hot tub time machine 2

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In den hinteren Reihen eines halbleeren Kinosaals in Berlin-Neukölln saß im Februar 2015 ein Mann, der das Gefühl hatte, die Zeit sei tatsächlich aus den Fugen geraten. Auf der Leinwand flimmerten grelle Farben, vulgärer Humor und eine Prämisse, die so absurd war, dass sie fast schon wieder eine philosophische Schwere besaß. Er hielt einen Becher mit abgestandenem Popcorn in der Hand und starrte auf die Fortsetzung einer Geschichte, die niemand wirklich für möglich gehalten hatte. Es war der Moment, in dem Hot Tub Time Machine 2 über die Zuschauer hereinbrach, ein Werk, das sich wie ein greller Fiebertraum aus dem Herzen Hollywoods anfühlte. In diesem dunklen Saal, weit weg von den glitzernden Premieren in Los Angeles, wurde deutlich, dass es hier um mehr ging als nur um flache Witze und Zeitreisen. Es ging um die Angst vor der Bedeutungslosigkeit, verpackt in den Mantel einer rüden Komödie, die ihre eigenen Regeln im Sekundentakt verbrannte.

Die Geschichte dieses Nachfolgers beginnt eigentlich viel früher, in einer Ära, in der das Kino noch an das Wunder der unerwarteten Hits glaubte. Der erste Teil war eine Überraschung gewesen, ein nostalgischer Blick zurück in die achtziger Jahre, der durch Herz und eine Prise Melancholie bestach. Doch als die Kameras für die Fortsetzung wieder rollten, hatte sich die Welt verändert. John Cusack, der Anker des Originals, war verschwinden. Zurück blieben drei Männer in einem sprudelnden Becken, die verzweifelt versuchten, ihre eigene Relevanz in einer Zukunft zu finden, die sie nicht verstanden. Diese Leere im Zentrum der Besetzung wurde zum unfreiwilligen Thema des Films. Es war eine Erzählung über das, was passiert, wenn die Hauptfigur des eigenen Lebens einfach die Bühne verlässt und man gezwungen ist, die Scherben allein aufzusammeln.

In der Filmtheorie spricht man oft vom schwierigen zweiten Akt, doch hier erlebten wir eine Dekonstruktion des Konzepts an sich. Die Produktion stand unter dem Druck, das Unmögliche zu wiederholen: den Blitz ein zweites Mal in der gleichen Flasche einzufangen. Regisseur Steve Pink und Drehbuchautor Josh Heald standen vor der Aufgabe, eine Welt zu erschaffen, die sowohl vertraut als auch radikal anders war. Sie entschieden sich für die Flucht nach vorn, in ein Jahr 2025, das aus heutiger Sicht seltsam prophetisch und gleichzeitig völlig daneben wirkt. Es ist eine Zukunft voller selbstfahrender Autos und einer Hyper-Vernetzung, die den Menschen eher voneinander isoliert als ihn verbindet.

Die Anatomie des Scheiterns in Hot Tub Time Machine 2

Wenn man die Kritiken von damals liest, spürt man eine fast körperliche Ablehnung. Kritiker in den USA und Europa gleichermaßen schienen beleidigt von der schieren Dreistigkeit, mit der diese Welt ihre eigene Sinnlosigkeit zelebrierte. Doch wer genau hinsah, entdeckte in der Grobheit einen verzweifelten Schrei nach Authentizität. Die Figur des Lou, gespielt von Rob Corddry, wurde zum Sinnbild eines Mannes, der alles hat – Ruhm, Geld, Macht –, aber feststellen muss, dass ihm die Seele fehlt. Er hat die Zukunft gestohlen, indem er die Ideen anderer in der Vergangenheit als seine eigenen ausgab. Es ist eine moderne Sage über geistiges Eigentum und den moralischen Bankrott, den wir oft als Erfolg tarnen.

In einer Szene, die in einem fiktiven Fernsehstudio der Zukunft spielt, wird das Grauen der totalen Unterhaltung deutlich. Menschen werden gedemütigt, nur um die Einschaltquoten in die Höhe zu treiben. Es ist ein Zerrspiegel unserer eigenen Realität, in der soziale Medien und Reality-TV die Grenze zwischen Privatsphäre und öffentlicher Hinrichtung verwischt haben. Die Protagonisten finden sich in einer Welt wieder, die sie selbst durch ihre Gier in der Vergangenheit erschaffen haben. Es ist die klassische Tragödie: Der Schöpfer wird von seinem eigenen Monster verschlungen, nur dass das Monster hier ein sprechendes Auto und eine Überdosis Testosteron ist.

