwinden, wenn zu viel Kapital hineinfließt. Seitdem jeder weiß, dass Small Caps historisch besser liefen, ist dieser Vorteil teilweise "weg-arbitriert" worden. Die Preise für diese Aktien sind gestiegen, was die künftige Erwartungsrendite senkt.

Die Vernachlässigung von Steuern und Rebalancing-Effekten

In der akademischen Welt des French And Fama Three Factor Model spielen Steuern oft keine Rolle. In Ihrem Depot in Deutschland hingegen schon. Jedes Mal, wenn Sie rebalancieren – also Gewinner verkaufen, um Verlierer nachzukaufen und Ihre Faktor-Gewichtung wiederherzustellen – halten die Finanzbehörden die Hand auf.

Wenn Sie ein Depot haben, das zu 40 % aus Marktrisiko, 30 % Small Caps und 30 % Value besteht, und die Small Caps laufen hervorragend, müssen Sie Anteile verkaufen. In einem steuerpflichtigen Depot realisieren Sie dabei Kursgewinne, auf die Sie Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer zahlen. Das reduziert Ihr Zinseszins-Kapital erheblich.

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Ich habe Berechnungen gesehen, bei denen die theoretische Mehrrendite eines Faktor-Portfolios durch die jährliche Steuerlast beim Rebalancing komplett aufgefressen wurde. Ein Anleger mit einem einfachen "Buy and Hold"-Ansatz auf einen Welt-Index, der nie verkauft, steht nach 20 Jahren oft besser da, weil sein Kapital ungestört arbeiten konnte. Wer Faktor-Investing betreibt, muss dies idealerweise in steuerbegünstigten Hüllen tun oder das Rebalancing über die Steuerung von Neuanlagen lösen, statt durch Verkäufe.

Der Vorher-Nachher-Vergleich: Ein Blick in die Depot-Realität

Betrachten wir zwei Szenarien, wie sie mir in der Praxis begegnet sind.

Anleger A ist der "Theoretiker". Er liest von den drei Faktoren und baut sich ein Portfolio aus drei ETFs: 33 % MSCI World, 33 % MSCI World Small Cap und 34 % MSCI World Value. Er schichtet jedes Jahr stur um. Nach fünf Jahren stellt er fest: Der Markt war seitwärts oder leicht positiv, aber seine Value-Werte hingen fest. Durch das jährliche Umschichten hat er jedes Mal Steuern auf die Gewinne des MSCI World gezahlt, um mehr von den fallenden Value-Werten zu kaufen. Sein effektives Vermögen ist nach Kosten und Steuern um 2 % niedriger als das eines reinen Index-Anlegers, obwohl die Brutto-Rendite fast identisch war. Er hat mehr gearbeitet und weniger verdient.

Anleger B ist der "Praktiker". Er weiß um die Tücken. Er nutzt einen integrierten "Multi-Faktor-ETF", der alle Faktoren in einem Produkt kombiniert. Dadurch findet das Rebalancing innerhalb des Fonds statt, was steuerlich viel effizienter ist, da der Fonds intern Positionen tauschen kann, ohne dass der Anleger eine Ausschüttung oder einen Verkauf versteuern muss. Er setzt zudem nur 20 % seines Kapitals auf diesen Faktor-Tilt und lässt die restlichen 80 % in einem extrem kostengünstigen Standard-Index. Er akzeptiert, dass er vielleicht Jahre braucht, bis sich der Vorteil zeigt, und lässt sein Depot weitgehend in Ruhe. Nach zehn Jahren hat er weniger Gebühren gezahlt und profitiert vom Zinseszins, während Anleger A frustriert aufgegeben hat.

Die gefährliche Illusion der Datensicherheit

Wir neigen dazu, Zahlen zu vertrauen, die mit drei Nachkommastellen angegeben werden. Doch die Finanzwissenschaft ist keine Physik. Die Daten, auf denen dieser Prozess basiert, stammen oft aus einer Zeit, in der der Aktienhandel teuer war und Informationen langsam flossen. Heute handeln Algorithmen in Millisekunden.

