warum wurde die afd gegründet

warum wurde die afd gegründet

Wer heute auf die deutsche Parteienlandschaft blickt, sieht eine Organisation, die das Land polarisiert wie kaum eine andere seit Bestehen der Bundesrepublik. Doch der Ursprung dieser Bewegung hat wenig mit den heutigen hitzigen Debatten über Migration oder nationale Identität zu tun. Wenn man sich die Frage stellt, Warum Wurde Die AfD Gegründet, landet man unweigerlich im Jahr 2013 und bei einer tiefen Krise der europäischen Währung. Es war kein Aufstand der Straße, sondern ein Aufstand der Professoren. Ökonomen und Juristen saßen in ihren Büros und sahen fassungslos zu, wie die damalige Bundesregierung unter Angela Merkel Rettungsschirme für überschuldete EU-Staaten aufspannte. Sie sahen das Recht gebrochen. Sie sahen ihr Geld schwinden. Sie wollten eine Alternative zu einer Politik, die von der Kanzlerin als alternativlos deklariert wurde.

Die Geburtsstunde aus dem Geist der Anti-Euro-Bewegung

Der eigentliche Funke zündete in einem Klima der finanziellen Unsicherheit. Man muss sich das Szenario in den frühen 2010er Jahren vor Augen führen. Die Finanzkrise 2008 steckte allen noch in den Knochen. Dann kam Griechenland. Plötzlich stand das gesamte Projekt der europäischen Einheitswährung auf der Kippe. Berlin entschied sich für die Rettung. "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa", hieß es damals. Das war das Mantra der Macht.

Genau hier setzte die Kritik an. Eine Gruppe um den Hamburger Ökonomieprofessor Bernd Lucke, den Publizisten Konrad Adam und den ehemaligen CDU-Politiker Alexander Gauland wollte das nicht hinnehmen. Sie empfanden die Hilfspakete als Verstoß gegen die No-Bail-out-Klausel der europäischen Verträge. Diese besagt eigentlich, dass kein Land für die Schulden eines anderen haftet.

Das Treffen im Oberurseler Rathaus

Im Februar 2013 kamen die ersten Unterstützer zusammen. Es war eine Versammlung von Menschen in Anzügen. Krawatten saßen akkurat. Die Sprache war akademisch, fast schon trocken. Sie gründeten den Verein "Wahlalternative 2013". Das Ziel war simpel: Bei der anstehenden Bundestagswahl eine parlamentarische Kraft zu bilden, die den Ausstieg aus dem Euro oder zumindest eine radikale Reform fordert. Aus diesem Verein ging nur wenige Wochen später die Partei hervor.

Warum Wurde Die AfD Gegründet als Antwort auf die Alternativlosigkeit

Die Rhetorik der damaligen Regierung wirkte auf viele Bürger wie ein Diktat. Wenn eine Regierungschefin behauptet, es gäbe zu einem komplexen finanzpolitischen Vorgang keine andere Möglichkeit, schrillen bei Demokraten die Alarmglocken. Die Neugründung war also auch eine Reaktion auf einen wahrgenommenen Mangel an Diskurs. Die Gründer wollten den Wettbewerb der Ideen zurückbringen. Sie fühlten sich von der Union, der CDU, nicht mehr vertreten. Die CDU war unter Merkel weit in die Mitte gerückt. Konservative und marktwirtschaftlich-liberale Positionen lagen plötzlich brach. Die neue Partei besetzte diese Lücke sofort.

Die Rolle der akademischen Elite

Man darf nicht vergessen, wie prominent die Liste der Erstunterzeichner war. Es waren nicht die Unzufriedenen vom Rand der Gesellschaft. Es waren Leute mit Titeln. Joachim Starbatty, Wilhelm Hankel, Karl Albrecht Schachtschneider – alles Namen, die in der wirtschaftswissenschaftlichen und juristischen Welt Gewicht hatten. Diese Männer hatten bereits vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den Euro geklagt. Sie scheiterten in Karlsruhe, aber sie gewannen in der öffentlichen Wahrnehmung an Profil.

