young lesbian and old lesbian

young lesbian and old lesbian

Ich stand vor drei Jahren in einem gemieteten Gemeindesaal in Berlin-Schöneberg und sah zu, wie ein Projekt, das sechs Monate Planung und knapp 15.000 Euro Fördergelder gekostet hatte, innerhalb von zwei Stunden in sich zusammenfiel. Die Idee war eigentlich simpel: Ein moderiertes Austauschprogramm unter dem Titel Young Lesbian and Old Lesbian, um Brücken zwischen den Generationen zu bauen. Die Jüngeren wollten von den Kämpfen der 70er Jahre hören, die Älteren wollten verstehen, was es mit den neuen Identitätsbegriffen auf sich hatte. Doch statt Dialog gab es eisiges Schweigen und schließlich Tränen. Der Fehler war klassisch: Wir hatten angenommen, dass eine gemeinsame sexuelle Orientierung ausreicht, um kulturelle Gräben von vierzig Jahren zu überspringen, ohne die völlig unterschiedliche Sprache der Beteiligten zu berücksichtigen. Es hat mich Wochen gekostet, die Scherben aufzusammeln, und heute weiß ich, dass dieser kostspielige Fehler vermeidbar gewesen wäre, wenn wir nicht so naiv an die Dynamik herangegangen wären.

Die Illusion der universellen Sprache bei Young Lesbian and Old Lesbian

Der größte Irrtum, den ich immer wieder sehe, ist die Annahme, dass Begriffe für alle das Gleiche bedeuten. In meiner Praxis habe ich erlebt, wie eine Frau in ihren 70ern den Begriff „queer“ als zutiefst beleidigendes Schimpfwort empfand, während die 20-jährige Studentin gegenüber ihn als stolze Selbstbezeichnung nutzte. Wenn man ein Format wie Young Lesbian and Old Lesbian aufzieht, ohne vorher eine „begriffliche Quarantäne“ durchzuführen, provoziert man einen Frontalzusammenstoß.

Das kostet Zeit. Viel Zeit. In dem erwähnten Szenario verbrachten wir die ersten drei Sitzungen nur damit, Verletzungen zu heilen, die durch bloße Wortwahl entstanden waren. Die Lösung ist nicht, eine Liste mit erlaubten Wörtern zu diktieren. Das funktioniert im echten Leben nicht. Die Lösung ist, in den ersten Treffen gar nicht über Identität zu sprechen, sondern über konkrete Alltagserfahrungen. Wer direkt mit den großen philosophischen oder politischen Labels einsteigt, baut Mauern auf, statt sie einzureißen. Ich habe gelernt, dass man den Fokus auf Handlungen legen muss: Was hast du getan, als du diskriminiert wurdest? Wie hast du deine erste Wohnung gefunden? Das schafft eine Verbindung, die jenseits von Vokabeln funktioniert.

Warum das Fehlen von klaren Grenzen die Dynamik zerstört

Ein weiterer Fehler, der Projekte regelmäßig gegen die Wand fährt, ist die falsche Annahme von Symmetrie. Man denkt, beide Seiten geben und nehmen gleichermaßen. Das ist Unsinn. In der Realität gibt es oft ein massives Ungleichgewicht in Sachen emotionaler Arbeit. Oft kommen die Jüngeren mit einem Bedürfnis nach Validierung und Mentorenschaft, während die Älteren oft einfach nur gesehen werden wollen, ohne ständig als „historisches Archiv“ herhalten zu müssen.

Wenn man diese Rollen nicht explizit anspricht, fühlen sich die älteren Teilnehmerinnen schnell wie Museumsstücke, die man nur für ihre Geschichten aus der „guten alten Zeit“ ausstellt. Die jüngeren hingegen fühlen sich belehrt, wenn die Älteren anfangen, Ratschläge zu geben, nach denen niemand gefragt hat.