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Wenn Sie heute versuchen, den Buchwert-Faktor (HML - High minus Low) auszubeuten, konkurrieren Sie mit den schärfsten Köpfen der Welt und deren Supercomputern. Zu glauben, dass man als Privatanleger mit einem 500-Euro-Sparplan hier einen Informationsvorsprung hat, ist gefährlich. In meiner Erfahrung ist die größte Gefahr für den Erfolg mit diesem Modell die eigene Arroganz, zu glauben, man hätte das System durchschaut.

Man muss sich klarmachen: Wenn alle Anleger gleichzeitig auf Small-Cap-Value setzen, steigt der Preis dieser Aktien so stark an, dass die Prämie für Neuanleger verschwindet. Wir haben das in den letzten Jahren gesehen, als viele institutionelle Investoren in Faktor-Strategien drängten. Die Bewertungen näherten sich an, und der Vorteil schrumpfte. Wer hier erfolgreich sein will, muss bereit sein, gegen den Strom zu schwimmen, wenn es wehtut, und nicht erst dann einzusteigen, wenn die Faktoren in jedem Finanzblog als das nächste große Ding gefeiert werden.

Realitätscheck: Was es wirklich braucht

Machen wir uns nichts vor: Erfolg mit dieser Strategie ist harte Arbeit, die sich paradoxerweise dadurch auszeichnet, dass man fast nichts tut. Es ist kein System für Leute, die schnelle Gewinne suchen oder ihr Depot jede Woche kontrollieren wollen. Hier ist die nackte Wahrheit darüber, was Sie mitbringen müssen:

  1. Zeitlicher Horizont: Reden wir nicht von fünf Jahren. Wenn Sie nicht bereit sind, dieses Modell für mindestens 15 bis 20 Jahre durchzuziehen, lassen Sie es. Die Wahrscheinlichkeit, dass Faktoren über kurze Zeiträume schlechter laufen als der Markt, ist sehr hoch.
  2. Kostenkontrolle: Jedes Zehntelprozent zählt. Wenn Ihr Faktor-Setup mehr als 0,3 % oder 0,4 % pro Jahr an Gesamtkosten verursacht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Mehrrendite komplett bei der Fondsgesellschaft landet und nicht bei Ihnen.
  3. Emotionale Stabilität: Es ist psychologisch extrem belastend, wenn der gesamte Markt boomt – getrieben von großen Tech-Werten – und Ihr sorgfältig austariertes Portfolio mit Small Caps und Value-Werten auf der Stelle tritt. Wer dann nicht bei seinem Plan bleibt, hat das Geld bereits verloren, bevor er überhaupt investiert hat.
  4. Steuerliches Verständnis: In einem Land wie Deutschland ist die Steuer der größte Feind der Rendite. Ein komplexes Portfolio mit vielen Einzel-ETFs erfordert eine präzise steuerliche Planung beim Rebalancing.

Wer das French And Fama Three Factor Model nutzen will, sollte es als langfristiges Experiment betrachten, nicht als sicheren Pfad zum Reichtum. Es kann funktionieren, aber nur für diejenigen, die die Disziplin haben, die unvermeidlichen Durststrecken auszusitzen und die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Wenn Sie nach einer einfachen Lösung suchen, bleiben Sie beim simplen Welt-Index. Das ist keine Schande, sondern für 90 % der Anleger die profitablere Entscheidung. Wer mehr will, muss bereit sein, den Preis in Form von Zeit, Geduld und tiefem Verständnis für die Marktmechanik zu zahlen. Ein halber Ansatz führt hier nur zu halben Renditen bei vollem Risiko. Das ist die Realität, auch wenn sie nicht so glänzend klingt wie die Versprechen in den Hochglanzbroschüren der Banken.

LZ

Lisa Zimmermann

Zwischen Tagesaktualität und Hintergrundanalyse bringt Lisa Zimmermann Struktur in komplexe Themenlagen.