Ihre Argumentation war logisch aufgebaut. Sie warnten vor einer Transferunion. Sie hatten Angst, dass deutsche Sparer für die Versäumnisse südeuropäischer Regierungen bluten müssten. Das zog. Besonders im bürgerlichen Milieu. Wer sein Leben lang für ein Häuschen und eine kleine Rente gearbeitet hatte, bekam Angst. Die Gründer gaben dieser Angst eine intellektuelle Fassade.

Der Wandel vom Euro zum Volk

Wer die heutige Partei verstehen will, muss den Bruch sehen. In den ersten zwei Jahren war das Thema Nummer eins die Währung. Doch schon bald merkten einige Akteure, dass man mit Zinssätzen und Staatsanleihen allein keine Massen bewegt. Man braucht Emotionen. Und man braucht Themen, die den Alltag der Leute noch direkter berühren.

Bereits 2014, bei den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg, änderte sich der Ton. Die Partei thematisierte Kriminalität im Grenzgebiet und Familienwerte. Sie wurde zur Auffangstation für alle, die mit der rasanten Modernisierung der Gesellschaft nicht Schritt halten wollten. Es ging um Identität. Die "Professorenpartei" begann zu bröckeln.

Der Essener Parteitag 2015

Dies war der Moment, in dem die ursprüngliche Antwort auf die Frage, Warum Wurde Die AfD Gegründet, fast schon obsolet wurde. Im Juli 2015 kam es zum Showdown in Essen. Bernd Lucke, das Gesicht der Euro-Kritik, wurde faktisch gestürzt. Frauke Petry übernahm. Das war der Sieg des nationalkonservativen Flügels über die wirtschaftsliberalen Akademiker.

Lucke verließ die Partei kurz darauf. Mit ihm gingen viele der Gründerväter. Sie sagten, die Partei sei nun in die Hände von Leuten gefallen, mit denen sie nichts zu tun haben wollten. Aber die Wählerzahlen stiegen weiter. Die Flüchtlingskrise im Spätsommer 2015 wirkte wie ein Brandbeschleuniger. Die Partei hatte nun ihr neues Kernthema gefunden. Die Währungskritik wanderte in die zweite Reihe.

Ein Blick auf die politischen Auswirkungen

Die Gründung hat das deutsche Parteiensystem nachhaltig erschüttert. Jahrzehntelang galt das Credo, dass es rechts von der Union keine demokratisch legitimierte Kraft geben darf. Dieses Gesetz von Franz Josef Strauß wurde pulverisiert. Die CDU verlor Millionen von Wählern an die Neugründung. Das zwang die etablierten Parteien zu schmerzhaften Anpassungen.

Stimmen aus der Forschung, wie etwa vom Institut für Wirtschaftsforschung, analysierten früh, dass die ökonomische Unzufriedenheit oft nur der Vorbote für kulturelle Abgrenzung ist. Die Partei nutzte diesen Mechanismus perfekt aus. Sie bespielte die sozialen Medien mit einer Aggressivität, die man in Deutschland bis dahin nicht kannte.

Warum die Basis stabil blieb

Trotz interner Machtkämpfe, Abspaltungen und Beobachtungen durch den Verfassungsschutz blieb die Partei stabil. Warum? Weil sie ein Vakuum füllte. Viele Menschen im Osten Deutschlands fühlten sich von der Berliner Politik herabgesetzt. Sie hatten das Gefühl, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. Ob es um den Ausstieg aus der Braunkohle ging oder um die Schließung von Krankenhäusern auf dem Land – die Partei war da und hörte zu.

