von rerik nach kühlungsborn mit dem fahrrad

von rerik nach kühlungsborn mit dem fahrrad

Wer die Ostsee wirklich spüren will, muss den Sattel besteigen. Es bringt nichts, nur am Strand zu liegen und auf die Wellen zu starren. Man braucht die Bewegung, den wechselnden Untergrund und diesen ganz speziellen Geruch aus Salz und Kiefernnadeln. Eine der besten Strecken an der mecklenburgischen Küste ist die Tour Von Rerik Nach Kühlungsborn Mit Dem Fahrrad, weil sie zwei völlig unterschiedliche Welten verbindet. Auf der einen Seite das fast schon verschlafene, einstige Fischerdorf Rerik mit seinem Haff und der Steilküste. Auf der anderen Seite das mondäne Kühlungsborn mit seiner prachtvollen Bäderarchitektur und der kilometerlangen Promenade. Diese etwa 12 bis 15 Kilometer lange Strecke ist kein bloßer Radweg, sondern ein Querschnitt durch die Seele der Region. Man merkt schnell, dass der Wind hier oben der eigentliche Chef ist. Er entscheidet, ob die Fahrt ein entspannter Gleitflug oder ein harter Kampf gegen die unsichtbare Mauer wird. Ich habe diese Strecke oft genug bei jedem Wetter zurückgelegt, um zu wissen: Die richtige Vorbereitung macht den Unterschied zwischen einem Urlaubshighlight und purem Frust.

Warum die Strecke Von Rerik Nach Kühlungsborn Mit Dem Fahrrad ein Muss ist

Die Route führt direkt am Meer entlang. Das klingt erst einmal simpel. Aber wer schon einmal auf dem Ostseeküsten-Radweg unterwegs war, weiß, dass die Qualität der Wege stark schwankt. Hier zwischen dem Salzhaff und dem größten Ostseebad Mecklenburgs findest du jedoch eine Infrastruktur, die funktioniert. Das Gelände ist abwechslungsreich. Du startest in Rerik, wo die Ostsee und das Salzhaff nur durch eine schmale Landzunge getrennt sind. Das ist eine geologische Besonderheit, die man so selten findet. Der Blick schweift über das ruhige Wasser des Haffs, während man im Rücken das Grollen der offenen See hört. Entdecken Sie mehr zu einem ähnlichen Thema: diesen verwandten Artikel.

Der Weg führt dich durch Küstenwälder, die im Sommer den nötigen Schatten spenden. Diese Wälder sind urwüchsig. Die Bäume, oft „Windflüchter“ genannt, neigen sich landeinwärts, gezeichnet von Jahrzehnten voller Nordweststürme. Es ist keine sterile Parklandschaft. Es riecht nach feuchter Erde und Salz. Man begegnet anderen Radlern, meist mit einem kurzen Gruß, aber es wird nie so voll, dass man sich wie auf einer Autobahn fühlt. Zumindest dann nicht, wenn man die Stoßzeiten im Hochsommer meidet.

Ein wichtiger Aspekt ist die Steilküste. Zwischen den beiden Orten erhebt sich das Gelände. Das bedeutet für dich: Du hast Aussichtspunkte, die dir den Atem rauben. Man blickt weit über die Mecklenburger Bucht. Bei klarer Sicht sieht man die Schiffe am Horizont, die Richtung Skandinavien ziehen. Wer hier nicht kurz anhält, hat den Sinn des Radfahrens nicht verstanden. Es geht nicht um die Durchschnittsgeschwindigkeit. Es geht darum, den Moment zu greifen, in dem die Sonne das Wasser in glitzerndes Silber verwandelt. Reisereporter hat dieses bedeutende Thema ausführlich analysiert.

Die beste Reisezeit für die Küstentour

Frühling und Herbst sind die heimlichen Favoriten. Im Mai blüht der Raps im Hinterland. Das Gelb knallt so richtig gegen das Blau des Himmels. Die Luft ist noch kühl, aber die Sonne hat schon Kraft. Im September wiederum ist das Wasser der Ostsee noch warm vom Sommer. Die großen Touristenströme sind weg. Man hat den Weg fast für sich. Im Hochjuli kann es eng werden. Da teilen sich E-Bikes, Familien mit Anhängern und ambitionierte Rennradfahrer die schmalen Pfade. Wer im Sommer fährt, sollte früh starten. Vor neun Uhr morgens gehört die Küste dir.

