Die Filmproduktionsfirma Rising Media Group kündigte am Montag den offiziellen Drehbeginn für Movie House of the Rising Sun in der historischen Kulisse von Görlitz an. Das Projekt unter der Regie von Thomas Weber soll laut einer Pressemitteilung des Unternehmens ein Budget von 45 Millionen Euro umfassen und wird teilweise durch Mittel des Deutschen Filmförderfonds unterstützt. Die Dreharbeiten finden voraussichtlich bis Ende August 2026 statt und beschäftigen über 200 lokale Komparsen sowie technisches Fachpersonal aus der Region Sachsen.
Regisseur Thomas Weber erklärte während einer Pressekonferenz im Rathaus von Görlitz, dass die Wahl des Drehortes aufgrund der architektonischen Vielfalt der Stadt fiel. Die Handlung konzentriert sich auf die Rekonstruktion eines fiktiven Lichtspielhauses in der Nachkriegszeit. Laut dem Deutschen Filmförderfonds erfüllt das Vorhaben die Kriterien für eine kulturelle Förderung, da es einen signifikanten Anteil an deutschen Produktionsdienstleistungen nutzt.
Finanzielle Struktur hinter Movie House of the Rising Sun
Die Finanzierung des Spielfilms setzt sich aus privaten Investitionen, Verleihgarantien und staatlichen Zuschüssen zusammen. Die Wirtschaftsförderung Sachsen bezifferte den erwarteten wirtschaftlichen Effekt für die Stadt Görlitz auf rund fünf Millionen Euro durch Hotelübernachtungen und Catering-Dienstleistungen. Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen, betonte bei einem Vor-Ort-Termin die Bedeutung solcher Großprojekte für das Image des Standorts als „Görliwood“.
Die Rising Media Group gab bekannt, dass 12 Millionen Euro der Gesamtsumme direkt in die Infrastruktur vor Ort fließen. Hierzu gehören der Bau von Kulissen in leerstehenden Fabrikhallen sowie die Anmietung von Lagerflächen. Experten der Filmbranche beobachten diesen Trend zur Dezentralisierung der Produktion weg von großen Studios in Potsdam-Babelsberg hin zu authentischen Drehorten in Ostdeutschland.
Besetzung und künstlerische Leitung
In den Hauptrollen agieren namhafte Schauspieler der europäischen Kinolandschaft, deren Verträge laut der Agentur Spielkind bereits im vergangenen Jahr unterzeichnet wurden. Die weibliche Hauptrolle übernimmt die Berlinerin Elena Richter, während der dänische Darsteller Mads Mikkelsen für eine tragende Nebenrolle gewonnen wurde. Richter beschrieb die Vorbereitungen auf ihre Rolle als intensiv, da sie für den Film historische Recherche in Archiven betrieb.
Das Drehbuch stammt von der Autorin Sarah Kuttner, die sich für die Geschichte von realen Ereignissen aus der Zeit zwischen 1945 und 1950 inspirieren ließ. Der Fokus liegt auf der sozialen Funktion von Kinos in Krisenzeiten. Die Kameraführung übernimmt der preisgekrönte Bildgestalter Linus Sandgren, der bereits für seine Arbeit an internationalen Produktionen bekannt ist.
Technische Anforderungen und Denkmalschutz
Die Dreharbeiten in der Altstadt von Görlitz erfordern eine enge Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt. Da Movie House of the Rising Sun in historischen Gebäuden spielt, müssen alle baulichen Veränderungen reversibel sein. Das Amt für Stadtentwicklung bestätigte, dass für die Dauer der Produktion mehrere Straßenzüge für den öffentlichen Verkehr gesperrt bleiben.
Die technische Crew verwendet für die Aufnahmen spezielle Analogkameras, um die visuelle Ästhetik der 1940er Jahre originalgetreu einzufangen. Laut dem technischen Leiter Marc Schneider wurden hierfür Objektive aus den Beständen des Filmmuseums Potsdam restauriert. Diese Entscheidung erhöht die Produktionskosten pro Drehtag um schätzungsweise 15 Prozent gegenüber digitalen Verfahren.
Kritische Stimmen und logistische Hürden
Trotz der wirtschaftlichen Vorteile regt sich in Teilen der lokalen Bevölkerung Unmut über die langwierigen Sperrungen im Stadtzentrum. Ein Sprecher der Bürgerinitiative „Offene Stadt“ wies darauf hin, dass die Beeinträchtigungen für Einzelhändler während der touristischen Hauptsaison nicht ausreichend kompensiert würden. Die Stadtverwaltung von Görlitz entgegnete, dass die langfristige Werbewirkung die kurzfristigen Einbußen übertreffe.
Ein weiteres Problem stellt der Mangel an qualifizierten Fachkräften in der Region dar. Die Produktionsleitung musste Spezialisten aus Berlin und Prag einfliegen lassen, was die Logistik komplizierter gestaltete. Laut einer Erhebung der Gewerkschaft ver.di sind die Arbeitsbedingungen am Set aufgrund der engen Zeitpläne und der sommerlichen Hitze eine Herausforderung für die Belegschaft.
Bedeutung für den deutschen Kinomarkt
Der deutsche Kinomarkt verzeichnete laut dem Statistischen Bundesamt im Vorjahr einen leichten Rückgang der Besucherzahlen bei nationalen Eigenproduktionen. Branchenanalysten sehen in diesem Projekt daher einen Testfall für die Konkurrenzfähigkeit von aufwendig produzierten Historienfilmen gegenüber Streaming-Plattformen. Der geplante Kinostart im Herbst 2027 wird von Verleihfirmen als strategisch wichtig eingestuft.
Die Verwertungsrechte für den deutschsprachigen Raum sicherte sich bereits ein großer Münchner Verleih. Internationale Verkaufsgespräche finden laut Branchenberichten während der kommenden Filmfestspiele in Cannes statt. Die Produzenten streben eine weltweite Distribution an, um die hohen Produktionskosten zu decken.
Ausblick auf die Postproduktion und Premiere
Nach Abschluss der Dreharbeiten im Spätsommer wandert das Material in die Postproduktion nach London und Berlin. Dort erfolgt die digitale Nachbearbeitung sowie die Vertonung durch ein namhaftes Orchester. Die Spezialeffekte beschränken sich laut Produktionsplan auf ein Minimum, um den realistischen Charakter der Erzählung zu bewahren.
Die Weltpremiere soll nach derzeitigem Stand bei der Berlinale 2027 stattfinden. Bis dahin bleibt abzuwarten, ob die logistischen Verzögerungen durch die Wetterkapriolen im Frühjahr aufgeholt werden können. Die Filmcrew bereitet sich aktuell auf die nächste große Außendrehphase vor, die den Marktplatz von Görlitz in eine Kulisse der frühen Nachkriegsjahre verwandelt.