Man kann das Programm kritisieren. Man kann die Rhetorik hassen. Aber man muss anerkennen, dass die Gründung ein Symptom für eine tiefe Entfremdung war. Diese Entfremdung ist nicht verschwunden. Sie hat sich nur ein neues Ventil gesucht. Die ursprüngliche Motivation der Euro-Rettung war lediglich der Türöffner.

Der Einfluss der Medien

Die Medien spielten eine paradoxe Rolle. Durch die ständige Berichterstattung, oft geprägt von Empörung, erhielt die junge Partei eine enorme Reichweite. Jede Provokation wurde mit einem Sendeplatz in Talkshows belohnt. Das half beim schnellen Wachstum. Die Parteistrategen lernten schnell, wie man das System nutzt. Sie setzten Themen, die andere Parteien dann mühsam abarbeiten mussten.

Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet umfangreiche Analysen dazu an, wie sich die Wählerschaft über die Jahre zusammensetzte. Es ist eben nicht nur der klassische Protestwähler. Es sind Menschen aus allen Schichten. Vom Facharbeiter bis zum mittelständischen Unternehmer. Sie alle eint das Gefühl, dass der Staat seine Kernaufgaben vernachlässigt, während er sich um globale Probleme kümmert.

Regionale Unterschiede in der Wahrnehmung

Es gibt ein massives Gefälle zwischen Ost und West. In den neuen Bundesländern wird die Partei oft als eine Art Regionalpartei wahrgenommen, die die Interessen der Ostdeutschen gegen ein "West-Establishment" verteidigt. Das ist ironisch, wenn man bedenkt, dass fast alle Gründungsmitglieder und Spitzenleute Westdeutsche sind. Doch das Narrativ funktioniert. In Bundesländern wie Sachsen oder Thüringen ist sie längst eine Volkspartei geworden.

Die ökonomische Komponente heute

Interessanterweise kehrt das Thema Geld gerade wieder zurück. Die Inflation der letzten Jahre hat die alten Ängste der Euro-Kritiker neu befeuert. Wenn die Preise für Butter und Heizöl steigen, erinnern sich die Wähler an die Warnungen vor der "Geldentwertung" aus den Gründertagen. Auch wenn die Zusammenhänge komplexer sind als dargestellt, ist die Botschaft simpel: "Wir haben es euch gesagt."

Die Partei profitiert von einer permanenten Krisenstimmung. Ob Pandemie, Energiekrise oder Ukraine-Krieg – für jede Situation wird eine Position eingenommen, die diametral zum Regierungskurs steht. Das sichert die Aufmerksamkeit. Es schafft ein Gefühl der Zusammengehörigkeit unter denen, die sich "dagegen" definieren.

Die Organisation hinter der Bewegung

Hinter den Kulissen hat sich die Struktur professionalisiert. Aus dem lockeren Verbund von Professoren ist ein Apparat geworden. Es gibt Think Tanks, Stiftungen und ein engmaschiges Netz an lokalen Verbänden. Die Partei ist in den Kommunalparlamenten angekommen. Sie gestaltet dort den Alltag mit. Das macht es für die Konkurrenz so schwer, sie einfach zu ignorieren oder auszugrenzen.

Man sieht das an den Debatten im Bundestag. Die Geschäftsordnung wurde mehrmals geändert, um bestimmte Positionen der Partei zu verhindern. Doch das zahlt oft nur auf das Image der "Opferrolle" ein. Die Anhänger sehen darin eine Bestätigung, dass das System sie fürchtet. Es ist ein Teufelskreis aus Provokation und Ausgrenzung.

Was man aus der Geschichte lernen muss

Die Gründung lehrt uns vor allem eines: Politische Räume bleiben nie lange leer. Wenn eine große Volkspartei wie die CDU ihre rechte Flanke aufgibt, wird jemand anderes diesen Platz einnehmen. Das ist ein Naturgesetz der Politik. Die Arroganz der Macht, Themen für "alternativlos" zu erklären, rächt sich fast immer.