Ausrüstung und Bodenbeschaffenheit

Man braucht kein High-End-Mountainbike. Ein solides Trekkingrad reicht völlig aus. Die Wege sind teilweise asphaltiert, teilweise bestehen sie aus festem Schotter oder wassergebundener Decke. In den Waldstücken gibt es hin und wieder Wurzeln, die den Asphalt aufbrechen. Da muss man aufpassen. Wer mit dem Rennrad und 23mm-Reifen unterwegs ist, wird fluchen. Ein bisschen Profil und eine Reifenbreite ab 35mm sind definitiv angenehmer.

Vergiss das Flickzeug nicht. Der Ostseeküsten-Radweg ist berühmt für seine kleinen, scharfen Feuersteine. Die können einen Reifen schnell mal perforieren. Auch eine Windjacke gehört in die Tasche, selbst wenn es am Strand nach 25 Grad aussieht. Der Fahrtwind kühlt aus. Oben auf der Klippe zieht es immer. Ich habe schon Leute gesehen, die in Badehose losgefahren sind und zitternd in Kühlungsborn ankamen. Das ist kein Spaß.

Die Route im Detail von West nach Ost

Der Start in Rerik ist spektakulär. Man beginnt am besten am Haffplatz. Dort kann man sich noch einmal umschauen. Das Salzhaff ist ein Naturschutzgebiet von europäischem Rang. Laut dem Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern bietet diese Flachwasserzone lebenswichtige Rückzugsräume für seltene Vogelarten. Man verlässt Rerik in Richtung Osten. Der Weg steigt leicht an. Man lässt die letzten Häuser hinter sich und taucht ein in die offene Landschaft.

Rechts liegen weite Felder, links blitzt immer wieder die Ostsee durch die Hecken. Der Weg ist hier gut markiert. Man folgt einfach der Beschilderung des Ostseeküsten-Radwegs. Nach ein paar Kilometern erreicht man die Siedlung Meschendorf. Hier gibt es Campingplätze, die sehr nah am Wasser liegen. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre. Wer hier eine Pause macht, kann direkt an den Strand hinuntergehen. Die Steilküste ist hier noch moderat, aber man bekommt einen Vorgeschmack auf das, was kommt.

Der Abschnitt zwischen Meschendorf und Kägsdorf ist das Herzstück. Hier wird es einsamer. Der Weg führt direkt oberhalb der Kliffkante entlang. Man sollte nicht zu nah an den Rand fahren. Die Erosion arbeitet ständig. Jedes Jahr bricht ein Stück der Küste ab. Das ist die raue Natur der Ostsee. In Kägsdorf angekommen, lohnt sich ein Abstecher zum Strandparkplatz. Dort stehen oft Surfer und Kiter. Die Bucht von Kägsdorf ist ein Hotspot für Wassersportler, weil der Wind hier besonders konstant einfällt.

Der Anstieg zum Bastorfer Leuchtturm

Wenn du Zeit und Beine hast, mach einen Umweg. Kurz vor Kühlungsborn zweigt ein Weg ab zum Leuchtturm Bastorf. Er heißt „Buk“ und ist einer der kleinsten Leuchttürme Deutschlands, steht aber auf einer der höchsten Erhebungen der Küste, dem Bastorfer Berg. Das ist eine Endmoräne aus der letzten Eiszeit. Der Anstieg ist knackig. Man kurbelt sich etwa 70 Höhenmeter hinauf. Oben wirst du belohnt. Der Blick reicht bei gutem Wetter bis nach Fehmarn oder zu den dänischen Inseln. Es gibt dort oben ein kleines Café. Der Kuchen ist hausgemacht und gibt die nötige Energie für den Endspurt.

Einfahrt in das Ostseebad Kühlungsborn

Nach der Abfahrt von Bastorf oder der Weiterfahrt auf dem Küstenweg erreichst du Kühlungsborn West. Der Kontrast ist sofort spürbar. Aus der Einsamkeit der Natur kommst du in ein belebtes Bad. Die Villen im Stil der Bäderarchitektur sind akribisch saniert. Weiße Fassaden, verspielte Balkone, Türmchen. Kühlungsborn ist lang gestreckt. Es gibt kein echtes Zentrum, sondern Kühlungsborn West und Kühlungsborn Ost. Dazwischen liegt der Stadtwald. Das ist ein riesiges Areal, durch das man wunderbar radeln kann. Die Luft dort ist eine Mischung aus Waldaroma und Meeresbrise.