Die Arbeit am Set in New Orleans war geprägt von einer seltsamen Energie. Die Schauspieler wussten, dass sie auf dünnem Eis wandelten. Ohne Cusack fehlte das emotionale Gegengewicht, das den ersten Film geerdet hatte. Adam Scott trat als Sohn der vermissten Hauptfigur in die Geschichte, eine Wahl, die den Generationenkonflikt in den Mittelpunkt rückte. Er spielte den Unschuldigen, den moralischen Kompass, der in einer Welt voller Zynismus langsam die Orientierung verliert. Man kann sich die Hitze in Louisiana vorstellen, die Feuchtigkeit, die in die Kleider zog, während das Team versuchte, Pointen zu finden, die in einer immer schneller werdenden Internetkultur noch Bestand haben könnten.

Die ökonomischen Realitäten hinter solchen Projekten sind oft ernüchternd. Das Budget war im Vergleich zum Vorgänger geschrumpft, die Erwartungen jedoch geblieben. Es ist das ewige Dilemma der Unterhaltungsindustrie: Wie liefert man mehr für weniger? Die Antwort in diesem Fall war eine Radikalisierung des Humors. Wenn man nicht durch opulente Bilder glänzen kann, muss man durch Grenzüberschreitungen auffallen. Dies führte dazu, dass der Film in vielen Ländern, auch in Deutschland, eine hohe Altersfreigabe erhielt, was sein Publikum von vornherein einschränkte. Er wurde zu einem Werk für Eingeweihte, für diejenigen, die bereit waren, den tiefen Fall in den geschmacklosen Abgrund mitzumachen.

Wenn die Zeit die Komödie einholt

Interessanterweise hat das Thema über die Jahre eine kleine, aber loyale Fangemeinde gewonnen, die in der überdrehten Darstellung der Zukunft eine fast schon satirische Qualität sieht. Was 2015 noch wie reine Fiktion wirkte, fühlt sich heute manchmal unangenehm nah an. Die Besessenheit von Trends, die Kurzlebigkeit von Ruhm und die absurde technologische Überladung unseres Alltags finden sich in den verzerrten Bildern dieser Geschichte wieder. Es ist die Art von Film, die man nachts um zwei Uhr auf einem Streaming-Dienst entdeckt und sich fragt, ob das alles wirklich passiert ist oder ob man nur zu lange in den Bildschirm gestarrt hat.

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Die menschliche Komponente wird am deutlichsten in der Beziehung zwischen den drei Freunden. Trotz aller Beleidigungen und Missgeschicke bleibt ein Kern von Loyalität bestehen. Sie sind aneinander gebunden durch ein gemeinsames Trauma: die Erfahrung, die Zeit selbst manipuliert zu haben. Das ist ein schweres Erbe. Wer einmal gesehen hat, wie die Welt sein könnte, kann nie wieder mit einfachem Blick in die Gegenwart schauen. Sie sind Gefangene ihrer eigenen Möglichkeiten. In der Psychologie würde man vielleicht von einer kollektiven posttraumatischen Belastungsstörung sprechen, die sich hier in Form von albernen Streichen äußert.

Ein Blick auf die Daten zeigt, dass die Produktion weltweit nur einen Bruchteil dessen einspielte, was das Original generiert hatte. In Deutschland blieb das Interesse verhalten, die Besucherzahlen erreichten nie die Spitzenwerte der großen Blockbuster. Und doch bleibt die Frage: Warum erinnern wir uns an solche Werke? Vielleicht, weil sie die dunkle Seite unserer Sehnsucht nach Nostalgie zeigen. Wir wollen zurück in die Vergangenheit, um Fehler zu korrigieren, aber wir vergessen oft, dass jede Korrektur neue, unvorhersehbare Konsequenzen in der Zukunft nach sich zieht. Das Chaos ist der ständige Begleiter der Zeitreise, und in diesem speziellen Fall war das Chaos Programm.

Die Schauspieler selbst haben in späteren Interviews oft mit einer Mischung aus Amüsement und Resignation über die Dreharbeiten gesprochen. Es war ein Job, sicher, aber es war auch ein Experiment. Wie weit kann man gehen, bevor das Publikum abschaltet? Die Antwort war für viele: genau bis hierher. Und doch gibt es Momente purer, ungefilterter Spielfreude, in denen man merkt, dass hier Profis am Werk waren, die sich dem Wahnsinn der Vorlage voll und ganz verschrieben hatten. Craig Robinson etwa bringt eine musikalische Leichtigkeit in seine Rolle, die oft im krassen Gegensatz zum derben Humor steht.

