praxis am klosterhof dres. rieber / pöppelmeier / konrad

praxis am klosterhof dres. rieber / pöppelmeier / konrad

Stell dir vor, du stehst an einem Dienstagmorgen um kurz nach acht im Flur. Die Telefone stehen nicht still, drei Patienten blockieren die Anmeldung, weil sie gleichzeitig Rezepte wollen, und im Wartezimmer sinkt die Stimmung unter den Gefrierpunkt, weil die Taktung der Termine bereits jetzt um zwanzig Minuten hinterherhinkt. Ich habe dieses Szenario in der Praxis am Klosterhof Dres. Rieber / Pöppelmeier / Konrad und ähnlichen Einrichtungen hunderte Male erlebt. Der Fehler liegt fast nie an der medizinischen Kompetenz der Ärzte. Er liegt in der arroganten Annahme, dass sich ein komplexer Praxisbetrieb von selbst organisiert, wenn man nur genug gute Fachkräfte in einen Raum steckt. Wer glaubt, dass ein eingespieltes Team wie das in dieser Institution keine knallharten, fast schon industriellen Abläufe braucht, verbrennt jeden Monat tausende Euro durch Leerlauf, Überstunden und frustriertes Personal, das kündigt, sobald die Konkurrenz zwei Euro mehr zahlt.

Die Illusion der digitalen Wunderwaffe in der Praxis am Klosterhof Dres. Rieber / Pöppelmeier / Konrad

Viele Praxismanager denken, sie könnten strukturelle Defizite einfach mit einer neuen Software zuschütten. Ich habe Praxen gesehen, die zehntausend Euro für ein neues Praxismanagement-System ausgegeben haben, nur um festzustellen, dass die Mitarbeiter die Termine immer noch per Hand in den analogen Kalender parallel eintragen, „weil man dem Computer nicht traut“. Das ist der klassische Fall von Technik-Gläubigkeit ohne Prozessverständnis. In der Praxis am Klosterhof Dres. Rieber / Pöppelmeier / Konrad geht es nicht darum, die neueste App zu haben, sondern darum, die Schnittstellen zwischen Anmeldung, Behandlungsraum und Labor so zu definieren, dass kein Arzt jemals auf einen Patienten warten muss – und umgekehrt.

Wenn die Software nicht mit der physischen Realität der Räume korrespondiert, entstehen Staus. Ein Beispiel aus meiner Zeit dort: Man bucht drei Ultraschalluntersuchungen zeitgleich, hat aber nur ein Gerät oder nur eine MFA, die die Vorbereitung machen kann. Das Ergebnis ist ein logistischer Albtraum, der den gesamten Vormittag ruiniert. Die Lösung ist nicht mehr Technik, sondern eine radikale Inventur der Kapazitäten. Man muss wissen, wie lange ein Patient durchschnittlich im Zimmer 4 verbringt, inklusive An- und Ausziehen. Wer das ignoriert, plant am Leben vorbei.

Warum das Delegieren von Verantwortung ohne Kontrolle die Qualität frisst

Ein riesiger Fehler, den ich immer wieder beobachte, ist das blinde Vertrauen in die Selbstorganisation des Teams. „Die machen das schon seit Jahren so“, ist der Satz, der mich am meisten erschaudern lässt. Nur weil etwas seit Jahren so gemacht wird, heißt es nicht, dass es effizient ist. Oft schleifen sich Marotten ein, die Zeit fressen. Wenn die MFA an der Anmeldung bei jedem Telefonat erst minutenlang Smalltalk hält, bevor der Termin fixiert wird, kostet das pro Stunde vielleicht nur fünf Minuten – auf das Jahr gerechnet ist das die Arbeitszeit einer halben Stelle, die einfach verpufft.

Die Falle der informellen Hierarchien

In einer gewachsenen Struktur bilden sich oft informelle Machtgefüge. Die Dienstälteste entscheidet, wie der Hase läuft, auch wenn ihre Methode aus dem Jahr 1995 stammt. Wer hier nicht als Inhaber eingreift und klare Standards setzt, verliert die Kontrolle über die Betriebskosten. Standards bedeuten nicht Gängelung, sondern Sicherheit. Ein standardisierter Prozess beim Blutabnehmen oder bei der Dokumentation spart pro Patient vielleicht nur sechzig Sekunden, aber bei sechzig Patienten am Tag ist das eine volle Stunde Arbeitszeit, die man für sinnvollere Dinge nutzen kann.

Die falsche Kalkulation von Privatpatienten und Kassenleistungen

Ich sehe oft, dass Praxen versuchen, ihren Umsatz durch eine künstliche Bevorzugung von Privatpatienten zu steigern, während sie das Grundgeschäft – die Kassenpatienten – vernachlässigen. Das ist betriebswirtschaftlicher Selbstmord auf Raten. Eine gesunde Praxis braucht die Masse der gesetzlich Versicherten als Basis, um die Fixkosten zu decken. Wenn man die Abläufe für Kassenpatienten so ineffizient gestaltet, dass sie das System verstopfen, bringt auch der lukrativste Privatpatient am Ende des Tages keinen echten Gewinn mehr, weil er in einer Praxis sitzt, die nach Chaos riecht.

Ein echter Vorher-Nachher-Vergleich macht das deutlich.

Vorher: Die Praxis nimmt jeden Patienten an, der anruft. Die Termine werden gequetscht. Die Wartezeit beträgt im Schnitt 50 Minuten. Die Ärzte sind gestresst, machen Fehler bei der Abrechnung und vergessen Ziffern, die bares Geld wert sind. Am Ende des Quartals wundert man sich, warum trotz vollem Wartezimmer das Konto nicht so aussieht wie erhofft.