Nicht verpassen: bubba gump shrimps new york

Praktische Tipps für unterwegs

Wer kein eigenes Rad dabei hat, findet in beiden Orten zahlreiche Verleihstationen. Die Preise liegen meist zwischen 10 und 15 Euro pro Tag für ein Trekkingrad. E-Bikes sind teurer, kosten oft um die 25 bis 30 Euro. In der Hauptsaison sollte man reservieren. Besonders in Rerik sind die Kapazitäten begrenzt. Wer spontan kommt, geht oft leer aus oder muss nehmen, was übrig bleibt – meist das Rad mit der quietschenden Kette.

Ein weiterer Punkt ist die Verpflegung. Pack dir Wasser ein. Es gibt auf der direkten Strecke zwischen den Orten kaum Einkaufsmöglichkeiten, außer man macht den Schlenker nach Bastorf oder nutzt die Kioske an den Campingplätzen. In Kühlungsborn hast du dann die volle Auswahl. Von der schnellen Fischsemmel am Hafen bis zum Gourmet-Restaurant ist alles dabei. Ich empfehle den Hafen von Kühlungsborn Ost. Dort kann man wunderbar sitzen, die Boote beobachten und die Tour Von Rerik Nach Kühlungsborn Mit Dem Fahrrad Revue passieren lassen.

Sicherheit auf dem Radweg

Es gibt Stellen, da ist der Weg schmal. Wenn dir eine Familie mit breitem Kinderanhänger entgegenkommt, musst du defensiv fahren. Das gilt besonders im Wald bei Kühlungsborn. Dort sind auch viele Fußgänger unterwegs. Klingeln hilft, aber bitte freundlich. Nichts ist nerviger als Radfahrer, die sich den Weg freischreien. Ein kurzes „Danke“ beim Überholen erhält den Frieden.

Achte auch auf den Untergrund in den Kurven. Sandverwehungen sind an der Küste normal. Wenn du mit zu viel Speed in eine sandige Kurve gehst, rutscht das Vorderrad weg. Das tut weh und ruiniert den Urlaub. Besonders nach Stürmen liegt oft viel loses Material auf den Wegen. Die Gemeinden bemühen sich zwar um die Reinigung, aber sie können nicht überall gleichzeitig sein.

Die Rückfahrt planen

Du musst die Strecke nicht zweimal fahren. Wer keine Lust auf den Rückweg hat, kann den Bus nehmen. Die Linie 121 verkehrt zwischen Kühlungsborn und Rerik. Viele Busse haben in der Saison Fahrradträger am Heck. Das ist eine bequeme Lösung, wenn die Beine schwer werden oder das Wetter umschlägt. Eine andere Option ist der „Molli“. Die historische Dampflok fährt zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan. Von dort aus ist es allerdings ein ordentlicher Umweg zurück nach Rerik. Aber eine Fahrt mit der Schmalspurbahn ist ein Erlebnis für sich. Die Informationen zu den Fahrplänen und zur Fahrradmitnahme findet man direkt bei der Mecklenburgischen Bäderbahn Molli.

Kultur und Sehenswürdigkeiten am Wegesrand

In Rerik solltest du dir die St.-Johannes-Kirche ansehen. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist ein typisches Beispiel für die norddeutsche Backsteingotik. Die Malereien im Inneren sind beeindruckend gut erhalten. Es ist ein Ort der Ruhe, bevor man sich in den Wind stürzt. Direkt daneben liegt das Heimatmuseum. Es ist klein, aber es erzählt die Geschichte der Region sehr anschaulich. Man lernt viel über die Fischerei und wie die Menschen hier früher gelebt haben, bevor der Tourismus alles dominierte.

In Kühlungsborn ist die Seebrücke in Kühlungsborn Ost das Ziel vieler Radler. Sie ragt 240 Meter weit in die Ostsee. Man kann dort sein Rad abstellen und bis vor ans Ende laufen. Man steht mitten im Wasser, die Wellen klatschen gegen die Pfeiler, und man spürt die Unendlichkeit des Meeres. Es ist der perfekte Ort für ein Abschlussfoto.

Naturphänomene beobachten

Halt die Augen offen für die Tierwelt. Im Salzhaff sieht man oft Kormorane, die ihre Flügel in der Sonne trocknen. Auch Graureiher stehen regungslos im flachen Wasser und warten auf Beute. In den Feldern rund um Bastorf kann man mit etwas Glück Rehe sehen, die am Waldrand äsen. Die Natur hier ist intakt, weil große Teile unter Schutz stehen. Das macht den Reiz aus. Es ist kein künstlicher Freizeitpark, sondern ein lebendiger Naturraum.