Die Falle der unbezahlten Mentorenschaft

Ich sehe oft, dass Organisatoren erwarten, dass die Seniorinnen automatisch die Rolle der weisen Ratgeberinnen übernehmen. Das ist eine Form von Altersdiskriminierung. Viele dieser Frauen haben Jahrzehnte damit verbracht, sich um andere zu kümmern. Wenn sie sich in einem sozialen Raum bewegen, wollen sie vielleicht einfach nur Spaß haben und nicht schon wieder die Verantwortung für die emotionale Entwicklung einer 19-Jährigen tragen. Wer das nicht einplant, verliert seine erfahrenen Teilnehmerinnen nach spätestens zwei Treffen.

Der Vorher-Nachher-Vergleich in der Moderationspraxis

Schauen wir uns an, wie ein typisches Gespräch ohne und mit der nötigen praktischen Erfahrung abläuft.

Der falsche Ansatz (Vorher): Die Moderatorin bittet alle in einen Kreis und sagt: „Erzählt doch mal, was euch als Lesben heute bewegt.“ Eine ältere Frau erzählt von den Bars in den 80ern, die heute alle geschlossen sind. Eine jüngere Frau unterbricht sie und erklärt, dass Bars heute exklusiv seien und man lieber über Online-Räume reden sollte. Die ältere Frau fühlt sich entwertet, die jüngere unverstanden. Das Gespräch erstirbt. Die ältere Frau kommt nächste Woche nicht wieder, weil sie denkt, ihre Erfahrung sei „veraltet“.

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Der richtige Ansatz (Nachher): Die Moderatorin gibt ein konkretes Objekt vor, etwa ein altes Foto oder einen Zeitungsartikel. Die Aufgabe lautet: „Beschreibt, was Sicherheit für euch in diesem Kontext bedeutet hat.“ Die ältere Frau spricht über den Schutzraum der Bar, die jüngere über den Schutzraum ihrer digitalen Bubble. Plötzlich erkennt man die Gemeinsamkeit: Das Bedürfnis nach Sicherheit. Der Fokus verschiebt sich von der Methode (Bar vs. App) auf das Gefühl. Beide Seiten nicken. Es entsteht ein echtes Interesse am „Wie“ des anderen, statt einer Bewertung des „Was“. Das spart Stunden an unnötigen Rechtfertigungen und schafft eine Basis, auf der man tatsächlich arbeiten kann.

Die finanzielle Fehlkalkulation bei Community-Events

Wer denkt, dass solche Begegnungen kein Geld kosten, weil „alle ja das gleiche Ziel haben“, verrechnet sich gewaltig. Die größten Kostenstellen sind nicht die Raummiete oder der Kaffee. Es ist die Moderation und die Nachbereitung. Ein schlecht moderiertes Treffen zwischen Young Lesbian and Old Lesbian führt dazu, dass man danach mühsam Einzelgespräche führen muss, um die Wogen zu glätten. Das ist Arbeitszeit, die niemand bezahlt.

Ich habe Projekte gesehen, die 80 % ihres Budgets in schicke Flyer und Instagram-Werbung gesteckt haben, aber nur 20 % in Fachpersonal, das Gruppenprozesse versteht. Das ist ein Rezept für ein Desaster. Wenn du 5.000 Euro hast, steck 4.000 in jemanden, der weiß, wie man Konflikte zwischen Generationen moderiert, und druck den Flyer auf deinem Heimdrucker. Die Leute kommen wegen der Qualität der Begegnung, nicht wegen des Designs der Einladung. Wer hier spart, zahlt später mit dem Ruf seiner Organisation. In der Szene spricht sich Scheitern schnell herum. Wenn die ältere Generation das Gefühl hat, nur als Alibi-Publikum benutzt zu werden, kriegst du sie nie wieder an einen Tisch.

Die Wahrheit über den zeitlichen Aufwand

Glaub nicht, dass du in drei Monaten eine stabile Gruppe aufbaust. Das ist eine Lüge, die oft in Förderanträgen steht, um die Gelder zu bekommen. In meiner Erfahrung dauert es mindestens sechs bis neun Monate, bis das Misstrauen auf beiden Seiten so weit abgebaut ist, dass echte Verletzlichkeit möglich wird.

