orden aus dem zweiten weltkrieg

orden aus dem zweiten weltkrieg

Wer zum ersten Mal ein massives Eisernes Kreuz in der Hand hält, spürt sofort dieses seltsame Gewicht. Es ist nicht nur das Metall. Es ist die schiere Wucht der Geschichte, die an diesem kleinen Objekt klebt. Sammler, Historiker und Erben stehen oft vor derselben Frage: Was fängt man heute mit diesen Relikten an? Wenn du dich für Orden Aus Dem Zweiten Weltkrieg interessierst, suchst du wahrscheinlich nach dem Marktwert, der historischen Einordnung oder der rechtlichen Lage in Deutschland. Dieser Text klärt diese Punkte direkt. Wir schauen uns an, warum manche Stücke Tausende Euro wert sind, während andere nur als Briefbeschwerer taugen. Es geht um die Faszination des Greifbaren, die technische Präzision der damaligen Fertigung und den schmalen Grat zwischen Bewahrung und Ideologie.

Die rechtliche Lage beim Umgang mit Orden Aus Dem Zweiten Weltkrieg

In Deutschland ist das Thema emotional und juristisch aufgeladen. Du darfst diese Objekte besitzen. Du darfst sie privat kaufen und verkaufen. Aber sobald Symbole verfassungswidriger Organisationen darauf zu sehen sind, greift der Paragraf 86a des Strafgesetzbuches. Das bedeutet konkret: Das Zeigen in der Öffentlichkeit ist tabu. Wenn du ein Foto bei eBay Kleinanzeigen hochlädst und die Symbole nicht abdeckst, hast du schneller Post vom Staatsanwalt, als du "Phaleristik" buchstabieren kannst.

Fachhändler lösen das meist durch kleine rote Punkte oder digitale Zensurbalken in ihren Online-Katalogen. Das Gesetz verlangt diesen respektvollen, distanzierten Umgang mit der Symbolik. Wer sammelt, muss wissen, dass er eine Verantwortung trägt. Es geht um Dokumentation, nicht um Verherrlichung. Wer sich ernsthaft mit der Materie beschäftigt, landet früher oder später beim Deutschen Historischen Museum, um Stücke im Kontext der gesamten deutschen Geschichte zu sehen. Dort wird deutlich, dass diese Auszeichnungen Teil einer staatlich gelenkten Psychologie waren. Sie sollten Motivation erzeugen, wo eigentlich Verzweiflung herrschte.

Die Bedeutung der Entnazifizierung

Nach 1945 gab es ein riesiges Problem. Tausende Veteranen besaßen Auszeichnungen, die sie stolz trugen oder behalten wollten, die aber nun verboten waren. 1957 wurde deshalb das Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen erlassen. Es erlaubte das Tragen von Auszeichnungen aus der Zeit von 1933 bis 1945, sofern die nationalsozialistischen Embleme entfernt wurden. Diese sogenannten "57er-Versionen" sind heute ein eigenes Sammelgebiet. Sie wirken fast nackt. Oft wurde an der Stelle des Hakenkreuzes einfach ein Eichenlaubblatt platziert. Sammler unterscheiden strikt zwischen den Originalen aus der Kriegszeit und diesen späteren Nachfertigungen für den offiziellen Gebrauch in der Bundesrepublik.

Handel und Plattformen

Große Auktionshäuser wie Hermann Historica oder Thies haben sich auf militärische Antiquitäten spezialisiert. Dort werden die Stücke mit wissenschaftlicher Akribie geprüft. Wenn du auf einem Flohmarkt kaufst, gehst du ein Risiko ein. Es gibt heute Fälschungen, die so gut sind, dass selbst Experten mit der Lupe verzweifeln. Die Gussqualität, das Gewicht und die Beschaffenheit der Nadeln sind oft die einzigen Indizien für die Echtheit. Wer billig kauft, kauft oft Schrott aus osteuropäischen Werkstätten, die mit künstlicher Alterung nachhelfen.

Technische Merkmale und Materialkunde der Orden Aus Dem Zweiten Weltkrieg

Frühe Stücke aus den Jahren 1939 und 1940 bestehen oft aus hochwertigen Materialien wie Buntmetall oder echtem Silber. Mit fortschreitender Kriegsdauer änderte sich das radikal. Die Rohstoffe wurden knapp. Alles musste in die Rüstungsindustrie fließen. Späte Auszeichnungen bestehen oft aus "Kriegsmetall", was im Grunde minderwertiger Zink ist. Dieser Zink zersetzt sich manchmal über die Jahrzehnte. Man nennt das Zinkfraß. Das Metall bekommt Blasen, wird grau und brüchig. Ein frühes Stück in exzellentem Zustand ist daher wertvoller als eine späte Zinkvariante, selbst wenn es derselbe Typ von Auszeichnung ist.