Nachher: Man führt eine strikte Triage am Telefon ein. Akutfälle werden in feste Zeitfenster morgens und nachmittags gelegt. Vorsorgeuntersuchungen bekommen längere Vorlaufzeiten. Die Wartezeit sinkt auf unter 15 Minuten. Weil die Ärzte nicht mehr hetzen müssen, dokumentieren sie präzise. Jede erbrachte Leistung wird sofort im System erfasst. Das Ergebnis: Weniger Überstunden, glücklichere Patienten und ein deutlich höherer Abrechnungswert pro Fall, weil nichts mehr „unter den Tisch fällt“.

Das unterschätzte Risiko der Materialverschwendung

In der Hektik des Alltags werfen Mitarbeiter oft Dinge weg, die noch verwendbar wären, oder bestellen Material auf Vorrat, das dann abläuft. Ich habe Schränke geöffnet, in denen Verbandsmaterial im Wert von zwei Monatsmieten lag, das seit drei Jahren abgelaufen war. Das ist totes Kapital. In einer modernen Praxis muss die Lagerhaltung so schlank sein wie in einem Autowerk. Just-in-time ist hier das Stichwort. Wer keine Inventurlisten führt und keinen Verantwortlichen für den Einkauf benennt, der auch auf die Preise achtet, verliert monatlich dreistellige Beträge durch pure Nachlässigkeit.

Es geht hier nicht um Geiz. Es geht um Professionalität. Wenn ich sehe, dass teure Desinfektionsmittel literweise verschwendet werden, weil die Dosieranlage kaputt ist und keiner Bescheid sagt, dann ist das ein Managementfehler. In meiner Erfahrung ist die Summe dieser kleinen Nachlässigkeiten oft der Unterschied zwischen einer Praxis, die gerade so überlebt, und einer, die investieren kann.

Kommunikation ist kein weicher Faktor sondern eine harte Währung

Wenn das Team nicht weiß, was der Plan für den Tag ist, herrscht Chaos. Viele Praxen verzichten auf das morgendliche fünfminütige Briefing, weil sie denken, sie hätten keine Zeit dafür. Das Gegenteil ist der Fall. Ohne Briefing rennen alle planlos los. Wer ist heute für die Notfall-Patienten zuständig? Wer macht die DMP-Dokumentation? Wenn diese Fragen erst geklärt werden, wenn das Problem schon im Flur steht, ist es zu spät.

Ein funktionierender Informationsfluss bedeutet auch, dass Kritik sofort geäußert werden darf. Wenn eine MFA merkt, dass ein Arzt ständig die Zimmerbelegung durcheinanderbringt, muss das angesprochen werden. In vielen traditionellen Praxen herrscht aber noch ein Götter-in-Weiß-Denken, das konstruktive Kritik im Keim erstickt. Das kostet Effizienz. Ein Arzt, der seine eigenen Prozesse nicht kritisch hinterfragen lässt, ist ein Klotz am Bein der wirtschaftlichen Entwicklung seiner eigenen Unternehmung.

Die Abrechnungsfalle und warum du Geld verschenkst

Der größte Fehler passiert am Ende des Quartals. Man schaut über die Abrechnung und stellt fest, dass man viele Leistungen gar nicht kodiert hat. Warum? Weil die Dokumentation während der Behandlung lückenhaft war. Wer denkt, er könne sich am Freitagabend an alles erinnern, was er am Montag gemacht hat, belügt sich selbst.

Man muss die Abrechnung als Teil der Behandlung begreifen. Jede Ziffer, die man nicht sofort einträgt, ist verlorenes Geld. Ich habe Praxen beraten, die durch eine konsequente Umstellung auf Sofort-Dokumentation ihren Umsatz um 15 Prozent gesteigert haben – bei gleicher Patientenanzahl. Das ist kein Hexenwerk, das ist Disziplin. Wer diese Disziplin nicht aufbringt, arbeitet für die Krankenkassen umsonst.

Der Realitätscheck für den Praxiserfolg

Wer glaubt, eine Praxis liefe von alleine, sobald die Tür aufgeschlossen wird, hat den Bezug zur Realität verloren. Erfolg in diesem Bereich ist kein Zufallsprodukt medizinischer Brillanz, sondern das Ergebnis von fast schon militärischer Disziplin bei den Abläufen. Es gibt keine Abkürzung. Wenn du nicht bereit bist, dich mit den unsexy Details der Materialbeschaffung, der Terminlogistik und der kodierten Abrechnung zu beschäftigen, wirst du immer nur dem Stress hinterherlaufen.

Du wirst Mitarbeiter verlieren, die keine Lust mehr auf das tägliche Feuerlöschen haben. Du wirst Patienten haben, die schlechte Bewertungen schreiben, nicht weil die Behandlung schlecht war, sondern weil sie sich wie eine Nummer in einem schlecht organisierten Verschiebebahnhof gefühlt haben. Eine Praxis zu führen bedeutet, ein Unternehmen zu führen. Wer das verstanden hat, hört auf zu hoffen und fängt an zu steuern. Es braucht harte Arbeit an den Prozessen, jeden einzelnen Tag. Wer dazu nicht bereit ist, sollte lieber Angestellter bleiben, denn die Selbstständigkeit im Gesundheitswesen verzeiht keine Schlamperei bei der Organisation. Es ist nun mal so: Struktur schlägt Talent, jedes Mal.

TS

Thomas Schäfer

Thomas Schäfer verfolgt politische und soziale Debatten mit kritischem Blick und journalistischer Verantwortung.