  1. Monat 1-2: Beschnuppern und vorsichtiges Abasten von Grenzen.
  2. Monat 3-4: Die ersten großen Konflikte über Sprache und politische Prioritäten.
  3. Monat 5-6: Die Phase, in der die Hälfte der Leute abspringen will, weil es anstrengend wird.
  4. Monat 7-9: Erst jetzt beginnt der eigentliche Austausch.

Wer diesen langen Atem nicht hat, sollte es gar nicht erst versuchen. Es ist besser, gar kein Projekt zu starten, als eines nach drei Monaten abzubrechen, wenn es gerade schwierig wird. Das hinterlässt bei den Teilnehmerinnen nur das Gefühl, dass ein Dialog ohnehin unmöglich ist.

Der Irrtum mit der digitalen Erreichbarkeit

Oft wird versucht, die Kommunikation über Tools wie Slack oder Discord zu regeln, weil das „effizient“ ist. Das ist der sicherste Weg, die ältere Generation auszuschließen. Selbst wenn viele von ihnen Smartphones nutzen, ist die Kultur dieser Plattformen oft abschreckend. Andererseits ist das Telefonieren für viele Jüngere ein rotes Tuch.

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Die Lösung, die bei mir funktioniert hat, war so banal wie effektiv: Ein klassischer E-Mail-Verteiler für die harten Fakten und persönliche Ansprache vor Ort für alles Zwischenmenschliche. Man darf keine Technologie erzwingen, nur weil sie modern wirkt. Wenn du die älteren Frauen erreichen willst, musst du dort sein, wo sie sind. Das bedeutet manchmal, Flyer in physischen Buchläden auszulegen oder bei etablierten Frauentreffs persönlich vorbeizugehen, statt nur eine Facebook-Anzeige zu schalten. Das kostet Zeit und Schuhsohlen, spart aber das Geld für Marketing, das an der Zielgruppe komplett vorbeigeht.

Realitätscheck ohne falsche Tröstungen

Man muss sich einer Sache bewusst sein: Es gibt keine Garantie, dass dieser Austausch harmonisch wird. Nur weil Frauen die gleiche sexuelle Identität teilen, heißt das nicht, dass sie sich sympathisch sind. Es gibt reaktionäre ältere Lesben und es gibt dogmatische jüngere Lesben. Manchmal passen die Weltsichten einfach nicht zusammen, und kein Coaching der Welt wird das ändern.

Erfolg bedeutet in diesem Bereich nicht, dass am Ende alle Händchen halten und das gleiche Lied singen. Erfolg bedeutet, dass eine 70-jährige Frau nach Hause geht und denkt: „Ich verstehe nicht alles, was die 20-Jährige gesagt hat, aber ich glaube, sie meint es ernst.“ Und dass die 20-Jährige denkt: „Ich teile ihre politischen Ansichten nicht, aber ich habe Respekt vor dem Weg, den sie gegangen ist.“ Mehr ist oft nicht drin. Wer mehr verspricht, verkauft Schlangenöl.

Die Arbeit zwischen den Generationen ist mühsam, oft frustrierend und verlangt eine enorme Frustrationstoleranz. Es gibt keine Abkürzung. Wenn du bereit bist, die Zeit zu investieren, die Sprache der jeweils anderen Seite wie eine Fremdsprache zu lernen und deine eigenen Vorurteile über „die Alten“ oder „die Jungen“ jeden Tag an der Tür abzugeben, dann kann es klappen. Wenn du aber nur nach einem schnellen Erfolgserlebnis für deinen Jahresbericht suchst, lass es bleiben. Du sparst dir eine Menge Ärger und der Community eine weitere enttäuschende Erfahrung.

LZ

Lisa Zimmermann

Zwischen Tagesaktualität und Hintergrundanalyse bringt Lisa Zimmermann Struktur in komplexe Themenlagen.