Man hätte die Euro-Kritik der Anfangstage ernsthafter diskutieren müssen. Stattdessen wurden die Kritiker oft vorschnell in eine Ecke gestellt. Das hat die Radikalisierung eher gefördert als verhindert. Viele der gemäßigten Gründungsmitglieder hätten vielleicht in der Partei gehalten werden können, wenn der Dialog sachlicher verlaufen wäre. Jetzt ist dieser Zug abgefahren.

Der Blick in die Zukunft

Die Partei wird so schnell nicht verschwinden. Sie hat sich in das Bewusstsein der Deutschen eingebrannt. Ihre Themen haben die Agenda der anderen Parteien verändert. Selbst die SPD und die Grünen müssen sich heute zu Fragen der Migration und der inneren Sicherheit viel klarer positionieren als noch vor zehn Jahren. Die Neugründung hat den Diskurs verschoben. Was früher unsagbar war, ist heute normaler Bestandteil jeder Talkshow.

Es bleibt die Frage, wie sich die interne Dynamik weiterentwickelt. Wird die Partei noch radikaler? Oder wird sie versuchen, Regierungsverantwortung zu übernehmen? Letzteres würde sie vor eine Zerreißprobe stellen. Denn Opposition ist einfach. Regieren bedeutet Kompromisse. Und Kompromisse sind bei der eigenen Basis verpönt.

Praktische Schritte für einen sachlichen Umgang

Wenn du dich tiefer mit der Materie beschäftigen willst, solltest du nicht nur die Schlagzeilen lesen. Hier sind ein paar Ansätze, um das Phänomen besser zu durchdringen:

  1. Protokolle lesen. Schau dir die Bundestagsreden im Original an, etwa über die Website des Deutschen Bundestages. Vergleiche die Redebeiträge mit der Berichterstattung. Oft liegen Welten dazwischen.
  2. Wahlprogramme studieren. Geh weg von den Talkshow-Schnipseln. Was steht schwarz auf weiß im Programm? Besonders die wirtschaftspolitischen Abschnitte zeigen oft noch die Wurzeln der Gründungszeit, während die gesellschaftspolitischen Teile die neue Ausrichtung betonen.
  3. Lokale Arbeit beobachten. Wie agiert die Partei in deiner Stadt oder deinem Landkreis? Oft gibt es einen großen Unterschied zwischen der harten Rhetorik in Berlin und der praktischen Arbeit vor Ort.
  4. Statistiken prüfen. Nutze Quellen wie das Statistische Bundesamt, um Behauptungen über Wirtschaft, Migration oder Kriminalität selbst zu verifizieren. Zahlen lügen nicht, aber sie werden oft einseitig interpretiert.
  5. Diskurs suchen. Rede mit Menschen, die diese Partei wählen. Frag nach ihren Gründen, ohne sofort zu werten. Oft wirst du feststellen, dass die Motivationen vielschichtiger sind als "einfacher Protest". Es geht meist um tief sitzende Enttäuschungen über die etablierte Politik.

Die Geschichte zeigt, dass politische Bewegungen kommen und gehen. Aber die Ursachen für ihre Entstehung müssen gelöst werden, sonst kommen sie in anderer Form wieder. Die Euro-Krise war der Auslöser. Die Unzufriedenheit ist der Treibstoff. Wer die Zukunft der deutschen Demokratie gestalten will, muss diese Mechanismen verstehen und bessere Angebote machen. Nur so lässt sich der politische Wettbewerb wieder auf eine sachliche Ebene heben. Es geht nicht um Vernichtung des Gegners, sondern um das Ringen um die beste Lösung für das Land. Das ist mühsam. Aber es ist der einzige Weg, der dauerhaft funktioniert.

SB

Stefan Braun

Stefan Braun hat für verschiedene Online-Redaktionen gearbeitet und steht für Qualitätsjournalismus mit Substanz.