Es gibt eine Theorie unter Filmwissenschaftlern, dass Fortsetzungen wie diese als Spiegelbilder der Studiokultur fungieren. Sie sind Produkte eines Systems, das auf Sicherheit setzt und dabei oft das größte Risiko von allen eingeht: die Entfremdung des Zuschauers durch Wiederholung ohne Seele. Aber gerade in dieser Seelenlosigkeit liegt eine ganz eigene, kalte Schönheit. Es ist das Porträt einer Industrie, die sich im Kreis dreht, während sie versucht, nach vorn zu stürmen. In Hot Tub Time Machine 2 wird dieser Zustand nicht nur dargestellt, er wird gelebt.

Wenn man heute an jenen Kinonachmittag in Berlin zurückdenkt, bleibt nicht der Plot hängen. Man erinnert sich an das Gefühl der Desorientierung. Die Welt draußen vor der Kinotür schien plötzlich seltsam stabil und langweilig im Vergleich zu der grellen Hölle auf der Leinwand. Es ist das Paradoxon der schlechten Komödie: Sie lässt uns die Normalität mehr schätzen. Wir verlassen den Saal und atmen die kalte Abendluft ein, dankbar, dass wir nicht in einem sprudelnden Bottich sitzen, der uns in eine Zukunft katapultiert, für die wir nicht bereit sind.

Die Reise durch die Zeit ist letztlich immer eine Reise zu uns selbst. Wir suchen in der Vergangenheit nach Antworten und in der Zukunft nach Hoffnung, nur um festzustellen, dass wir im Hier und Jetzt festsitzen. Diese Geschichte lehrt uns auf ihre ganz eigene, rüpelhafte Weise, dass es keine Abkürzung zum Glück gibt, auch nicht durch ein magisches Badebecken. Die Narben, die wir tragen, und die Fehler, die wir machen, sind das Einzige, was uns wirklich gehört. Alles andere ist nur ein kurzes Aufleuchten in der Dunkelheit eines Kinosaals, ein Echo eines Lachens, das schon verhallt ist, bevor der Abspann rollt.

In einer Welt, die immer ernster wird, in der jede Aussage auf die Goldwaage gelegt wird, wirkt diese ungestüme Weigerung, erwachsen zu werden, fast schon rebellisch. Es ist ein Denkmal für den schlechten Geschmack, ein Turm aus Plastik und Neonlichtern in einer Landschaft aus Beton. Vielleicht brauchen wir diese Erinnerungen an das Absurde, um den Wahnsinn des Alltags zu ertragen. Nicht als Vorbild, sondern als Warnung. Als Hinweis darauf, dass die Zeit zwar fließen mag, wir aber diejenigen sind, die entscheiden müssen, ob wir darin schwimmen oder nur am Rand stehen und zusehen, wie die Blasen platzen.

Am Ende bleibt das Bild der drei Männer, die in die Leere starren. Sie haben alles versucht, um ihr Schicksal zu ändern, und sind doch genau dort gelandet, wo sie angefangen haben: beieinander. In der letzten Einstellung des Films liegt eine Ironie, die so tief schneidet, dass man sie fast übersieht. Sie sind zusammen, aber sie sind allein in ihrer Erfahrung. Niemand sonst wird jemals verstehen, was sie gesehen haben. Es ist die ultimative Isolation des Zeitreisenden.

Der Mann im Kino in Berlin erhob sich schließlich von seinem Platz. Er ließ den leeren Popcornbecher zurück und trat hinaus auf die Straße. Die Lichter der Stadt spiegelten sich in den Pfützen auf dem Asphalt. Er schaute auf seine Uhr, ein einfaches mechanisches Modell, das stoisch Sekunde um Sekunde verstreichen ließ. Keine Blitze, keine Effekte, nur das stetige Voranschreiten der Realität. Er lächelte kurz, ein flüchtiger Moment der Klarheit inmitten des städtischen Rauschens, und ging nach Hause, während hinter ihm die Türen des Kinos ins Schloss fielen und die Stille den Raum zurückeroberte.

SB

Stefan Braun

Stefan Braun hat für verschiedene Online-Redaktionen gearbeitet und steht für Qualitätsjournalismus mit Substanz.