Was man vermeiden sollte

Fahr nicht auf der Landstraße. Die L12 verbindet Rerik und Kühlungsborn auch, aber dort herrscht viel Verkehr. Die Autos fahren schnell, und es gibt kaum Seitenstreifen. Es ist gefährlich und laut. Bleib auf dem Küstenradweg. Er ist vielleicht ein bisschen länger und anstrengender wegen der Steigungen, aber er ist sicher und unendlich viel schöner.

Ein weiterer Fehler ist die falsche Selbsteinschätzung. Wenn du seit drei Jahren nicht mehr auf dem Rad gesessen hast, sind 30 Kilometer (hin und zurück) plus die Steigung nach Bastorf eine Ansage. Übernimm dich nicht. Mach Pausen. Setz dich auf eine Bank an der Steilküste. Die Zeit läuft dir nicht davon. Der Weg ist das Ziel, auch wenn das wie eine hohle Phrase klingt – hier stimmt es einfach.

Die Bedeutung des Küstenschutzes

Während du fährst, wirst du viele Buhnen im Wasser sehen. Das sind die Holzpfähle, die rechtwinklig zum Strand verlaufen. Sie sind kein Designelement, sondern überlebenswichtig. Sie brechen die Wellenenergie und verhindern, dass der Sand weggespült wird. Das Land investiert Millionen in diese Bauwerke. Das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt koordiniert diese Maßnahmen. Ohne diesen Schutz gäbe es viele der Wege, auf denen du heute fährst, gar nicht mehr. Die Ostsee ist ein hungriges Meer, sie nimmt sich ständig Land zurück.

Vorbereitung ist alles

Bevor du loslegst, check dein Rad. Luftdruck, Bremsen, Kette ölen. Nimm genug zu trinken mit, mindestens einen Liter pro Person. Ein paar Riegel oder ein Apfel schaden auch nicht. Und ganz wichtig: Sonnenschutz. Auf dem Rad merkst du die Hitze wegen des Fahrtwinds nicht, aber die UV-Strahlung ist an der See extrem hoch durch die Reflexion des Wassers. Ich habe schon die schlimmsten Sonnenbrände bei Radfahrern gesehen, die dachten, bei einer kühlen Brise passiert nichts.

Navigationshilfen

Die Beschilderung ist eigentlich so gut, dass man keine Karte braucht. Wer trotzdem sichergehen will, nutzt Apps wie Komoot oder Outdooractive. Die Wege sind dort alle präzise eingetragen. Aber ehrlich gesagt: Verfahre dich ruhig mal. Die kleinen Stichwege zum Strand oder ins Hinterland führen oft zu den schönsten Ecken, die in keinem Reiseführer stehen. Solange du das Meer links oder rechts von dir hast, kannst du nicht wirklich verloren gehen.

Dein nächster Schritt zur perfekten Tour

Jetzt hast du alle Fakten. Du weißt, wo es langgeht, worauf du achten musst und was du unterwegs erleben kannst. Der nächste Schritt ist die Umsetzung.

  1. Prüfe den Wetterbericht für die nächsten Tage. Achte besonders auf die Windrichtung. Westwind schiebt dich von Rerik nach Kühlungsborn. Ostwind macht die Fahrt zur Trainingseinheit.
  2. Check dein Fahrrad oder reserviere rechtzeitig ein Leihrad in einem der örtlichen Shops.
  3. Packe eine Tasche mit Wasser, Windjacke und Sonnenschutz.
  4. Starte früh am Morgen, um die Einsamkeit der Steilküste zu genießen.
  5. Plane Zeit für den Bastorfer Leuchtturm ein – der Ausblick ist die Mühe wert.

Die Ostsee wartet nicht. Die Wege sind bereit. Es gibt keinen Grund, noch länger zu warten. Schwing dich auf das Rad und entdecke dieses Stück Küste auf die einzige Art, die wirklich zählt: aus eigener Kraft und mit dem Wind im Gesicht. Es ist eine einfache Tour, die aber lange im Gedächtnis bleibt, weil sie die Essenz von Mecklenburg-Vorpommern einfängt. Einfach losfahren. Der Rest ergibt sich von selbst.

SB

Stefan Braun

Stefan Braun hat für verschiedene Online-Redaktionen gearbeitet und steht für Qualitätsjournalismus mit Substanz.