Die Fertigung war ein Präzisionshandwerk. Firmen wie Juncker in Berlin oder Godet waren berühmt für ihre Qualität. Jede Firma hatte eine eigene Herstellernummer. Diese Nummer findest du oft auf der Rückseite des Ordens oder auf der Nadel. Wenn ein Stück die Nummer 21 trägt, weiß der Profi sofort: Das kommt von Godet & Co. Diese Zuordnung ist für die Echtheitsbestimmung fundamental. Passt der Prägestil nicht zur Nummer, ist es eine Fälschung. So einfach ist das meistens.

Das Eiserne Kreuz als zentrales Symbol

Das Eiserne Kreuz ist wohl die bekannteste deutsche Auszeichnung. Es wurde schon 1813 gestiftet. Im Zweiten Weltkrieg wurde es erneut aufgelegt. Es gab die 2. Klasse am Band und die 1. Klasse zum Anstecken. Die Konstruktion ist faszinierend: Ein dreiteiliger Aufbau. Ein Eisenkern, der magnetisch ist, eingefasst in einen silbernen Rahmen. Wenn du ein Eisernes Kreuz findest, das nicht magnetisch ist, solltest du misstrauisch werden. Es gibt zwar seltene Varianten mit Messingkern für die Marine, aber das ist die absolute Ausnahme.

Seltene Sonderformen und Prototypen

Es gibt Stücke, die wurden zwar entworfen und sogar produziert, aber nie offiziell verliehen. Ein Beispiel ist das Großkreuz des Eisernen Kreuzes, das nur ein einziges Mal an Hermann Göring ging. Oder der Stern zum Großkreuz, der nach dem Sieg verliehen werden sollte – ein Sieg, der nie kam. Solche Objekte sind heute in Museen wie dem Bundeswehr Museum zu finden. Sie zeigen den Größenwahn jener Zeit in physischer Form. Für den privaten Sammler sind solche Stücke unerreichbar oder existieren nur als zweifelhafte Kopien.

Sammlerstrategien und der Aufbau einer Kollektion

Fang nicht einfach planlos an. Wer alles kauft, hat am Ende eine Schublade voll wertlosem Zink. Erfolgreiche Sammler spezialisieren sich. Manche sammeln nur Abzeichen der Luftwaffe. Andere konzentrieren sich auf Nahkampfspangen oder Verwundetenabzeichen. Das Verwundetenabzeichen ist ein guter Einstieg. Es gab es in Schwarz, Silber und Gold. Es erzählt eine menschliche Geschichte. Man bekam es für Verletzungen. Schwarz für ein- bis zweimalige Verwundung, Gold für schwere dauerhafte Schäden oder mehr als fünf Verletzungen.

Du musst lernen, die Patina zu lesen. Ein glänzender Orden, der aussieht wie frisch aus der Fabrik, ist entweder ein Museumsstück in Bestzustand oder eine billige Kopie. Echte Patina wächst über 80 Jahre. Sie lässt sich kaum perfekt imitieren. Erfahrene Sammler riechen sogar an den Stücken. Alter Staub und Metall haben einen spezifischen Geruch. Das klingt verrückt, funktioniert aber.

Dokumentation und Urkunden

Ein Orden ohne die dazugehörige Verleihungsurkunde ist nur ein halbes Sammlerstück. Die Urkunde gibt dem Objekt einen Namen und ein Gesicht. Wenn du weißt, dass Feldwebel Müller das Kreuz für einen Einsatz bei Charkow bekam, verändert das die Wahrnehmung komplett. Urkunden mit originalen Unterschriften bekannter Offiziere steigern den Marktwert massiv. Aber Vorsicht: Auch Urkunden werden gefälscht. Das Papier muss unter UV-Licht geprüft werden. Modernes Papier leuchtet hellblau, altes Papier bleibt dunkel.

Lagerung und Werterhalt

Metall reagiert mit der Umwelt. Wenn du deine Stücke in einer feuchten Garage lagerst, zerstörst du sie. Sammler nutzen spezielle Vitrinen oder Ladekästen, die mit säurefreiem Samt ausgelegt sind. Direktes Sonnenlicht bleicht die Bänder aus. Die rote Farbe der Bänder des Eisernen Kreuzes verblasst besonders schnell. Ein ausgebleichtes Band mindert den Wert sofort um 20 bis 30 Prozent. Werterhalt bedeutet konservieren, nicht restaurieren. Putz niemals einen alten Orden mit Silberpolitur blank. Du entfernst damit die Geschichte und den Wert. Die originale Oberfläche, die "Brennvergoldung" oder "Versilberung", muss erhalten bleiben.

Die dunkle Seite des Marktes und moralische Fragen

Man kann das Thema nicht diskutieren, ohne über die Moral zu sprechen. Wer diese Dinge sammelt, bewegt sich in einem Feld, das viele Menschen abstößt. Es ist wichtig, eine klare Grenze zu ziehen. Sammelst du Metallgeschichte oder identifizierst du dich mit der Ideologie? Die seriöse Sammlergemeinschaft distanziert sich scharf von Neonazis. Für Historiker sind diese Objekte Quellenmaterial. Sie zeigen, wie ein Regime Ehre und Auszeichnungen als Währung nutzte, um Menschen in einen verbrecherischen Krieg zu treiben.

Es gibt eine psychologische Komponente. Das Regime hat mit der Ästhetik gespielt. Die Entwürfe sollten beeindrucken, Macht ausstrahlen und Mut belohnen. Wenn man das heute analysiert, erkennt man das manipulative Element. Jedes Abzeichen war ein Versprechen des Staates an den Einzelnen. Das Studium dieser Objekte hilft zu verstehen, wie das System funktionierte. Es ist eine Form der haptischen Geschichtsforschung.

Preisentwicklung und Investment

Ist das Sammeln eine gute Geldanlage? Ja und nein. Top-Stücke in seltener Ausführung sind im Preis stabil und steigen sogar. Massenware stagniert. Ein Standard-Infanterie-Sturmabzeichen gibt es für rund 150 Euro. Davon wurden Millionen produziert. Ein Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes hingegen kostet heute so viel wie ein solider Mittelklassewagen. Hier ist der Markt sehr eng. Wer hier investiert, braucht Expertenzertifikate. Ohne eine Expertise von anerkannten Fachleuten wie Dietrich Maerz oder Detlev Niemann solltest du niemals vierstellige Beträge ausgeben.

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Häufige Fehler von Einsteigern

Der größte Fehler ist Gier. Das "Schnäppchen" vom Dachboden für 50 Euro, das eigentlich 5000 Euro wert sein müsste, ist zu 99,9 Prozent eine Fälschung. Niemand verschenkt heute mehr wertvolle Militaria. Ein weiterer Fehler ist das Reinigen. Ich habe Leute gesehen, die seltene Stücke mit dem Dremel poliert haben, um sie glänzend zu machen. Das ist ein finanzieller Totalschaden. Lass den Dreck der Jahrzehnte dran. Er ist der Echtheitsbeweis.

Nächste Schritte für angehende Sammler

Wenn du dich jetzt intensiver mit der Materie beschäftigen willst, solltest du systematisch vorgehen. Es ist kein Hobby, das man zwischen Tür und Angel betreibt. Information ist deine wichtigste Währung. Bevor du den ersten Euro ausgibst, investiere in Bücher.

  1. Kauf dir Fachliteratur. Die Standardwerke zu den einzelnen Auszeichnungen sind teuer, aber sie sparen dir Tausende Euro an Lehrgeld. Such nach Büchern, die detaillierte Makroaufnahmen von Originalen und Fälschungen zeigen.
  2. Besuche spezialisierte Foren. Plattformen wie das German Militaria Collectibles Forum sind Goldgruben für Wissen. Dort kannst du Fotos hochladen und die Community um eine Meinung bitten. Sei bereit für harte Kritik – Profis nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn dein Stück eine Kopie ist.
  3. Vernetze dich mit seriösen Händlern. Schau dir deren Rückgabebedingungen an. Ein seriöser Händler gibt eine lebenslange Echtheitsgarantie auf seine Stücke. Wenn jemand "Privatverkauf, keine Rücknahme" schreibt, lass die Finger davon, außer du bist dir absolut sicher.
  4. Besuche Museen. Nichts schlägt das Studium von gesicherten Originalen. Schau dir im Haus der Geschichte an, wie diese Objekte präsentiert werden. Achte auf die Details, die Textur und die Montage der Bänder.
  5. Leg dir ein Budget fest. Es ist leicht, sich zu übernehmen. Fang klein an, vielleicht mit einem Verwundetenabzeichen oder einem Kriegsverdienstkreuz. Diese Stücke sind erschwinglich und es gibt genug Originale am Markt, an denen du dein Auge schulen kannst.

Wer Geschichte begreifen will, muss sie manchmal buchstäblich in die Hand nehmen können. Aber tu es mit Verstand und dem nötigen Respekt vor dem historischen Kontext. Es sind keine Spielzeuge, es sind Zeugnisse einer der dunkelsten Epochen der Menschheit. Wenn du das verinnerlicht hast, wird aus dem bloßen Anhäufen von Metall eine ernsthafte historische Auseinandersetzung.

MN

Markus Neumann

Mit Erfahrung in Newsrooms und Content-Teams erstellt Markus Neumann verständliche, gut recherchierte Beiträge.